50 Jahre nach 1968

Vom gesellschaftlichen Umschwung war im Unterland wenig zu spüren

Der «Zürichbieter», Vorgänger des«Zürcher Unterländers», berichtete 1968 über die Ereignisse, die Menschen auf nationaler und internationaler Ebene bewegten – vom Globus-Krawall bis zum Prager Frühling. Während die Welt sich im Umbruch befand, waren in der Region noch andere Themen relevant.

Ein Blick ins Archiv zeigt: 1968 hiess die Zeitung der Region noch «Der Zürichbieter». Berichtet wurde schon damals über lokale, nationale und globale Themen.

Ein Blick ins Archiv zeigt: 1968 hiess die Zeitung der Region noch «Der Zürichbieter». Berichtet wurde schon damals über lokale, nationale und globale Themen. Bild: Bildmontage: Massimiliano Barrea

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Im Sommer 1968 sind im «Zürichbieter» beinahe täglich Berichte über den Demokratisierungsprozess in der Tschechoslowakei und die dortigen Konflikte mit den Sowjets zu lesen. Die Hungersnot in Biafra sorgt ebenfalls regelmässig für Schlagzeilen in der Vorgängerzeitung des «Zürcher Unterländers» – genauso wie die Rassenunruhen in den USA, der Krieg in Vietnam und die demonstrierenden Studenten auf den Strassen Europas.

Am 1. Juli 1968 beschäftigt ein nationales Ereignis die Zeitungen: Es kam am Wochenende in Zürich an der Demonstration für ein autonomes Jugendzentrum zu Auseinandersetzungen zwischen jugendlichen Demonstrierenden und der Polizei. Da besagtes Jugendzentrum im als Provisorium gebauten «Magazine zum Globus» hätte eingerichtet werden sollen, sind die Ausschreitungen als Globus-Krawall in die Geschichte eingegangen.

Ohne den «Zürichbieter»

Mit der Überschrift «Ohne uns» distanziert sich der «Zürichbieter» auf der Titelseite von den Geschehnissen, die im Folgenden aufs Schärfste verurteilt werden. So äussert der Verfasser des Berichts sein Unverständnis darüber, «wenn man versucht, ausländische Beispiele auf die Schweiz zu projizieren». Die Demoteilnehmer bezeichnet er als «fehlgeleitete Jugendliche», die «sich in eine unrealistische Idee verrennen und glauben, nun einfach mit Gewalt zum Ziele zu kommen».

Weiter wirft der Journalist den «Randalierern» vor, sie wären primär gegen die Polizei und nicht von einer politischen Idee geleitet gewesen. Danach kriegen auch die Organisatoren noch ihr Fett weg. Ihnen sei die Kontrolle entglitten, weswegen die Demo schliesslich «zum Kampfplatz jugendlicher Rowdies wurde». Zum Schluss lässt man den Stadtpräsidenten Sigmund Widmer zu Wort kommen. Er verlangt, «dass Ruhe und Ordnung in Zürich aufrechterhalten werden müssen».

Ruhe und Ordnung scheint im Verbreitungsgebiet des «Zürichbieters» – das umfasste die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Uster sowie Zürich Kreis 11 – oberstes Gebot zu sein. Zumindest vermitteln die damaligen Zeitungsausgaben diesen Eindruck.

Geselligkeit in Dielsdorf

Im Sommer 1968 – die Jahreszahl wird sogleich mit den sozialen Bewegungen und dem gesellschaftlichen Umschwung dieser Zeit assoziiert – dominieren im Regionalteil der Zeitung ganz andere Themen. Unter der Rubrik «Lokale Nachrichten» steht nach dem Globus-Krawall beispielsweise der grosse Gemeindeabend, ein «Anlass der Geselligkeit», in Dielsdorf im Fokus. Der Musikverein Kloten erhält neue Uniformen, in Rafz eröffnet die Rosenschau, in Wallisellen herrscht Badefreude. Politisch wird hauptsächlich über die Gemeindeversammlungen berichtet.

Nur ab und an, meist im Rahmen von Leserzuschriften, hält der gesellschaftliche Umschwung auch im Lokalteil des «Zürichbieters» Einzug. Mehrheitlich wird allerdings aus einer kritischen Position heraus geschrieben. Ein Leser, der als Zuschauer die Demonstration in Zürich verfolgte, warnt beispielsweise in seinem Brief: «Passt auf, wir haben jetzt zwei Wutsorten, die Tollwut und die Randalierungswut!»

Einmarsch und Eisenbahn

Rund zwei Monate nach dem Globus-Krawall, heute vor genau 50 Jahren, marschiert die Rote Armee in die Tschechoslowakei ein und schlägt die dortige Reformbewegung nieder. Auch über dieses als Prager Frühling bekannte Ereignis berichtet der «Zürichbieter» ausführlich: «Annexion der CSSR» titelt die Zeitung am Tag danach. In der Kommentarspalte daneben werden die jüngsten Entwicklungen in der Tschechoslowakei mit dem Einmarsch der deutschen Truppen 1939 verglichen. «Die Demonstration der Macht, das brutale Auslöschen des noch so geringsten freiheit­lichen Denkens zeigt aber auch, welche Kreise des Kremels nunmehr die Oberhand erhielten.»

Derweil beschäftigt im Lokalteil der Zeitung vor allem die Stilllegung der Bahnlinie Niederglatt–Otelfingen.

Erstellt: 20.08.2018, 18:57 Uhr

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