Eglisau

Kleinkrieg eines Geschäftsinhabers mit der Zürcher Seepolizei auf dem Rhein ufert aus

Weil ein Inhaber eines Sportgeschäfts es versäumt hatte, für ein Rheinschwimmen eine schriftliche Bewilligung einzuholen, wurde er wegen einer Übertretung gebüsst. Doch die Busse lehnte der Mann ab – nicht zum ersten Mal.

Rechts ist das Zürcher Rheinufer bei Ellikon zu sehen, links der deutsche Uferabschnitt. Foto: Marc Dahinden

Rechts ist das Zürcher Rheinufer bei Ellikon zu sehen, links der deutsche Uferabschnitt. Foto: Marc Dahinden

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Er sei wohl etwas «‹gwehriger› als andere», sagte der Mann am Donnerstag vor der Verhandlung am Bezirksgericht Andelfingen einem Journalisten aus Zürich. Und später, dass er nichts dagegen habe, wenn sein Name in der Zeitung erscheine. Dem Gerichtspräsidenten erzählte er, dass in einer Schaffhauser Zeitung bald eine «grössere Reportage» über sein Geschäft erscheine. «Ja», sagte der Richter unbeeindruckt.

Der bald 70-jährige Mann verteidigte sich selber. Er besitzt im Zürcher Unterland ein Sportgeschäft. Die Verhandlung nutzte er auch, um für seine Angebote Werbung zu machen. Er vermietet zum Beispiel Kanus oder bietet Flussschwimmen an. Dem Andelfinger Richter fiel er einige Male ins Wort und stellte diesem Gegenfragen.

Als ihn dieser nach seinen Vorstrafen fragte, wurde klar: Der Beschuldigte führt seit Jahren eine Art Kleinkrieg gegen die Zürcher Seepolizei auf dem Rhein. Er erzählte, dass er sich wegen dieser Polizei schon zwei Mal vor das Bezirksgericht Bülach verantworten musste.

Busse von 200 Franken

In Andelfingen stand der Geschäftsinhaber vor Gericht, weil er im August 2017 ein öffentliches Flussschwimmen von Ellikon am Rhein (ZH) nach Rüdlingen (SH) mit rund 50 Teilnehmern ohne Bewilligung der Zürcher Seepolizei durchgeführt hatte. Das Statthalteramt des Bezirks Andelfingen bestrafte ihn daher mit einer Busse von 200 Franken und Gebühren von 250 Franken.

Gegen den Strafbefehl des Amtes erhob der Mann Einsprache. Seine Begründung: Nicht er sei für die Einholung der Bewilligung zuständig gewesen, sondern die Unterländer Standortförderung, in deren Auftrag er den Anlass durchführte. Und von diesem Verein habe er die Rückmeldung erhalten, dass das Rheinschwimmen laut Seepolizei durchgeführt werden könne – ausnahmsweise ohne schriftliche Bewilligung, weil für ein Gesuch die Zeit gefehlt hatte.

Ein «Kämpfertyp»

«Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Sie ein Kämpfertyp sind, sich nicht alles bieten lassen, sich für Ihre Anliegen stark engagieren. Trifft das zu?», fragte der Richter. Er wehre sich schon, antwortete der Mann. Auch sehe er eine politische Komponente. So sei ihm ein «schlanker Staat» wichtig, doch die Seepolizei weite zusehends ihre Kompetenzen aus.

«Ich will, dass jemand einmal der Seepolizei sagt, was sie zu tun hat.»

«Ich habe es ‹da obe› und will, dass jemand einmal der Seepolizei sagt, was sie zu tun hat.» Das Gericht, sagte der Präsident, sei gegenüber der Seepolizei nicht weisungsbefugt. Er versuche, fuhr der Mann fort, dafür interessierte Politiker zu finden – es gehe um die «Rechte und Pflichten der Seepolizei», meinte er. In der Befragung durch den Richter sagte er unumwunden, dass das Rheinschwimmen dazu diene, die Leute auf seine Firma aufmerksam zu machen.

Auch 2018 führte der Mann den Schwimmanlass durch, aber ohne die Unterländer Standortförderung und nicht mehr ab dem Zürcher Flussufer bei Ellikon. So mussten die Teilnehmer vom gegenüberliegenden, deutschen Ufer aus starten und dann dem Schaffhauser Rheinufer entlang nach Rüdlingen schwimmen.

Von den Behörden dieses Ufers hatte er die Bewilligungen. Am deutschen Ufer habe es mehr Platz für den Start, meinte der Mann. Und als «erfreulicher Nebeneffekt» müsse er so die Behörde nicht mehr informieren, die am meisten Probleme mache – die Zürcher Seepolizei.

Ob seine Einsprache gegen den Strafbefehl Teil eines Kampfes gegen diese Polizei sei, wollte der Richter zum Schluss der Befragung wissen. Der Mann bejahte, aber es gebe eben auch eine politische Seite im ganzen Konflikt. «Danke für die angenehme Befragung», sagte der Mann vor der Urteilsberatung zuversichtlich.

Keine Bestrafung

Doch dann kam es anders. Das Andelfinger Bezirksgericht sprach den Geschäftsinhaber schuldig, weil er als hauptverantwortliche Person des Rheinschwimmens keine schriftliche Bewilligung eingeholt hatte. Von einer Bestrafung sah das Gericht aber ab, und es nahm alle Kosten auf ihre Kasse. «Haben Sie das verstanden?»

«Ich habe es gehört, verstanden nicht.»

Der Richter fragte, weil der Mann zu Beginn der Verhandlung gesagt hatte, dass er nicht gut höre. Der Mann verneinte, und der Richter wiederholte das Urteil. Dann spielte der Verurteilte mit der Doppeldeutigkeit des Wortes «verstehen»: Er habe es wörtlich verstanden, «ich habe es gehört, verstanden nicht.» Der Richter entgegnete gelassen: «Das Risiko haben wir als Gericht, dass wir nicht allen Erwartungen entsprechen. Und: «Man hätte das Verfahren früher einstellen sollen.»

Er sprach von einer «absoluten Kleinigkeit», die in keinem Verhältnis mehr stehe zum Aufwand. Auch lobte der Präsident die Arbeit des Mannes zugunsten von Mensch, Sport und Natur.

«Es ist katastrophal»

Nichts nützte: «Sie schädigen meine Firma, machen mich zum Schuldigen», sagte der Mann aufgebracht. «Es ist katastrophal, ich bin absolut enttäuscht.»

Der Standortförderverein habe das Gesetz übertreten, nicht er. Der Mann und das Statthalteramt können das Urteil ans Obergericht weiterziehen.

Erstellt: 20.06.2019, 17:38 Uhr

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