Ossingen/Winterthur

«Sehe immer den Aspekt des Subversiven»

Die diesjährige Manor-Kunstpreis-Trägerin des Kantons Zürich kommt aus der Region: El Frauenfelders zeitlos faszinierende Bilder entstehen in einem einfachen Atelier im Ortskern von Ossingen.

«Das Zerstören ist wichtig in meiner Arbeit. Nettes wird nicht stehen gelassen»: El Frauenfelder in ihrem Atelier.

«Das Zerstören ist wichtig in meiner Arbeit. Nettes wird nicht stehen gelassen»: El Frauenfelder in ihrem Atelier. Bild: Patrick Gutenberg

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Es entsteht. In der Werkstatt von El Frauenfelder (*1979) in Ossingen hängen und liegen grossformatige Bilder. Aktuell arbeitet sie an «Motels in Amerika». Die gesichtslosen Häuser könnten aber auch in der Winterthurer Peripherie stehen. Vielleicht wäre Edward Hopper einmal an den Punkt gekommen, wo er die Farben grob aufgespachtelt hätte, um zugleich feinfühlig eine unheimliche Stimmung zu vermitteln. Nun tut es El Frauenfelder.

Einige Aspekte des Bildes ähneln noch den Fotos, die sie in den USA gemacht hat. Da ist eine Unschärfe im Hintergrund und einige Farben sind realistisch. Andere Elemente sind verfremdet und wirken mystisch. «Amerika spielt in meiner persönlichen Mythologie eine Rolle», sagt sie. Aber auch die Landschaft rund um Ossingen sei ihr ans Herz gewachsen und sie würde gerne mehr damit arbeiten.

Ihre Bilder haben verschiedene Bedeutungsebenen und geben sich schichtenweise preis. «Die Aussage verändert sich auch im Zusammenspiel mit anderen Bildern», weist sie hin. Vorlagen kommen aus dem Erleben der Künstlerin, aus ihren Orten und Kontakten.

Destruktion ist wichtig

Im April geht die diesjährige Manor-Kunstpreis-Trägerin des Kantons Zürich aber erstmal zwei Wochen nach South Dakota, sammelt Inspiration und Kraft. Mit der Auszeichnung hat sie gerade viel erreicht, aber die damit verbundene Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur im September schäftigt sie schon jetzt intensiv. Eine Auswahl von Altem und Neuem möchte sie zeigen. Verbindendes Element ist dabei die Destruktion. Den Leinwänden ist anzusehen, dass sie eingeschnitten, abgeschabt, überklebt worden sind. «Das Zerstören ist wichtig in meiner Arbeit», erklärt sie, «Nettes wird nicht stehen gelassen.»

Reibung fasziniert sie

Darin liegt die Stärke ihres Werks. Obwohl sie sich an grosse Leinwände wagt, sind ihre Arbeiten von einer enormen Dichte. Sie verraten nicht zu viel auf den ersten Blick und sind flüchtig im Subtilen. Nichts überflüssig, es gibt keine Kompromisse – so wie sich auch El Frauenfelder kompromisslos für den Weg zur Künstlerin entschieden hat. Ihre Ausbildung machte sie an der Academy of Fine Arts in Helsinki, das hat ihr gefallen. «Dort gibt es immer irgendeine Reibung, krasse Wind-, Licht- oder Kälteverhältnisse», erinnert sie sich. Die traditionellen Unterrichtsangebote habe sie in Finnland weniger genutzt, eher habe sie gelernt, aus sich selbst heraus zu schaffen.

Der Kunstpreis ist nicht nur mit 15 000 Franken dotiert, was der Vollblutkünstlerin zupass kommt, auch die Präsentation im Kunstmuseum und eine Publikation werden die junge Frau verdientermassen stärker ins Rampenlicht rücken. Im Gespräch ist sie ernsthaft, reflektiert. Trotz ihres «wilden» Malstils hat sie sich mit den alten Meistern befasst. Bildausrisse der modernen Klassiker hat sie im Atelier als Inspiration an die Wand geheftet.

Sogwirkung und Fragen

Sie arbeitet mit Öl auf Leinwand und appliziert manchmal Leinwandstücke auf die Flächen. So kommt sie auf die dritte Ebene, ohne skulptural zu werden. Aber die Technik ist eigentlich egal, ihre Bilder sind einfach da: Kraftvoll entfalten sie ihre Wirkung und verwickeln den Betrachter in eine Fragestellung, die zuvor nicht in ihm war. El Frauenfelder schafft Bilder, die einem etwas zu sagen haben. Und nach einigen Jahren vielleicht etwas anderes.

Erstellt: 25.03.2015, 15:40 Uhr

Ausstellung

Das Kunstmuseum Winterthur wird Werke von El Frauenfelder vom 11. September bis 13. Dezember präsentieren.

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