Pro und Kontra

Braucht es wirklich Drohnen in unserem Alltag?

Flavio Zwahlen findet Drohnen praktische Geräte mit hohem Spassfaktor, während sich Fabian Boller vor einem Drohnenschwarm am Himmel graust.

Des einen Freud, des anderen Leid: Eine Drohne am Himmel.

Des einen Freud, des anderen Leid: Eine Drohne am Himmel. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

PRO

Flavio Zwahlen, Redaktor Zürcher Unterländer

Drohnen sind per Definition unbemannte Luftfahrzeuge, die durch einen Computer oder über eine Fernsteuerung betrieben und navigiert werden. Solche Geräte sind vor allem für das Militär interessant. Nun gibt es aber auch noch die sogenannten Quadrokopter, die ebenfalls zur Spezies der Drohnen gehören. Vor einigen Jahren noch überteuert und kaum im Umlauf, erhält man die Minihubschrauber heute in fast jedem Geschäft zu niedrigen Preisen.

Eine gute Sache. Wer bereits mal mit einer Drohne herumgespielt hat, weiss, wie viel Spass das macht. Die ferngesteuerten Geräte sind ein Spielzeug für jedermann. Die Zeiten, in denen Laien mit Modellflugzeugen Bruchlandung um Bruchlandung hinlegten, sind jetzt vorbei. Dank den vier Propellern ist die Stabilität in der Luft gewährleistet und die Lenkung einfach zu handhaben.

Deshalb sind Drohnen nicht nur wertvoll, um damit wunderschöne Bilder aufzunehmen. Die Polizei benutzt die Geräte beispielsweise bei Verfolgungsjagden. Das senkt das Unfallrisiko durch waghalsige Manöver um ein Vielfaches. Die Flüchtigen können bequem durch die Luft verfolgt werden. Die Kantonspolizei Zürich besitzt eine Flotte von zehn Drohnen, die grösste aller Kantonspolizeien.

Drohnen sind aber auch Lebensretter. So werden sie von Bergrettern in schwer zugänglichen Gebieten eingesetzt. Die Quadrokopter können mit Wärmebildkameras oder Lawinenverschüttetensonden ausgerüstet werden. Die Anschaffungs- und Betriebskosten sind im Vergleich zu einem herkömmlichen Helikopter wesentlich tiefer.

Für die Wirtschaft haben Drohnen durchaus eine grosse Bedeutung. Wie wäre es, wenn Ihre Pizza oder Ihre Post bald durch die Luft geliefert wird? Klingt zurzeit noch unvorstellbar. Aber das war ja vieles, was heute zum Alltag gehört. Stichwort Smartphones. Diese Methode würde Geld und Zeit sparen und ist ausserdem – mit herzlichem Gruss an die Grünen – sehr umweltfreundlich.

Einziger Nachteil: In unserer Region landen und starten Flugzeuge. Klar kann es da zu gefährlichen Zwischenfällen kommen. Eines ist klar: Drohnen dürfen keine Menschen in Gefahr bringen. Aber Skyguide hat für dieses Problem sicherlich Lösungen bereit. Letztlich muss jede Branche mit der Digitalisierung Schritt halten. Sich neuen Technologien zu verweigern, bringt nichts.
flavio.zwahlen@zuonline.ch

KONTRA

Fabian Boller, Redaktor Zürcher Unterländer

Eigentlich bin ich neuen Technologien gegenüber ja mehr als aufgeschlossen, aber mir graut vor der Vorstellung von Drohnenschwärmen über meinem Kopf. Vielleicht bin ich hier zu pessimistisch eingestellt, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie unbemannte fliegende Objekte zum Beispiel plötzlich den Job meines Pöstlers übernehmen und mir Pakete nach Hause liefern sollen.

Der Gedanke, morgens beim Verlassen des Hauses bei den Briefkästen plötzlich auf Augenhöhe einem solchen surrenden Ding zu begegnen, lässt mich erschaudern. Wie würde etwa der Himmel über Bülach oder Opfikon um 10 Uhr aussehen, wenn alle Zalando- und Amazon-Pakete plötzlich via individuelle Luftpost überbracht werden? Ich möchte es mir nicht ausmalen. Und wie sieht es am Abend aus, wenn jede Pizza und jedes Satay Chicken per Drohne auf dem Balkon serviert wird? Da wird einem der Blick auf den Sonnenuntergang doch zünftig vermiest.

Wirklich praktikabel scheint mir die Idee mit den selbstfliegenden Objekten nicht. Wie sieht es mit Vandalismus aus? Als kleiner Junge hätte ich mich über die Drohnen gefreut, hätten sie doch ideale Ziele für meine Steinschleuder abgegeben. Man könnte auch versuchen, siemit Fussbällen aus der Luft zu holen oder mit Baseballschlägern auf sie einzudreschen . . .

Auch in Sachen Sicherheit scheint mir die ganze Sache nicht koscher. Ich möchte ungern beim Gassigehen mit meinem Hund von so einem Ding erschlagen werden, weil der Coop@Home-Einkauf des Nachbarn zu schwer war für die Drohne. Wenn so eine Drohne mal ein Problem hat, kann sie nicht einfach rechts ranfahren und auf dem Pannenstreifen anhalten, sondern sie fällt wie ein Stein vom Himmel und wird zur Gefahr für Mensch und Tier. Und ob sich unsere Vögel darüber freuen, den Luftraum künftig mit Drohnen zu teilen, wage ich zu bezweifeln.

Es ist mir bewusst, dass der Platz auf der Strasse immer knapper wird und so eine Drohne sicher effizienter und ökologischer ist als ein Lastwagen. In gewissen Bereichen mögen die unbemannten Flugobjekte sicher auch gute Dienste erweisen, beispielsweise bei der Verbrechensbekämpfung oder Personenrettung. Aber wollen wir unseren Himmel wirklich als neue Verkehrsplattform öffnen und dem Drohnenverkehr opfern? Ich sage Nein.
fabian.boller@zuonline.ch (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.03.2018, 09:41 Uhr

Artikel zum Thema

Skyguide treibt Drohnensystem voran

Flughafen Ab Juni 2018 sollen Drohnen in den Überwachungsapparat der Flugsicherungsgesellschaft Skyguide integriert sein. Das neue System wird automatisch Bewilligungen für Drohnenflüge ausstellen können und soll zudem die Kommunikation zwischen Drohnenpilot und Flugsicherung ermöglichen. Mehr...

Flavio Zwahlen, Redaktor: «Drohnen sind Lebensretter. So werden sie von Bergrettern in schwer zugänglichen Gebieten eingesetzt.»

Fabian Boller, Redaktor: «Für mich als kleinen Jungen mit Steinschleuder hätten Drohnen ein ideales Ziel abgegeben.»

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben