Oberembrach

600 Tonnen Mehl in zwei Türmen

Ein Müller steht heutzutage nicht mehr am Mühlstein. Urs Brunner ist vielmehr ein Allrounder in seinem auffälligen Turm.

Margrith und Urs Brunner sind Müller in Oberembrach.

Margrith und Urs Brunner sind Müller in Oberembrach. Bild: Madeleine Schoder

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Das Müllerleben hat von jeher die Kreativität beflügelt, vor allem mit Liedern von «Das Wandern ist des Müllers Lust», über «Es klappert die Mühle am rauschenden Bach», bis zu Schuberts «Die schöne Müllerin». Der Arbeit des Müllermeisters Urs Brunner in Oberembrach haftet allerdings nicht so viel Romantik an. Er koordiniert den Einsatz von Futter- und Mehlmüllern, zwei Chauffeuren und einem Logistiker.

Mit seiner Frau Margrith, die dazu den Mehlladen betreibt, sorgt er dafür, dass in dem über 26 Meter hohen Turm die Räder nicht still stehen — ist man versucht zu sagen. Aber natürlich betreibt Brunner kein Mühlrad mehr, sondern 136 Maschinen, die das Getreide reinigen, mahlen, sieben und befördern. Einen Grossteil seiner Zeit widmet er daher technischen Fragen.

Moderne Technik dominiert im Mühlenturm, dem romantischen Image zum Trotz. Bild: Madeleine Schoder

Er sei freiwillig Müller geworden, berichtet er, auch wenn seine Familie das Handwerk schon in der sechsten Generation an diesem Ort betreibt. Sein Bruder wirtschaftet im Restaurant; nur in Kombination mit einem Essen können Gruppen ab fünf Personen um eine Mühlenführung bitten. Dann sind auch die 74 Nistkästen für Mauersegler ein Thema, die der Vogelschutzverein im Turm betreut.

Beruf nicht nachgefragt

Denn beim diesjährigen Schweizer Mühlentag (27. Mai) wird Brunner nicht dabei sein. Die Veranstaltung vermittle ein eher anachronistisches Bild des Müllerberufs, meint er. Auch die Bücher beim Berufsberater stellten die Tätigkeit nicht so vielseitig und interessant dar, wie sie in der Praxis sei. «Für mich hat es sich so ergeben, aber es ist auch meine Berufung», sagt er überzeugt. Mangels Nachfrage hat er aktuell keinen Lehrling, auch wenn er grundsätzlich ausbilden würde.

Regionales Weizenmehl wird in drei Qualitäten produziert, dazu Roggen- und das trendige Urdinkelmehl. «Wir mahlen 24 Stunden am Tag, fünf Tage die Woche», erläutert Brunner, «gegen Weihnachten mehr». Der beschriftete Betonturm kann 340 Tonnen Weizen fassen, der angebaute Stahlturm weitere 160 Tonnen sowie 100 Tonnen Mehl. Die Ware reist zu 80 Prozent im Tankwagen zu den Bäckern in der Gegend, wo es dann wieder poetisch heisst: «Backe, backe Kuchen...». (Der Landbote)

Erstellt: 02.03.2017, 12:05 Uhr

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