Konzerte

Clubs konnten strengere Lärmschutzauflagen verhindern

Clubbetreiber und Konzertveranstalter machten erfolgreich Druck gegen striktere Auflagen.

Die Clubszene kann aufatmen. Die neue Gehörschutzverordnung ist weniger streng als geplant. Bild: elo/Archiv

Die Clubszene kann aufatmen. Die neue Gehörschutzverordnung ist weniger streng als geplant. Bild: elo/Archiv

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Der Aufschrei in der Event- und Kulturszene war laut. Doch am Ende hat sich die Kulturlobby in Bundesbern durchgesetzt – am runden Tisch und ziemlich leise.

Mit der neuen Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nicht ionisierende Strahlung und Schall wollte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Auflagen für den Gehörschutz bei Konzerten deutlich verschärfen.

Neu hätten Veranstalter auch vergleichsweise leise Konzerte (zwischen durchschnittlich 93 und 96 Dezibel) und kurze lautere Konzerte (96 bis 100 Dezibel) mit einem professionellen Aufnahmegerät aufzeichnen müssen. Die Aufnahmen hätten die Veranstalter für einen Monat speichern müssen. Das hätte den Behörden nachträgliche Kontrollen ermöglicht.

Kleine fürchteten Kosten

In letzter Konsequenz hätte selbst an Hochzeiten ein professioneller Tontechniker aushelfen müssen. De facto hätten die Mehrkosten jedoch vor allem Veranstalter kleiner öffentlicher Events getroffen: Im Unterland zum Beispiel den Quartierverein Glattpark mit seiner Open-Air-Reihe Jazz am See oder das Guss 39 in Bülach.

«Auf Verordnungs- und Gesetzesstufe ändert sich für die Clubs kaum etwas»

Der Verband Schweizer Musikclubs und Festivals Petzi rechnete mit Kosten von rund 2000 Franken für die Anschaffung des Messgeräts, das den neuen Auflagen entsprach.

Weniger dramatisch wäre die Neuerung für Grossanlässe und gewerbsmässig betriebene Clubs gewesen. Für das Zürich Openair in Rümlang etwa hätte sich nicht viel geändert, weil die Konzerte bereits in den vergangenen Jahren mit einem Schallmessgerät aufgezeichnet wurden.

Behörden und Branchenvertreter trafen sich nach der lauten Kritik zu einem klärenden Gespräch. Das BAG beantragte daraufhin dem Bundesrat, die Verschärfungen zu streichen – was auch passierte. «Auf Verordnungs- und Gesetzesstufe ändert sich für die Clubs kaum etwas», sagt Jonatan Niedrig, Geschäftsführer von Petzi. Im Gegenzug muss die Branche dem BAG Empfehlungen zur Wahl des Messmittels und der Messmethode machen.

«Wir sind froh, dass wir das Jazz am See & more auch in Zukunft im bekannten Stil durchführen können», sagt Sascha Zimmermann vom Quartierverein Glattpark. «So können wir uns die teuren Messgeräte, Installationen und zusätzlichen Aufwände sparen, welche die neue Verordnung mit sich gebracht hätte.» Ohrstöpsel werden Pflicht

Eine Miniverschärfung brachte die Verordnung doch: Auch Unplugged-Konzerte müssen neu gratis Ohrstöpsel verteilen und mit Info-Material auf mögliche Gehörschäden aufmerksam machen.

Im Herbst will Petzi seine Mitglieder nochmals informieren. Neben dem Gehörschutz regelte die neue Verordnung auch zwei andere Bereiche neu: Zum einen gilt neu ein Solariumverbot für Minderjährige, und gefährliche Laserpointer sind nicht mehr erlaubt. (hit/asö)

Erstellt: 13.08.2019, 17:33 Uhr

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