Fotos

Das liebste und das misslungenste Bild der ZU-Fotografen von 2016

Sie stehen für den Zürcher Unterländer im Dauereinsatz und schiessen Bilder im Akkord. Einige gelingen sehr gut - andere weniger.

Ein sehr gelungener Schnappschuss bei der Rivella Toasted Challenge in Kloten.

Ein sehr gelungener Schnappschuss bei der Rivella Toasted Challenge in Kloten. Bild: Leo Wyden

Francisco Carrascosa

Mein Lieblings Bild des Jahres ist ein rein emotionales und sehr persönliches Foto. Es entstand mein erster Einsatz beim «Zürcher Unterländer» Mitte November. Ich hatte das Glück, dass auf dem Naturschutzgebiet Moos «Action» war. Es passte alles. Als das Bild am nächsten Tag auf der Frontseite des «ZU» erschien, sah ich in einer Sekunde wieder die ganze Reportage vor meinem Auge abspielen und spürte diese Lust nach mehr – nach mehr Bildern. Dieses Bild beinhaltet für mich zwei Dinge, die für mich als Bildsuchender sehr wichtig sind: Inhalt und Form, dass beides zu einem wird – und passt.

Die Waldspielgruppe von Bachenbühlach besuchte ich am 14. Dezember. Es war kalt. Am Feuer aber gemütlich. Ein Geburtstag wurde gefeiert und Schlangenbrot über dem Feuer gegrillt. Für uns Fotografen sind das kleine Highlights in unserem Fotografenalltag. Dieses Foto entstand am Schluss der Reportage und ich ärgere mich jedes mal, wenn ich es anschaue, denn alles ging so schnell: Ich sah nur eine Kinderhand ein Gipfeli hoch in die Luft haltend und einen Hundekopf, gierige Augen und ein triefendes Maul angesichts des feinen, vor die Nase gehaltenen Snacks. «Das Bild der Woche», dachte ich, einfach abdrücken. Nur leider stand ich auf der falschen Seite des Hundekopfs!

Nichts wurde aus dem Bild der Woche. Am richtigen Zeitpunkt am falschen Ort, ärgerlich!

Leo Wyden

Das missratene Foto, das ich für diesen fotografischen Jahresrückblick ausgewählt habe, ist erst kürzlich entstanden. Kurz vor Weihnachten erteilte mir die Redaktion den Auftrag, das Bild für die Titelseite der Ausgabe von Heiligabend zu liefern. Man entsandte mich zur beleuchteten Tanne bei der Bülacher Firma Landert, wie es von einer Leserin gewünscht worden war.

Ich befestigte meine Kamera auf einem Stativ, um das Bild länger belichten zu können. Ich war aber zu ungeduldig und nahm die Kamera zu früh vom Stativ – sie war noch mitten in der Aufnahme. Darum entstand dieses verwackelte Foto, und ich musste die Prozedur wiederholen. Erst später betrachtete ich das missratene Foto genauer und sah, dass es den Anschein hatte, als wäre jede elektrische Kerze von einem kleinen Herzen umrahmt. Mein Fehler hatte demnach ein besonderes Ambiente geschaffen, einen Hauch vom Fest der Liebe gewissermassen. Damit gefiel mir das misslungene Foto fast besser als das Original. Und ich war froh, dass ich zufällig genauer hingeschaut hatte.

Normalerweise löschen Fotografen ihre offensichtlich verwackelten Bilder ja sofort. Eines meiner Lieblingsfotos des zu Ende gehenden Jahres ist dasjenige, das ich bei der Rivella Toasted Challenge in Kloten Anfang September geschossen habe. Ich war für eine Reportage für den ZU vor Ort und habe vom verrückten Hindernislauf im Freibad, an dem unter anderem Prominente teilnahmen, unzählige Bilder geschossen. Auch als die Bachelorette Zaklina Djuricic aus der TV-Sendung von 3plus mit ihrem Auserwählten Michael Schmied über eine Brücke schritt, das Gleichgewicht verlor und ins Wasser stürzte, habe ich natürlich mit der Kamera draufgehalten.

Kurz darauf fiel der Freund der jungen Frau hinterher, was ich ebenfalls fotografierte – und dabei genau glücklicherweise denjenigen Moment einfangen konnte, in dem Michael Schmied ins Wasser eintauchte, samt in der Luft zappelnden Beinen und spritzendem Wasser. Gar riesiges Glück war, dass der Eintauchende die Bachelorette dabei nicht verdeckte. Man kann als Fotograf immer bereit sein, braucht aber auch grosses Glück, um präzise einen solchen Moment zu erwischen.

Sibylle Meier

Ich habe das Glück, auch ländliche Themen interpretieren zu dürfen, wenn ich für den «Zürcher Unterländer» unterwegs bin. Auf dem gezeigten Foto ist das Ehepaar Hans und Jolanda Egli aus Steinmaur mit seinen Bekannten aus Dänemark, allesamt Landwirte, abgebildet. Ich wünschte mir eine Aufnahme, auf der auch ein paar Hofhühner erkennbar sein sollten. Dabei schwebte mir vor, die Hühner zum Fliegen zu bringen; ein bisschen wie Tauben während einer Hochzeitsfeier.

Das Unterfangen gestaltete sich jedoch nicht ganz einfach, und so ist das dänische Paar auf dem Bild beinahe vollständig von den fliegenden Hühnern verdeckt. Jolanda Egli ist zwar prominent im Bild, allerdings nimmt sie mit ihrer Handbewegung – auch sie liess ein Huhn fliegen – so viel Raum ein, dass auch der Kopf ihres Mannes nicht erkennbar ist.

Das Bild mag missraten sein, ist man hinsichtlich von Zeitungsfotos Anhänger eines klassischen Verständnisses. Dies, weil die Protagonisten nun die Hühner und nicht mehr die Personen sind – aber die fliegenden Tiere lockern die Komposition auch auf und lassen die ursprüngliche Bildidee ziemlich absurd erscheinen, was mir gefällt. Für eine Reportage im Schrebergarten in Buchs sind die Redaktorin und ich für eine Reportage zufällig auf das Ehepaar Darinka und Paolo Perselli getroffen, sie aus Bosnien und er aus Italien. Zwei fröhliche und gastfreundliche Menschen, die uns mit offenem Herzen einen Einblick in ihr Leben gewähren, sie erzählen uns ihre Geschichte(n).

Aber auch durch das genaue Betrachten des Gartens und des Gartenhäuschens erfahren wir einiges über die beiden. Es wurde mit viel Liebe zum Detail de­koriert und mit Fotografien der Familie, einem gemalten Bild der Eltern von Paolo Perselli, persönlich ergänzt.

Das Paar steht für mich stellvertretend für die vielen Por­träts, die ich im Zusammenhang mit meiner Arbeit als Fotografin mache darf. Es sind meist kurze, aber intensive Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und mit vielfältigen Interessen: vom Asylsuchenden zum Nussknacker, weiter zum Waffennarr und dann zur Zauberfee.

Keine dieser meist positiven Begegnungen möchte ich missen, auch jene nicht, die sich anstrengend und kompliziert präsentieren. Sie stillen meine Neugier für Unbekanntes und meine Lust, Fremdes kennen zu lernen, für mich sind es Reisen, ohne zu reisen.

Balz Murer

Das missratene Bild zeigt das Bungeetrampolin am Weihnachtsmarkt in Dielsdorf: Doch manchmal ist sogar ein missratenes Bild, ein spannendes Bild. Auf der Suche nach der perfekten Aufnahme kann es dabei zu ganz ungewollten und höchst überraschenden Resultaten kommen, so wie bei diesem Schnappschuss in Dielsdorf.

Der Knabe am oberen Bildrand schickt sich gerade an, aus dem Bild zu hüpfen, was dem Ganzen eine ganz neue Optik und – letztlich – Dynamik verleiht. Sein «Bildersprung» macht aus dem ursprünglich missratenen Bild eine ganz neue Aufnahme und verändert damit die Sichtweise spontan.

Mein Lieblingsbild habe ich am Christbaumverbrennen in Stadel gemacht. Wie bei einem Vulkanausbruch loderte das Feuer im Januar beim alljährlichen Stadler Christbaumverbrennen. Dabei fachte der Wind die Flammen bedrohlich an. Die in die Luft stiebenden Funken und der orange leuchtende Hintergrund schaf­fen bei dieser Aufnahme eine expressive Stimmung, ähnlich einem Höllenfeuer. Nur der kleine Christbaum im Vordergrund scheint seinem Schicksal entronnen zu sein ...

Mir gefallen an diesem Bild einerseits die unvorhergesehene Bewegung des Feuers und der Kontrast zwischen dem dunklen Nachthimmel und den kräftigen Rot-Orange-Tönen, anderseits der durch das Blitzlicht ungewollt eingefrorene Vordergrund mit dem verloren wirkenden Tännchen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 28.12.2016, 16:35 Uhr

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