Klimastreiks

Das sagt die Unterländer Politik zu den Klimastreiks

Eine verantwortungsvolle Bewegung – oder ein naiver Vorwand, um die Schule zu schwänzen? Eine Übersicht zu Unterländer Politmeinungen.

Zürcher Schülerinnen und Schüler demonstrieren für den Klimaschutz auf der Bahnhofstrasse.

Zürcher Schülerinnen und Schüler demonstrieren für den Klimaschutz auf der Bahnhofstrasse. Bild: Elena Willi

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Die Klimastreiks beherrschen Medien und Politik auch hierzulande; gleichermassen deutlich wie die Zahlen der streikenden Schülerinnen und Schüler sind dabei die Meinungen, die Erwachsene über sie in den sozialen Medien äussern. Während der Unterländer Support bis weit über die Mitte hinausreicht, stellt sich manches SVP-Mitglied quer.

Die Unterstützer

Volle Solidarität geniesst die Klimabewegung beispielsweise von Nick Glättli, SP-Kantonsratskandidat aus Neerach: «Das ist Engagement!», schrieb er am 21. Januar auf Twitter. «Diese mutigen jungen Aktivisten lassen sich nicht unterkriegen. Es ist eine Schande, dass bürgerliche Politiker Schülern drohen, die für ihre Zukunft kämpfen und die Arbeit erledigen, die diese Politiker verweigern.» Auch Priska Seiler Graf, SP-Nationalrätin sowie Stadträtin in Kloten, spendet am 18. Januar Beifall: «Einfach eindrücklich, der Klimastreik der Jugend!»

Auch einige Twitter-Accounts von Unterländer Parteifraktionen glänzen mit dem Hashtag #Klimastreik. Die SP Bezirk Dielsdorf greift die junge Bewegung bereits kurz vor Weihnachten auf: «Gestern haben Schüler*innen in mehreren Kantonen fürs Klima gestreikt. Es muss ein Umdenken stattfinden. Wir müssen als Gesellschaft Verantwortung übernehmen.» Die SP Bülach wiederum retweetet die Klima-Allianz Schweiz, die am 18. Januar die Demonstration auf der Polyterrasse unterstützt hat und sich «für konsequenten und gerechten Klimaschutz» ausspricht. Zu sehen sind dabei auch diverse Plakate der Demo, etwa der Spruch: «Was gibt der Bachelor seinen Ladys, wenn es keine Rosen mehr gibt?»

Der Klotener SP-Kantonsratskandidat Max Töpfer thematisiert den Streik ebenfalls mit einem Retweet von Jolanda Spiess-Hegglin. Diese zitiert aus einem Artikel der deutschen Zeitung «TAZ»: «Warum bringt die junge Frau (Greta Thunberg, Anm. d. Red.) nicht nur, aber vor allem Rechte und Klimaskeptiker/-innen so in Rage? Ganz einfach: Weil sie recht hat.» Auch die GLP-Kantonsrätin Barbara Schaffner aus Otelfingen verlinkt einen Artikel über die junge Schwedin Greta Thunberg, deren Schulverweigerung im Dezember zur wachsenden Bewegung geführt hatte. Der Artikel stammt aus dem deutschen Magazin «Zeit online» und zeigt Thunbergs Rede am World Economic Forum (WEF).

Die Gegner

Vonseiten der SVP klingt es ganz anders. So twittert etwa die Regensdorfer SVP-Kantonsrätin Barbara Steinemann am 23. Januar: «Es ist verlockend, statt zur Schule für eine gute Sache auf die Strasse zu gehen. Wenn sie den Schülern (und Lehrern) wirklich wichtig wäre und sie glaubwürdig demonstrieren wollen, würden sie ihre Freizeit dafür opfern und auf Handy, Auto etc. verzichten.» Dazu verbreitet Steinemann einen Artikel aus «20 Minuten», in dem zur Debatte steht, ob politisch linksstehende Lehrpersonen ihre Klassen zur Demo mobilisieren würden. Dass die Kinder manipuliert würden, scheint Steinemann zu beschäftigen: Nach ihrem Auftritt in der «Arena» habe sie eine E-Mail von einem Jungen erhalten: «Zehn Jahre alt, geschliffene Formulierung, perfektes Deutsch, alle Rechtschreibregeln eingehalten und dann noch politisch korrekt ‹Schülerinnen und Schüler› – ich mag es nicht, wenn Kinder für politische Zwecke vor den Karren gespannt werden.»

Auch Claudio Schmid (SVP-Kantonsrat, Bülach) unterstützt die These, dass Lehrpersonen ihre Schützlinge indoktrinieren würden – was er an einem Schreiben der «Arbeitsgruppe nachhaltige KZO» zeigt, das nicht zum Streik aufruft, aber die «dramatische Veränderung des Klimas» mit dem Umsetzen der Menschenrechte zusammenbringt. Schmid äussert sich mehrfach gegen die Bewegung. Am jüngsten ist ein Tweet vom 29. Januar: «Noch nie gab es auf unserer Erde so viel Wohlstand; Essen, Gesundheitsversorgung, Jobs, Bildung, Kultur, Innovation und Entfaltungsmöglichkeiten. Was haben wohl deine Lehrer u/o Eltern nur mit dir gemacht, Pauline …?» Dazu verlinkt ist ein Bild einer Kölner Schülerin, die sich fragt, was sie mit der Schulbildung anfangen solle, wenn es keine Welt mehr gibt, auf der es sich zu leben lohnt.

Erstellt: 01.02.2019, 18:22 Uhr

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