Unterland

Das steckt im Boden des Unterlandes

Die geologische Karte «Bülach» ist erschienen, das 151. Blatt des «Geologischen Atlas der Schweiz». Während 35 Jahren hat der Geologe Peter Haldimann den Unterländer Boden vom Altberg bis zur Töss untersucht und den obersten Bereich des Untergrundes dokumentiert.

Autoren der geologischen Karte Bülach sind Peter Haldimann (Mitte) und Hansruedi Graf (rechts). Kartenredaktor ist Daniel Kälin von Swisstopo. Sie haben am Mittwoch das Blatt im Bergwerk Buchs vorgestellt.

Autoren der geologischen Karte Bülach sind Peter Haldimann (Mitte) und Hansruedi Graf (rechts). Kartenredaktor ist Daniel Kälin von Swisstopo. Sie haben am Mittwoch das Blatt im Bergwerk Buchs vorgestellt. Bild: Francisco Carrascosa

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Wer das Bergwerk in Buchs besucht, erlebt Geologie ganz direkt. Hier wurde während Jahrzehnten Quarzsand abgebaut, der Rohstoff für das grüne Bülacher Glas. Die weitverzweigten Stollen verlaufen nur wenige Meter unter der Erdoberfläche durch den Sandstein und eröffnen einen einzigartigen Blick in den Untergrund. Nicht erstaunlich, dass die Landesgeologie von Swisstopo das Bergwerk Buchs für die Vorstellung des 151. Kartenblatts des «Geologischen Atlas der Schweiz» gewählt hat.

Die Karte «Bülach» dokumentiert den Untergrund des Zürcher Unterlands vom Altberg bis zur Töss im Massstab 1:25 000. Für Laien zeigt das Blatt ein Mosaik von Farbflächen und Schraffuren. Darunter ist die Landeskarte erkennbar, was dem Betrachter die Orientierung erleichtert. Etwas verständlicher wird die geologische Karte aber erst durch die Erläuterungen, die in einem handlichen Büchlein der Karte beiliegen.

In den Erläuterungen beschreibt der Kartenautor Peter Haldimann etwa, wie der Rückzug des Gletschers das Furttal geformt hat: Während des Eisabbaus bildete sich ein lang gezogener See, der mit Seeablagerungen gefüllt wurde. Als jüngste Schicht wurde Schotter durch den zurückziehenden Gletscher abgelagert. «Der Gletscherrückzug von Würenlos nach Regensdorf war wohl mehrfach durch kleine Vorstösse unterbrochen, denn an vielen Stellen sind an den Tal­hängen Moränenwälle festzustellen», liest man weiter.

Ehrenamtliche Feldarbeit

35 Jahre Arbeit stecken hinter dem Atlasblatt «Bülach». Der Geologe Peter Haldimann hat von 1981 bis 2012 den Boden im Gebiet kartiert. «Meine Kinder sagten: Steine aufschreiben.» Haldimann hat die Feldarbeiten ehrenamtlich ausgeführt und konnte sich darum Zeit lassen. Heute, da die Geologen kaum mehr freie Kapazitäten für solch aufwendige nebenberufliche Tätigkeiten haben, lässt Swisstopo die Feldarbeit von Geologiebüros durchführen. So dauert ein Kartenblatt noch fünf Jahre.

Doch wie erforscht man als Geologe im stark überbauten Mittelland den Untergrund? Haldimann hat unzählige Baustellen besucht, Bachbetten und Böschungen abgeschritten und immer wieder die Steine analysiert. Von 2012 bis 2016 hat er Archive durchforstet und schliesslich aus allen Daten ein Kartenoriginal in Handarbeit erstellt. Unterstützung erhielt er von den Geologen Hansruedi Graf und Jürg Jost.

100 Jahre bis zum Atlas

Die Karte «Bülach» ist das 151. Blatt des «Geologischen Atlas der Schweiz», eines Jahrhundertprojekts von Swisstopo. Das Kartenwerk wird dereinst 220 Blätter umfassen. Das erste Atlasblatt ist 1930 erschienen. Als nächstes Kartenblatt in der Region wird «Eglisau» voraussichtlich im Jahr 2020 fertig sein. Laut Andreas Möri, Leiter der Geologischen Landesaufnahme bei Swisstopo, wird der gesamte Atlas voraussichtlich im Jahr 2030 vollendet sein.

Der immense Aufwand hat seinen Preis: Die Kosten für ein Kartenblatt beziffert Möri zwischen 400 000 und 600 000 Franken. «Die Karten bringen einen grossen volkswirtschaftlichen Nutzen», relativiert er die Kosten. Geologische Karten dienen als Grundlage bei Untersuchungen von Baugrund, bei Geothermiebohrungen und zur Einschätzung von Naturgefahren. Möri nennt als Beispiel die Erdbebensicherheit: «Nicht alle Häuser eines Dorfes sind auf demselben Untergrund gebaut. So kann es sein, dass ein Haus erdbebensicher ist, das Nachbarhaus aber nicht.»

Gefragte Rohstoffe

Die Karte zeigt auch das Vorkommen von mineralischen Rohstoffen. Der älteste Abbau im Kartengebiet erfolgte am Südhang der Lägern. Zum Beispiel im Steinbruch Wackeren wurde bereits in der Steinzeit Silex abgebaut, das Rohmaterial für die ­damaligen Werkzeuge. Der bekannteste Rohstoff, der im Gebiet des Atlasblattes «Bülach» heute noch abgebaut wird, ist der Lägernkalk. Die hellen Steinplatten aus dem Steinbruch in Steinmaur sind nach wie vor begehrt als Bodenplatten und Gestaltungselemente.

Erstellt: 25.08.2017, 11:42 Uhr

Infobox

Internet Die Karte «Bülach» und alle weiteren bisher erschienenen Blätter des «Geologischen Atlas der Schweiz» kann man unter shop.swisstopo.admin.ch für 50 Franken bestellen oder im Geoportal des Bundes unter map.geo.admin.ch einsehen.

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