Impfung

Die Grippeimpfung bleibt unbeliebt

Pflegeheime und Spitäler versuchen mit allen Mitteln, ihre Mitarbeitenden zur Grippeimpfung zu bewegen. Doch nur wenige folgen der Aufforderung. Dagegen macht ein Industriekonzern gute Erfahrungen, ohne Druck aufzusetzen.

Die Impfquote in den Einrichtungen des Gesundheitswesens im Unterland ist nach wie vor tief.

Die Impfquote in den Einrichtungen des Gesundheitswesens im Unterland ist nach wie vor tief. Bild: Archiv Reto Schneider

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Wer das Pflegezentrum Bächli in Bassersdorf betritt, wird zurzeit von Isabelle Weibel persönlich begrüsst. Auf einem Plakat ist die Pflegespezialistin in Lebensgrösse abgebildet. Daneben die Botschaft: Ich impfe mich.

«Die Vorbildfunktion ist besonders wichtig», sagt Marcel Amstutz, Chefarzt des Kompetenzzentrums Pflege und Gesundheit (KZU), das für 20 Unterländer Gemeinden Pflegebetten betreibt. Auch er selbst lässt sich seit langem jedes Jahr gegen Grippe impfen. Für Personen, die mit Menschen in Kontakt kommen, welche ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben, sei die Impfung besonders zu empfehlen, sagt er. Bei geschwächten Menschen kann eine Grippe verhängnisvoll verlaufen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.

Obwohl das KZU jedes Jahr eine aufwendige Kampagne durchführt, ist die Resonanz bei den Mitarbeitenden bescheiden. Der Aufforderung, sich am Arbeitsplatz selber gratis impfen zu lassen, folgen lediglich 20 bis 30 Prozent. Daran kann auch ein Gutschein für ein Mittagessen in der Kantine nichts ändern.

Stetige Erinnerung

Im Spital Bülach verhält sich die Sache ähnlich. Letzte Woche lag die Impfquote bei rund 20 Prozent. Die interne Kampagne, welche das Spital jedes Jahr durchführt, sei aber noch nicht abgeschlossen, sagt Thomas Langholz von der Medienstelle. Noch bis zum 5. Januar können sich Mitarbeitende gratis während der Arbeitszeit immunisieren lassen. Sie werden regelmässig über den aktuellen Stand der Impfrate informiert und daran erinnert, dass weiterhin Gelegenheit besteht und der Arbeitgeber Wert auf die Massnahme legt.

«Man kann Grippe auch übertragen, ohne dass man selbst daran erkrankt», betont Langholz. Und gerade das Gesundheitspersonal sei dem Influenzavirus doppelt ausgesetzt: einerseits im privaten Umfeld und andererseits im Kontakt mit Patienten, die wegen Grippe im Spital sind.

Bei Husten oder Schnupfen werden die Ärzte und Pflegenden deshalb angehalten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Weiter sollen sie Einwegtaschentücher benutzen und häufig die Hände waschen und desinfizieren.

Mit der schwachen Beteiligung sind das Spital Bülach und das KZU nicht allein. Auch andere Einrichtungen des Gesundheitswesens weisen vergleichbare Werte auf. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Manche Angestellte haben wohl Angst vor Nebenwirkungen. Denn in seltenen Fällen führt die Impfung selber zu einer abgeschwächten Form der Krankheit. Wenn jemand danach hustet oder Kopfschmerzen hat, ist aber meist nicht klar, ob wirklich die Impfung der Auslöser ist oder die Symptome zufällig auftreten.

Für Bordkontrolle erwünscht

Nicht ganz so gravierend ist es, wenn die Grippe in einem anderen Unternehmen die Runde macht – aber dennoch äusserst unerwünscht. Deshalb bieten immer mehr Firmen ihren Mitarbeitenden eine interne Impfung an. So können sich zum Beispiel die rund 1700 Angestellten des Flughafens ohne Voranmeldung während der Arbeitszeit ins Medical Center vor Ort begeben. Besonders dränge sich die Massnahme für Mitarbeitende mit direktem Kundenkontakt auf, sagt Mediensprecherin Sonja Zöchling. So zum Beispiel für solche, die VIPs betreuen oder Bordkarten kontrollieren. «Das Angebot wird rege genutzt», sagt Zöchling. Genaue Zahlen erhebt der Flughafen aber nicht.

Auch die Firma Microsoft mit Schweizer Hauptsitz in Wallisellen holt einmal pro Jahr einen Arzt ins Haus. Externen Mitarbeitern zahlt das Unternehmen die Impfung beim Hausarzt.

Belohnung für Impfwillige

Ähnlich geht die Migros vor. Sie hatte ihre Angestellten per Merkblatt informiert und führte am 3. November, dem nationalen Grippeimpftag, eine eigene Aktion durch. Das Personal der Filiale Bülach Süd konnte sich an diesem Tag entweder in der Betriebszentrale in Zürich impfen lassen oder beim Hausarzt beziehungsweise in der Apotheke. «Die Bereitschaft ist erfahrungsgemäss eher tief», sagt Martina Bosshard von der Medienstelle.

Coop dagegen bietet keine interne Aktion an. «Wir sensibilisieren unsere Mitarbeitenden, überlassen ihnen die Entscheidung aber selber», teilt Mediensprecherin Alena Kress mit. Impfwillige belohnt Coop mit einem 10-Franken-Gutschein für einen Einkauf im eigenen Geschäft. Beliebt sind gemäss Kress auch die vergünstigten homöopathischen Anti-Grippe-Mittel zur Vorbeugung.

Gesund ohne Impfdruck

Auch Bucher Industries in Niederweningen setzt seine Leute nicht unter Druck. «Die meisten unserer Mitarbeitenden haben keinen direkten Kundenkontakt», erklärt Personalleiter Lukas Büchi. Zudem sei man so organisiert, dass auch mal jemand zu Hause bleiben kann. «Bei uns darf man noch krank sein», betont Büchi.

Trotz dieser konzilianten Haltung liegt der Konzern mit durchschnittlich 2,3 Krankheitstagen pro Jahr und Person unter den drei Prozent, die in der Industrie üblich sind. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.12.2017, 08:21 Uhr

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