Rüdlingen

Eine Schneise und mehrere Volltreffer

Die Hinterlassenschaft der stürmischen «Burglind» hat Paul Gehring aus Rüdlingen hart getroffen. Auf dem Grundstück des 76-Jährigen hat der Wintersturm grosse Verwüstung angerichtet.

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Völlig zerschmettert liegen noch ein paar Überreste des Bienenhäuschens darnieder: Ziegelstücke, Blechabdeckungen, zersplitterte Holzkästen. Einzelne Äste und mehrere Stämme liegen am Boden.

Gleich hinter dem Wohnhaus am Rand von Rüdlingen steht Paul Gehring und mustert mit einem zu Hilfe gerufenen Zimmermann sein Anwesen. «Das war für uns schwer vorstellbar gewesen», seufzt er. Solch grosse Sturmschäden habe er in seinem Wald noch nie gehabt, sagt der einstige Elektrounternehmer.

Im Gehölz oberhalb seines Eigenheims etwas ausserhalb des Dorfes ist neuerdings eine kleine Schneise sichtbar. «Über 20 Bäume hat der Wind bei mir umgeknickt», hat Gehring nach dem Abgang der stürmischen Burglind gezählt.

Zehn Bienenvölker vernichtet

Das meiste Fallholz liegt mitten im Wald am steilen Abhang hinter seinem Haus. Darunter sind Fichten, Buchen, Eschen und eine Föhre, die noch halb in der Krone eines Nachbarbaumes hängt. Ein paar Stämme fielen jedoch direkt auf die Gebäude darunter. Zweimal wurde das Wohnhaus getroffen, einmal das Bienenhäuschen, das nun komplett zerstört ist.

«Schauen Sie diese Esche an, die ist über 30 Meter lang», sagt der passionierte Imker. Der Baum hatte am letzten Mittwoch Kleinholz gemacht aus dem alten Bienenhäuschen. «Da waren zehn Völker drin, die sind jetzt alle vernichtet.» Gehring rechnet mit rund 5500 Franken Verlust allein hierfür. Seit 1947 gabs den kleinen Unterstand dort, nun ist fast nichts mehr davon zu sehen.

Gleich daneben stehen aber noch Häuschen mit 36 weiteren Bienenvölkern, die Burglind verschont hat. Auch hier liegen Äste auf dem Dach, doch wie es scheint, ist den Bienenstöcken nichts passiert.

Ast durchbohrte das Dach

«Wir waren im Haus drinnen, als es zum ersten Mal krachte», erinnert sich die Ehefrau des Rentners. An diesem Tag sei auch eine ihrer Töchter da gewesen. Sie sass gerade am Schreibtisch im oberen Stock, da bohrte sich plötzlich ein Ast durch Dach und Zimmerdecke in den Raum. «Wir rannten sofort aus dem Haus», erzählt Paul Gehrings Frau. Verletzt worden sei niemand, aber der Schrecken sei der Familie in die Knochen gefahren. Eine gute Stunde hätten sie wohl draussen in sicherer Distanz zum Haus und zu den Bäumen verharrt. Von da aus mussten sie zusehen, wie Minuten nach dem ersten Treffer noch ein weiterer Baum aufs Haus fiel und wie der Sturm eine ganze Reihe Stämme umknickte und eine Schneise in ihren Wald schlug.

«So etwas haben wir noch nie erlebt, nicht einmal bei Lothar», sagt Paul Gehring. Jenen Jahrhundertsturm, der 1999 schweizweit noch viel mehr Schäden als zuletzt nun Burglind angerichtet hatte, überstanden sie nämlich schadlos, weshalb man jetzt nicht mit solchen Folgen gerechnet habe. Die Gehrings mögen sich nicht beklagen. Denn die Versicherungen werden zahlen, sowohl die Instandstellung des provisorisch geflickten Hausdachs wie auch den Schaden am Bienenhäuschen. Nur den Schaden im Wald zahlt ihm niemand. Und besonders die Aufräumarbeiten bereiten Kopfzerbrechen, da es im steilen Abhang ziemlich gefährlich werden könnte. Deshalb hofft der Senior auf Hilfe von Dritten. Denn allein könne er das fast nicht bewältigen. Zumindest ein Neffe werde ihm dabei sicherlich helfen, ist er froh. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.01.2018, 21:57 Uhr

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