Crowdfunding

Für was alles die Online-Welt den Unterländern Geld überweisen soll

Wenn es nach den Unterländern auf der Plattform GoFundMe geht, sollen Spenden für vieles fliessen. Doch die meisten Projekte aus der Region bleiben erfolglos.

Für die Behandlung seiner Bulldogge hat der Oberglatter DJ Robin Van Loxley 3100 Franken erhalten. Das einzige zu 100 Prozent finanzierte Projekt der Region.

Für die Behandlung seiner Bulldogge hat der Oberglatter DJ Robin Van Loxley 3100 Franken erhalten. Das einzige zu 100 Prozent finanzierte Projekt der Region. Bild: Balz Murer

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Wer Geld spenden möchte, der berücksichtigt oft ein Hilfswerk seines Vertrauens, von dem er überzeugt ist, dass es das Geld in seinem Sinne einsetzen wird. Das tun in der Schweiz viele: Gemeinnützige Nonprofitorganisationen hatten laut der Stiftung Zewo 2017 knapp 1,9 Milliarden Franken erhalten – so viel wie nie zuvor.

Doch es wird auch auf anderen Wegen gespendet, etwa über Crowdfunding. Gerade dann, wenn es dem Spender ein Anliegen ist, möglichst konkrete Projekte oder Vorhaben zu unterstützen, können sich solche Seiten anbieten. Im September 2018 ist die ursprünglich US-amerikanische Plattform GoFundMe in der Schweiz gestartet.

Während über Plattformen wie Kickstarter oder WeMakeIt primär nach Support für Produkteentwicklungen, Firmengründungen oder Kunstvorhaben gesucht wird, steht bei GoFundMe das Spenden und Helfen klar im Vordergrund. Wie in den USA machen dabei auch in der Schweiz gesundheitliche Anliegen einen grossen Teil der Kampagnen aus; oft wird um finanzielle Hilfe für teure und komplizierte Operationen im Ausland ersucht.

Die Region sucht viel Geld

Auch viele Privatpersonen aus dem Unterland hoffen, über GoFundMe Spendengelder für ihr Anliegen zu bekommen. Aktuell am laufen sind 42 Kampagnen aus 20 Gemeinden – und die Auswahl der Themen ist breit: Da ist die sechsjährige Joy mit Leukämie, für die in Eglisau Geld gesammelt wird. Da ist der Klotener Psychiatriepfleger, der Unterstützung benötigt, um Wohngruppen und Wohnheime für psychisch erkrankte Menschen aufzubauen. Und da ist Nina aus Dielsdorf, die gerne ihr Studium in Architektur abschliessen möchte.

Für jedes Projekt wird ein finanzielles Ziel definiert; für einen PC für den kosovarischen Studenten Albert werden in Bülach 1000 Franken gesucht, die Oberglatter, die für misshandelte und verwahrloste Hunde in Istanbul sammeln, haben die Marke bei 25000 Franken angesetzt. Und der Klotener, der ein neues Auto braucht, um zur Arbeit zu fahren, hat dafür gleich 129000 Franken als Ziel angegeben. Ist das zu viel? Hat er nur eine Null zu viel eingegeben? Oder braucht er für seine Arbeit ein ganz spezifisches Gefährt? Schwierig zu sagen, denn der Projektbeschrieb zu seinem Aufruf «Spende für ein Neues Auto» ist mit 17 Worten äusserst knapp ausgefallen; und zudem in holprigem englisch abgefasst.

Erfolgsquote bei 1,5 Prozent

Entsprechend «eifrig» haben die Leute bisher für das neue Auto gespendet: 0 Franken in 8 Monaten. Und es ist bei Weitem nicht die einzige Kampagne, die auf GoFundMe bislang keinen müden Heller gesehen hat. Zusammenaddiert ersuchen die Unterländer mit ihren 42 aktuell laufenden Aufrufen um 1,5 Millionen Franken. An zugesicherten Spenden sind rund 23000 Franken zusammengekommen. Damit liegt die Erfolgsquote über alle Einträge hinweg betrachtet bei bescheidenen 1,5 Prozent.

Dazu kommt: Allein 17600 Franken (Kampagnenziel: 20000 Franken) sind in ein einziges Projekt geflossen: In die Unterstützung der Antidiskriminierungs- und Medienarbeit der FIDS, der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz, mit Sitz in Regensdorf. Zu ihren Zielen, so führt die FIDS im entsprechenden Projektbeschrieb aus, gehöre der interreligiöse Dialog, die Jugendarbeit sowie die «Verbesserung der Strukturen innerhalb der muslimischen Gesellschaft».

Spendenbarometer niedrig

Damit ist freilich auch gesagt: Die grosse Mehrheit der Unterländer Spendenaufrufe auf GoFundMe läuft komplett ins Leere. Ganze 29 Kampagnen haben einen aktuellen Spendenstand von null Franken. Und da der FIDS bei Redaktionsschluss noch immer 2400 Franken bis zum Ziel fehlten, darf nur ein einziges Unterländer Spendenprojekt als zu 100 Prozent finanziert gelten: Für die Behandlung des Kreuzbandrisses seiner Bulldogge Mojo hat der Oberglatter DJ und Musiker Robin Van Loxley die nötigen 3000 Franken zusammenbekommen; 65 Personen haben in 21 Tagen insgesamt 3100 Franken gespendet.

Eine Frage der Geschichte

Für die Behandlung des Nierentumors von Büsi Siri aus Lufingen gab es derweil gerademal 15 Franken. Warum das so ist, lässt sich nur vermuten. Bestimmt ist für den Entscheid, ob man ein Projekt unterstützen möchte, die Art und Weise mit entscheidend, wie die Idee präsentiert, wie die Geschichte erzählt wird. Wo sich jemand mit nur einem Satz 129000 Franken für ein neues Auto wünscht, lässt das für den potenziellen Spender nicht nur zu viele Fragen offen, sondern ist auch als persönliche Geschichte, die den Leser zu einem persönlichen Engagement bewegen möchte, wenig überzeugend.

Da ist dann der junge Klotener, der mit zwei (englischen) Sätzen erklärt, er wolle zum Geburtstag 540 Franken für ein Virtual-Reality-Headset, insofern noch glaubwürdiger, als dass er gleich schon dazuschreibt, er erwarte gar nicht erst, dass der Spendenaufruf funktioniere.

Website: GoFundMe

Erstellt: 02.06.2019, 14:27 Uhr

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