Wahlen

Grösster Sprung ist kein Gewinn

Ein Blick in die Statistik liefert interessante Einblicke zum Abschneiden der Unterländer Kandidierenden und zeigt, wem die grössten Sprünge gelungen sind auf den Listen. Doch das allein ist noch kein Garant für einen Sitz im Bundeshaus.

Aus den Wahlergebnissen vom Sonntag lässt sich so manches interessantes, statistisches Detail herauslesen.

Aus den Wahlergebnissen vom Sonntag lässt sich so manches interessantes, statistisches Detail herauslesen. Bild: Urs Jaudas

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Junge Bülacherin prescht auf BDP-Liste nach vorne

Ganze 29 Plätze gutgemacht und dennoch nichts gewonnen: So lautet das ernüchternde Fazit für Evelin Meierhofer aus Bülach. Die 33-jährige Bülacherin hat am Wahlwochenende den grössten Sprung aller Unterländer Kandidatinnen und Kandidaten geschafft.

Evelin Meierhofer schaffte die Wahl trotz eines beachtlichen Resultates nicht.

Doch was gut klingt, bringt ihr persönlich trotzdem nichts Zählbares ein. Gewählt ist die Hôtelière-Restauratrice mit einem Bachelor of Arts der Uni Zürich in Geschichte und Philosophie deswegen nicht. Denn die bislang weitgehend unbekannte Meierhofer kandidierte auf der BDP-Parteiliste auf dem zweitletzten Platz. Und bekanntlich hat die noch relativ junge Mittepartei mit bürgerlichem Anstrich im Kanton Zürich den letzten Sitz von Rosmarie Quadranti nun auch noch verloren.

Immerhin hat Meierhofer fast 7000 Stimmen geholt, die letztlich aber doch nicht ganz verloren gingen, sondern, aufgrund der Listenverbindungen ihrer Partei, der EVP, CVP und den Grünliberalen zu Sitzgewinnen verholfen haben.

Zwei Plätze verlieren geht bei SP nur einmal gut

Priska Seiler Graf konnte ihren Sitz verteidigen.

Dass man selbst Plätze verlieren kann und dennoch einen Sitz gewinnt, zeigt die Klotener SP-Kandidatin Priska Seiler Graf. Die Bisherige hat auf der Parteiliste der Sozialdemokraten zwar zwei Plätze eingebüsst, aber ihren Sitz dennoch erfolgreich verteidigt.

Das ging aber auch nur deswegen gut, weil Seiler Graf von weit vorne ins Rennen gehen konnte und einer Partei angehört, die mehrere Sitze geholt hat. So erreichte die Kantonalpräsidentin der SP, die im Klotener Stadtrat mitregiert, den vierten Schlussrang in ihrer Partei, was noch immer locker zur Wahl reichte.

Thomas Hardeggers politische Karriere ist nach dem mässigen Abschneiden zu Ende.

Mit zwei verlorenen Sitzen nicht mehr gewählt worden ist Thomas Hardegger, bisheriger SP-Nationalrat aus Rümlang. Er startete vom siebten Listenplatz aus und wurde noch von Céline Widmer und Martin Naef überholt, was seiner politischen Karriere nun ein jähes Ende bereitet. Ihm fehlten 897 Stimmen zur Wahl.

Dem Rümlanger bleibt das Amt des Präsidenten des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich. Die 30-jährige Glattfelder Gemeinderätin Michèle Dünki-Bättig hat ihren 12. Listenplatz behauptet und sorgte für einen Achtungserfolg.

Otelfingens Präsidentin als GLP-Lokomotive

Barbara Schaffner wurde erstmals in den Nationalrat gewählt.

Mit einem Sprung zwei Plätze nach vorn ist Barbara Schaffner (GLP) die erstmalige Wahl in den Nationalrat geglückt. Die Otelfinger Gemeindepräsidentin startete auf Listenplatz sieben und landete auf dem fünften Platz.

Die ETH-Doktorin der Physik und selbstständige Energieberaterin legte sich im Wahlkampf im unteren Furttal derart ins Zeug, dass ein regelrechter Schaffner-Effekt festzustellen ist. Einen so hohen Wähleranteil wie in Otelfingen (21,07%) erreichte die GLP sonst nirgends im Kanton Zürich. Davon profitierten auch andere GLP-Kandidaten.

Jörg Mäder zieht für die Grünliberalen in den Nationalrat ein.

So etwa der Opfiker Stadtrat Jörg Mäder, welcher ebenfalls ein Doktor seines Fachs ist: Mäder ist Doktor der Umweltnaturwissenschaften. Er behauptete seinen vierten Listenplatz, von welchem er gestartet war, und ist somit einer von neu sechs grünliberalen Zürchern in Bern.

Christina Wyss Cortellini machte sechs Listenplätze gut.

Nicht für einen Sitz in Bern gereicht hat es der Dietliker Kollegin Cristina Wyss-Cortellini. Dennoch darf auch sie persönlich zufrieden sein, hat die Gemeinde- und Kantonsrätin doch sechs Plätze gutgemacht und kam, vom 27. Listenplatz gestartet, am Ende auf den 21. Rang innerhalb der GLP.

Beste Zürcher SVP-Frau behauptet ihren Listenplatz

Barbara Steinemann zieht für die SVP ins Parlament ein.

Die bisherige Nationalrätin Barbara Steinemann (SVP) aus Regensdorf hat ihre gute Ausgangslage innerhalb der wählerstärksten Partei ebenfalls behauptet.

Sie ist als beste Frau der SVP Zürich vom sechsten Listenplatz in den Wahlkampf geschickt worden und hat das sechstbeste Ergebnis der SVP geliefert. Damit hat das Furttal ab sofort zwei Nationalrätinnen – und beide hören auf denselben Vornamen.

Nina Fehr Düsel, die Tochter von Alt-Nationalrat Hans Fehr, hat auf der SVP-Liste beachtliche 11 Plätze gewonnen.

Als aussichtsreicher Unterländer Kandidat mit Chancen auf einen Sitz in Bern war der Otelfinger Jürg Sulser vom 14. Listenplatz aus in die Wahl gegangen.

Während der Transportunternehmer jedoch zwei Plätze abrutschte, konnte mit Nina Fehr Düsel eine gebürtige Unterländerin seinen 14. Platz übernehmen. Die Tochter des Eglisauer Alt-Nationalrats Hans Fehr, die inzwischen wie der Ex-Klotener Roger Köppel in Küsnacht am Zürichsee lebt, hat beachtliche elf Plätze gewonnen und somit zwei weitere bekannte Unterländer hinter sich gelassen.

Romaine Rogenmoser überholte Matthias Hauser.

Es sind dies die Bülacher Stadtparlamentsabgeordnete Romaine Rogenmoser auf Platz 17 und der Hüntwanger SVP-Gemeindepräsident Matthias Hauser auf Platz 19. Die beiden haben ihre Plätze getauscht. Während er zwei Ränge nach hinten rutschte, sprang sie zwei Plätze nach vorn.

Sie alle schafften die Wahl nicht, aber blieben allesamt noch vor dem einstigen Parteistrategen Christoph Mörgeli vom Zürichsee, der vom 15. Listenplatz aus gestartet war und noch einen Platz hinter Hauser auf den 20. Schlussrang zurückfiel.

Biber bleibt in Bachenbülach, die FDP profitiert dennoch

Der erfolgreichste Freisinnige aus dem Unterland war am Sonntag Michael Biber. Der Bachenbülacher FDP-Gemeindepräsident und Kantonsrat hat ganz offensichtlich eine breite Wählerschaft an die Urnen gelockt. Denn nicht zuletzt dank seiner prominent beworbenen Kandidatur ist in dieser Gemeinde ein eigentlicher Biber-Effekt festzustellen.

Obwohl es nicht zur Wahl reichte, erzielte Michael Biber im Bezirk Bülach ein sehr gutes Resultat.

So erreichte Bachenbülach als einzige aller 44 Unterländer Gemeinden heuer eine höhere Wahlbeteiligung als vor vier Jahren. Allerdings bedeuten die 40,49 Prozent nur gerade ein winziges Plus von +0,11 Prozentpunkten. Der Wähleranteil in Winkel und Bachenbülach liegt bei über 20 Prozent und ist deutlich höher als in Bülach und Kloten, wo die Freisinnigen nur auf rund 11 Prozent kommen.

Biber hat die Wahl allerdings nicht geschafft. Er erreichte am Sonntag den 13. Rang innerhalb der FDP, was einen Platz besser ist als der Listenplatz 14, von wo er gestartet war. Biber fehlten letztlich rund 8000 Stimmen auf Platz fünf und damit einen Sitz im Bundeshaus. Beachtlich ist jedoch, dass Biber im Bezirk Bülach das zweitbeste Ergebnis aller FDP-Kandidaten eingefahren hat. «Dass das klappte, hängt aus meiner Sicht auch klar damit zusammen, dass mich das Unterland stark trug.»

Die Niederweningerin Barbara Franzen verpasste die Wahl deutlich.

Für eine dritte Unterländer Barbara fehlte indes einiges. Die Niederweninger FDP-Kantonsrätin Barbara Franzen landete fünf Plätze weiter hinten als ihr Listenplatz 20, von wo aus sie zur Wahl angetreten war. Und auch ihrem Steinmaurer Kantonsratskollegen Christian Müller gelang keine Verbesserung. Er erreichte letztlich Platz 27, gestartet war er auf dem 26. Listenplatz.

Bülacher Grünen-Kandidat fehlen 10000 Stimmen

Viel näher an einem Sitzgewinn dran als der Unterländer Freisinn war der Bülacher Parlamentsabgeordnete David Galeuchet von den Grünen. Auf einer stark städtisch geprägten Liste behauptete sich der Unterländer auf dem 8. Platz, von wo aus er ins Rennen gestiegen war.

David Galeuchet war ziemlich nahe an einem Sitzgewinn.

Auf einen Sitz fehlten ihm «nur» drei Plätze, aber dennoch fast 10000 Stimmen. Als 21. klassierte sich die Niederweningerin Gabi Reiss-Wenger, sie verlor vier Plätze. Die Klotener Stadträtin Regula Kaeser-Stöckli machte zwei Plätze gut und landete an 23. Stelle.

Die Christlichen sind stabil, EDU bleibt ohne Sitzgewinn

Mark Wisskirchen verlor neun Listenplätze.

Die EVP hat ihren einzigen Zürcher Sitz in Bern erfolgreich verteidigt, allerdings spielten die Unterländer dabei nur eine Nebenrolle. Am besten schlug sich der Klotener Stadtrat Mark Wisskirchen, der jedoch von Listenplatz sechs noch bis auf Platz 15 zurückfiel.

Bülachs Stadtpräsident Mark Eberli machte hingegen neun Plätze gut und landete auf dem 18. Platz. Die ­Opfiker Stadträtin Heidi Kläusler-Gysin rutschte vier Plätze ab und erreichte bei der Evangelischen Volkspartei Rang 22.

Kathrin Wydler machte vier Listenplätze gut, verpasste die Wahl aber dennoch deutlich.

Auch die CVP verteidigte ihren Zürcher Sitz erfolgreich, ohne dass Unterländer eine grosse Rolle gespielt hätten. Am besten schnitt Kathrin Wydler aus Wallisellen ab, die vier Plätze gewann. Sie erreichte mit 14266 Stimmen den zehnten Platz, wobei wohl das Doppelte für einen Sitz nötig gewesen wäre.

Der Steinmaurer Kantonsrat und EDU-Präsident Hans Egli behauptete sich zwar als Spitzenkandidat seiner Partei auf dem ersten Listenplatz. Doch für einen Sitz reichten die 11597 Stimmen bei weitem nicht.

Erstellt: 22.10.2019, 11:58 Uhr

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