Mobilfunk

Hier stehen die ersten 5G-Antennen

In zwölf Unterländer Gemeinden stehen bereits 5G-Mobilfunkantennen. Als Faustregel lässt sich sagen: Je näher bei der Stadt Zürich, desto mehr Antennen gibt es.

Die Karte des Bundes bietet eine Übersicht zu den Antennen-Standorten. Quelle: geo.admin.ch

Die Antennen der neuen Mobilfunkgeneration 5G werden in der Schweiz in grosser Zahl errichtet. Sunrise hat bereits 173 Orte an das 5G-Netz angeschlossen und Swisscom plant, bis Ende Jahr in der ganzen Schweiz 5G anzubieten. Im Zürcher Unterland senden heute schon 18 Antennen auf 5G-Frequenzen. Bisher stehen diese allerdings erst in den südlichen Gebieten.

So ist Bülach, wo zwei 5G-Antennen stehen, die nördlichste Gemeinde, in der eine Anlage steht – gefolgt von Bachenbülach. Speziell ist die Situation in Oberglatt. Dort steht noch keine Antenne, doch werden die Anwohner nicht von den Strahlen verschont bleiben. Denn die Nachbargemeinden Niederglatt und Niederhasli haben je eine, Rümlang gar zwei Antennen. Aber auch die Bewohner der östlichen Gemeinden wie Lufingen, Kloten, Nürensdorf und Bassersdorf müssen nicht auf schnelles Internet verzichten.

Antennen bei Zürich

Schweizweit lässt sich erkennen, dass die meisten Antennen rund um die Ballungsgebiete angeordnet sind. Die nötigen Verbindungen zu den vielen Endnutzern in diesen Regionen ist aber nicht der einzige Grund dafür. Da in Stadtgebieten bereits die meisten bestehenden Antennen am Strahlungslimit senden, können sie nicht auf 5G aufgerüstet werden. Es braucht also neue Antennen in der Nähe. So verwundert es nicht, dass die Gemeinde Opfikon mit fünf Antennen den Spitzenplatz im Unterland belegt. Doch gerade dort regt sich Widerstand. SP-Politiker Thomas Wepf, Mitglied des Opfiker Gemeinderates, fordert in einem Schreiben die Prüfung eines vorläufigen Moratoriums für den Bau von 5G-Antennen.

Keine Moratorien

Damit ist die Gemeinde nicht allein. Die Kantone Waadt, Genf, Neuenburg und Jura prüften bereits ein Moratorium. Wobei sich die Waadtländer Regierung dagegen entschieden hat, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Die Parlamente der Kantone Bern, Schwyz und St.Gallen werden sich demnächst mit dem Thema auseinandersetzen.

Doch wie das Bundesamt für Kommunikation in einer Stellungsnahme schreibt, habe der Bund über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung umfassende Rechtsetzungskompetenzen. «Es bleibt deshalb kein Raum für kantonale oder kommunale Bestimmungen zum Schutz des Menschen vor der Strahlung von Mobilfunkanlagen; der Erlass solcher Bestimmungen wäre kompetenzwidrig», schreibt es. Das heisst: Die Kantone und Gemeinde könnten sich zwar gegen den Bau einzelner Antennen wehren, etwa dann, wenn diese das Ortsbild stören. Sie können aber nicht einen generellen Baustopp dieser Anlagen beschliessen.

Doch auch in der Zivilgesellschaft regt sich Widerstand. Es gibt bereits verschiedene Online-Petitionen, die mehrere zehntausend Unterschriften haben. Die Bürgervereinigung «Stop 5G» fordert gar ein nationales 5G-Moratorium. Dafür rief sie für Freitagabend zur Demonstration auf dem Waisenhausplatz in Bern auf.

Viel Geld

Dass der Bund jedoch die Mobilfunkanbieter zurückpfeift, ist unwahrscheinlich. Im Februar versteigerte die eidgenössische Kommunikationskommission die Mobilfunkfrequenzen an die drei Schweizer Mobilfunkanbieter. Die rund 380 Millionen Franken Erlös flossen als ausserordentlicher Ertrag in die Bundeskasse. Wie das Bundesamt für Kommunikation schreibt, seien die Frequenzen nötig für die Einführung von 5G. Die Frequenzvergabe sei damit von zentraler Bedeutung für die Digitalisierung der Schweiz und erfolge im Einklang mit der bundesrätlichen Strategie «Digitale Schweiz». Die Mobilfunkanbieter gaben ihre Millionenangebote für die Frequenzen also in der Annahme ab, diese für 5G einsetzen zu können. Ein nationales Moratorium verstiesse daher gegen Treu und Glauben.

Denn bei den Mobilfunkanbietern geht es um viel Geld. Sie wollen 5G möglichst schnell und flächendeckend einführen. Insgesamt werden rund 15'000 neue Antennen gebaut. Gemäss einem Angebot, das dem «Kassensturz» vorliegt, war Sunrise dazu bereit, für eine Antenne auf einem Mehrfamilienhaus im Kreis 4 der Stadt Zürich 120'000 Franken zu bezahlen. Diese Zahlen lassen vermuten, um wie viel Geld es für die Anbieter geht.

Stefan Bill

Erstellt: 09.05.2019, 18:49 Uhr

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