Pro und Kontra

Ist der Natursee besser als das Freibad?

Pipibrühe (Natursee) oder Chemie-Bassin (Freibad)? Die ZU-Redaktoren Flavio Zwahlen und Alexander Lanner streiten um eine Frage, die derzeit wichtiger nicht sein könnte.

Bei diesen Temperaturen hilft nur ein Sprung ins kühle Nass. Nur: Wo badet es sich am besten?

Bei diesen Temperaturen hilft nur ein Sprung ins kühle Nass. Nur: Wo badet es sich am besten? Bild: Sibylle Meier

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PRO

Flavio Zwahlen, ZU-Redaktor

Wir Unterländer geniessen ein ganz grosses Privileg: Im Sommer haben wir die Qual der Wahl zwischen mehreren Badeseen. Dazu gehören der Haslisee, der Katzensee sowie der Zürichsee. Oder auch: Klein und übersichtlich, mittelgross und charmant, riesig und wunderschön. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Bei dieser Top-Auswahl wundert es mich umso mehr, dass tausende Leute überfüllte Badi bevorzugen. Ich vergleiche diese Menschenansammlungen jeweils liebevoll mit einer Sardinenbüchse aus dem Detailhandel. Entspannen kann ich mich dort jedenfalls nicht. Dazu gibt es in den Badis schlicht und einfach zu wenig Platz. Ein Problem, das wir Seeleute nicht kennen. Wir finden problemlos abgelegene, schöne Plätzchen, die so richtig nach Entspannung rufen.

Das macht mich aber keinesfalls zu einer Spassbremse. Im Gegenteil: Ich kann auch anders. Ein paar Freunde, eine Kiste Bier, ein Grillfeuer dazu Musik: Schon steht einem perfekten Sommerabend am See nichts mehr im Weg. Im Freibad ist das schlicht und einfach nicht möglich. Dieses schliesst nämlich meistens, wenn es dunkel wird. Das mag für einige kein Argument sein, doch mein Grillabend soll um 21 Uhr noch nicht zu Ende sein.

Ein Sprung ins kalte Wasser an Hitzetagen ist unschlagbar. Doch auch hier muss ich sagen: Im See ist es besser als in der Badi. Alleine schon wegen der Hygiene. Ich behaupte nicht, dass unsere Seen blitzblank sind. Aber ich will ja unser Trinkwasser nicht schlecht reden. Im Vergleich zu den Badi-Brühen ist das Seewasser ohnehin Spitzenklasse. Natur pur, statt Chemikalien. Und auch hier zieht mein zuvor genanntes Platzargument wieder: Im See kann ich selbst bestimmen, wo ich schwimme. In der Badi muss ich mich in einer Spur halten und manchmal gar mit Stau rechnen.

An dieser Stelle soll auch gesagt sein: Es gibt nichts schöneres als mit einem Gummiböötli oder einem Pedalo auf dem See zu rudern oder trampeln. In der Badi ist das unmöglich. Ausser man will Ärger mit dem Bademeister provozieren. Mir ist bewusst, dass die Miete für solche Boote nicht ganz billig ist. Aber wenn ich gerade vom Geld spreche: Jedesmal Eintritt für die Badi zu bezahlen, summiert sich letztlich auch. Zum Schluss soll gesagt sein: Badis sind grundsätzlich nichts Schlechtes, aber mit unseren Seen können sie sich nicht konkurrenzieren.

KONTRA

Alexander Lanner, ZU-Redaktor

Ich gebe es zu, ich bin vorbelastet. Aufgewachsen bin ich gleich neben einem Hallen- und Freibad. Vom Verlassen der Wohnung bis zum Sprung ins erfrischende Nass vergingen keine fünf Minuten. Im Vergleich dazu war es jedesmal eine Tortour, als sechsköpfige Familie die halbstündige Fahrt im überhitzen Auto zu einem der Seen der Region anzutreten. Wohl nur die wenigsten Unterländer wohnen so nah an einem See, dass sich die Anreise auch heute noch weniger mühsam gestaltet.

Klar: Naturseen sind grösser als Bassins in der Badi. Bei den einen mag der blosse Anblick des Sees und die Vorfreude auf unbegrenztes Schwimmen ein Gefühl der Freiheit auslösen. Der Sicherheitsaspekt wird dabei allerdings völlig ausgeblendet. Als Vater ist es für mich doch sehr viel einfacher, das Planschbecken, worin meine Sprösslinge gerne herumtoben, im Auge zu behalten. Ich wüsste an einem See nicht, wo ich zu suchen beginnen sollte, wenn der Nachwuchs auf einmal nicht mehr zu sehen ist. Mit Kleinkindern bin ich dann schon lieber in der Badi.

Algen, Schlamm, Blutegel oder sonstiges Getier. Dass ein See auch all diese «Vorzüge» bietet, wird von den Naturbädelern gewissentlich verschwiegen. Hand aufs Herz: Welcher Seebub und welches Seemädchen will mir weismachen, dass er oder es sich nicht schon mehr als einmal darüber aufgeregt hat, dass nach fast jedem Schwimmzug das unerwünschte Grünzeug zwischen den Zehen herausgeklaubt werden muss. Da lob ich mir den Schwumm im Freibad, wo ich bis auf den Grund sehen kann und mir die Natur keine ungewollten Überraschungen bereithält.

Das Wasser im Freibad ist sauberer als im See. Der dünne Film auf der Wasseroberfläche, herrührend von den verschiedenen Sonnencrèmes und -ölen, ist im See und in der Badi wohl vergleichbar. In der Badi hingen habe ich die Gewissheit, dass weder Fische, Enten noch Schwäne ins Wasser machen. Im Vergleich zur transparenten Badi wird so mancher Seebadegast dazu verleitet, im Schutz des trüben Wassers seinem dringenden Bedürfnis freien Lauf zu lassen. Apropos trübe: Sind die Wetteraussichten trübe? Oder setzt gar plötzlich Regen ein oder zieht gar ein Gewitter auf? Kein Problem im Freibad! Man wechselt einfach ins Hallenbad, wo der Spass ungehindert weitergeht. Das kann keine Seebadi bieten. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.08.2017, 15:54 Uhr

ZU-Redaktor Flavio Zwahlen: «Es gibt nichts schöneres als mit einem Gummiböötli oder einem Pedalo auf dem See zu rudern oder trampeln.»

ZU-Redaktor Alexander Lanner: «Im Schutz des trüben Seewassers lässt ein Badegast eher seinem dringenden Bedürfnis freien Lauf.»

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