Dielsdorf

Klingende Poesie mit Sprache und Musik

Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart und Klarinettist Matthias Mueller entführten das Vorpremierenpublikum im Bistro Philosophe mit dem Programm «Dichter Klang!» auf eine unterhaltsame Reise durch die Welt der Gedichte.

Klarinettist Matthias Mueller (links) und Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart unterhielten das Publikum im Dielsdorfer Philosophe.

Klarinettist Matthias Mueller (links) und Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart unterhielten das Publikum im Dielsdorfer Philosophe. Bild: Urs Brunner

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wenn Sie nach der Pause noch da sind, dann lassen wir das Programm so, sonst müssen wir halt noch zwei, drei Änderungen machen», eröffnete der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart am Freitagabend mit launigen Worten die Voraufführung zum Bühnenprogramm «Dichter Klang!». Dann stellte er den rund 50 Zuschauern im Dielsdorfer Bistro Philosophe den Klarinettisten Matthias Mueller «am Holzgebläse» und sich selbst als «den Dichter auf den Versen» vor.Mit Plakatpoesie vom Hauptbahnhof («Schweizer Chäs von mild bis räs») stimmte Müller-Drossaart auf den Abend ein. «Ich sehe, wir sind auf einer Linie», attestierte er dem amüsierten Publikum. Musikalisch harmonisch bis schräg untermalt, ging es heiter weiter mit Versen von Franz Hohler, herzergreifenden Zeilen von Otto Heinrich Kühner und munteren Worten von Robert Gernhardt («Du strahlst ’ne Ruhe aus, die zieht dir die Schuhe aus»). Dem verbalen Lieben und Leiden von Seepferdchen, Taschenkrebs und Känguru aus der Feder Ringelnatz’ folgte ein lyrischer Ausflug in himmlische Gefilde mit Goethe, Ingeborg Bachmann und Eichendorff. Heines «wunderschönen Monat Mai» interpretierte der Akteur als Spreitenbacher Gewerbeschüler Gezim im waschechten Secondo-Slang: «Ey, voll Notfall, jetzt gang i wieder Fussball.» Eindrücklich rezitierte er Shakespeare im Original und in deutscher Übersetzung, gab im Wiener Dialekt H. C. Artmanns wahnwitzigen Blaubart, sang hingebungsvoll Andre Hellers «Alaan sei is ärger als Ratzen fressen», bevor er im ratternden Spanisch in die Pause entliess.

Spannende Zwiesprache

«Literatur ist Teil meines Schauspielerberufes», erklärte Hans­peter Müller-Drossaart im Interview. «Um sie unterhaltsam in kleinen Paketen zu den Leuten zu bringen, sind Gedichte gut geeignet.» Unmengen von Text habe er gesichtet und viele Autoren zu Hause lassen müssen. «Ich möchte das Publikum fordern, aber nicht überfordern.» Zwischen ernster und heiterer Literatur trennt der 60-Jährige nicht: «Durch den Mix wird es verdaulich.» Die Musik diene als Nachhall, um zwischen den Texten nicht ins Leere zu fallen und Zeit zum Nachdenken zu geben. «Sie ist Diener des Inhaltes, kann Stimmungen vorbereiten oder weitertragen», ergänzte Matthias Mueller, Professor für Klarinette an der Zürcher Hochschule der Künste. «Wir arbeiten ohne Mikrofon, so wie es früher war: nur ein Erzähler, Texte und Töne», erläuterte Müller-Drossaart die Entscheidung für kleine Bühnen. Zuschauerin Anne Lise Weiss bestätigte: «Die Auswahl der Gedichte von klassisch bis komisch ist gekonnt. Das Zusammenspiel von Poesie und Musik ergibt eine spannende Zwiesprache.»

Zerbrechliche Gedanken

Im zweiten Teil legte Müller-Drossaart den Schwerpunkt auf Dialekt und Mundart, präsentierte neben Versen von Ernst Jandl, Burren und Eggimann auch drei Obwaldner Dichter, die er sehr schätze: «Einen gezwungenermassen, der bin ich selber.»

Anita Amman kannte den Schauspieler bislang nur aus dem TV. «Ich staune, wie kompetent er mit Sprachen und Dialekten spielen kann.» Heinrich Saladin hat Müller-Drossaart schon mehrfach auf der Bühne erlebt: «So habe ich ihn aber bisher noch nicht gesehen: vielseitig und spannend – heiter auch in der Traurigkeit.» Peter Fahrni, im Vorstand der privaten Kulturinitiative Philosophe.ch zuständig für Literatur, resümierte: «Ich hatte viel erwartet, aber es war noch besser.» Das Vorpremierenpublikum dankte den Künstlern Müller und Mueller für 90 Minuten Unterhaltung mit Standing Ovations. Offizielle Erstaufführung wird am 26. April im Kellertheater La Marotte in Affoltern am Albis sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.04.2016, 22:53 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.