Fernsehsendung

Menschen mit Down Syndrom nehmen die Zuschauer mit auf ihre Schweizerreise

Andrea Schibli aus Eglisau und Mike Häberli aus Schleinikon haben das Down Syndrom. Für «SRF bi de Lüt – Reise mitohne Hindernis» bereisten sie mit Moderator Nik Hartmann und vier weiteren jungen Menschen mit Down Syndrom das Land.

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Zwölf Tage lang waren sechs Menschen mit Down Syndrom im Alter von 19 bis 30 Jahren im Juni in der Schweiz unterwegs. Das Reiseprogramm wurde nach den Wünschen der Teilnehmer zusammengestellt und führte quer durchs Land.

Am Steuer des Reisebusses sass «SRF bi de Lüt»-Moderator Nik Hartmann. Was die Gruppe alles unternahm und erlebte, wie sich die zusammengewürfelte Reiseschar untereinander verstand und was zu Diskussionen Anlass gab, darüber wird in einer dreiteiligen Reisedokumentation jeweils am Freitagabend auf SRF 1 berichtet. Gleich zwei der sechs Protagonisten kommen aus dem Zürcher Unterland.

Kühe geschnitzt und Gold geschürft

Eine ist Andrea Schibli aus Eglisau. Die 30-Jährige lebt unter der Woche in Seegräben in der Institution Hof Wagenburg. Hier arbeitet sie im Landwirtschafts- und dem Gemüseanbaubetrieb.

Aufgewachsen ist Schibli in Eglisau, wo sie bis zur zweiten Oberstufenklasse in die Regelschule integriert war. «Mit einer solchen Sendung können wir zeigen, was unsere Kinder alles können, und dass sie ein lebenswertes Dasein haben», begründet Ruth Schibli, weshalb sie ihre Tochter für die Sendung vorgeschlagen hat.

«Mit einer solchen Sendung können wir zeigen, was unsere Kinder alles können und dass sie ein lebenswertes Dasein haben.»Ruth Schibli,
Mutter von Andrea Schibli

«Das Autofahren war cool», sagt Andrea Schibli rückblickend. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen hat sie eine Schifffahrt unternommen, Holzkühe geschnitzt, Bilder gemalt, nach Gold geschürft – und ist in einem Porsche gefahren. Letzteres Abenteuer hat Andrea Schibli besonders gut gefallen: «Das war schon immer mein Traum.» Zugute kam ihr auch, dass sie gerne wandert, denn Wandern stand fast jeden Tag auf dem Programm.

Mike Häberli aus Schleinikon hat die knapp zweiwöchige Schweizerreise ebenfalls in guter Erinnerung. «Es war cool, mit Nik zusammen zu sein», erzählt der 19-Jährige. Er hat soeben seine zweijährige praktische Ausbildung in der Cafébar und im Vegibistro der Stiftung Enzian Wallisellen begonnen. Zur Sendung «SRF bi de Lüt – Reise mitohne Hindernis» kam Mike Häberli durch seine jüngere Schwester Sina. Deren Lehrerin arbeitet beim Schweizer Fernsehen und habe gewusst, dass Sina einen Bruder mit dem Down Syndrom habe. «Er erzählt zur Zeit allen, dass er bald im Fernsehen zu sehen ist», sagt seine Mutter Nicole Häberli.

Tiefe Einblick in eine andere Lebenswelt

Anders als bei den Sendungen von SRF wie «Üsi Badi» oder «Üse Zoo», in denen Menschen mit verschiedenen geistigen Beeinträchtigungen gezeigt wurden, beschränkte man sich «SRF bi de Lüt – Reise mitohne Hindernis» auf einen Cast mit Menschen mit Trisomie 21.

«Die Sendung lässt das Publikum auf Augenhöhe miterleben, welche Hürden es zu überwinden gilt.»Eva Wismer
SRF-Mediensprecherin

Dies, weil das Down Syndrom das bekannteste und am häufigsten auftretende genetisch bedingte Syndrom ist, das eine geistige Behinderung zur Folge hat. Mit dem Format «SRF bi de Lüt» möchte man den Zuschauern Einblick in eine andere Lebenswelt bieten und sich mit Themen auseinandersetzen, zu denen das Publikum allenfalls keinen Zugang hat.

«‹SRF bi de Lüt – Reise mitohne Hindernis› lässt das Publikum auf Augenhöhe miterleben, mit welchen Themen sich Menschen mit Beeinträchtigung auseinandersetzen, welche Hürden es zu überwinden gilt und was die Herausforderungen bei ihren Reisen sind», fasst Mediensprecherin Eva Wismer zusammen.

In ihrem Alltag benutzen sowohl Andrea Schibli als auch Mike Häberli selbständig die öffentlichen Verkehrsmittel. Um seinen neuen Arbeitsweg von Schleinikon nach Wallisellen einzuüben, wurde Mike Häberli in der ersten Woche von seine Mutter begleitet.

Doch schon in er zweiten Woche wollte er die Strecke alleine bewältigen. «Schwierig wird es nur, wenn es zu Verspätungen oder Perronwechseln kommt», sagt Nicole Häberli. Auch Andrea Schibli fährt nicht nur mit dem Zug vom Zürcher Oberland nach Eglisau, sondern unternimmt gemeinsam mit ihrer Partnerin Monia kleinere Bahnreisen. «Sie findet sich mit der SBB-App selber zurecht», so Ruth Schibli. Nun sind die Eltern der beiden Unterländer Fernsehstars erst einmal gespannt auf die Ausstrahlung der Reisedokumentation.

Die erste Folge Reise mitohne Hindernis «Das Abenteuer beginnt» wird am Freitag, 23. August, um 20.05 auf SRF 1 ausgestrahlt. Die weiteren Folgen werden am Freitag, 30. August und 6. September, ebenfalls um 20.05 Uhr gezeigt.

Erstellt: 13.08.2019, 13:48 Uhr

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