Religion

Nach 500 Jahren ist die Reformation vorbei

Die reformierte Kirche befindet sich in der Region auf dem Rückzug. Nur in fünf der 44 Gemeinden sind noch über die Hälfte der Einwohner reformiert und auch dort wird diese Mehrheit bis 2020 fallen.

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Die reformierte Kirche befindet sich seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Im Unterland hat sie seit 1990 kontinuierlich eingebüsst. Waren damals noch über die Hälfte der Unterländer Mitglied der protestantischen Kirche, so werden es bei gleichbleibendem Abwärtstrend bereits im Jahr 2020 keine 25 Prozent mehr sein.

Wie die Reformierten müssen auch die Katholiken mit einer stetigen Flut von Austrittsgesuchen fertig werden, sie schrumpfen aber dank der Zuwanderung weniger stark als die Zwinglianer. Weltweit gehören über die Hälfte der 2,4 Milliarden Christen der katholischen Kirche an. Einwanderer aus Italien, Portugal, Spanien oder Südamerika sind fast ausschliesslich Katholiken, was den lokalen Mitgliederschwund etwas mildert.

Mehr Gläubige, weniger Anteil

Tatsächlich gibt es heute im Unterland mit 62 000 Katholiken sogar knapp 10 000 mehr als noch 1990. Diese verteilen sich auf neun grosse Kirchgemeinden mit meist 4000 bis 10 000 Mitgliedern - die grösste ist jene im Furttal mit 10 300 Mitgliedern, welche die reformierte Kirche Bülach (10 000) als grösste Kirchgemeinde abgelöst hat.

So gesehen geht es der Kirche von Papst Franziskus im Unterland heute eigentlich gut. Nur relativ gesehen macht sich der Abwärtstrend auch hier bemerkbar: Weil die Bevölkerung seit 1990 um knapp 50 Prozent gewachsen ist, die Anzahl der Katholiken aber «nur» um 20 Prozent, ist der Anteil an der Gesamteinwohnerzahl in dieser Zeit von 33 auf 26 Prozent gesunken.

Fusionswille fehlt

Bei den Reformierten ist der Nachschub aus der Zuwanderung höchst bescheiden. Zwar gibt es eine Weltgemeinschaft reformierter Kirchen, doch ist die von Huldrych Zwingli in den 1520er Jahren gegründete Zürcher Richtung doch eigenständig. Lutheraner aus Deutschland finden Anschluss, aus anderen Ländern mit evangelischen Kirchen gibt es aber kaum Einwanderer und somit auch kein Wachstum für die hiesigen Reformierten. Im Jahr 2020 wird die Landeskirche weniger als 62 000 Mitglieder haben und damit von den Katholiken überholt worden sein. 1990 waren es noch 82 000 Reformierte.

Diese sind in 29 Kirchgemeinden verteilt und haben wenig Lust sich nochmals zu reformieren. Zwar fordern die kantonalen Oberhäupter Fusionen der Kleinen zu grösseren Kirchgemeinden - nach Vorbild der Katholiken - doch der Wille zu solchen Zusammenschlüssen fehlt. Zwei Beispiele: Am Wochenende hat Weiach die Vereinigung mit Bachs und Stadel abgelehnt. Und das Megaprojekt Hardwald mit Kloten und sechs weiteren Kirchgemeinden ist kürzlich gescheitert. Immerhin: Einzelne Fusionen wird es geben, Bachs und Stadel sowie einzelne der Hardwald-Gemeinden. Der grosse Wurf scheint aber kaum möglich.

Kleine sind noch reformiert

Am 31. Oktober 2017 ist es exakt 500 Jahre her, seit Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt hat. Huldrych Zwingli hat die Reformation in Zürich ab 1519 vorangetrieben, ab 1523 breitete sich das Lauffeuer über den ganzen Kanton aus. Nur das Rafzerfeld blieb katholisch, gehörte allerdings damals weder zu Zürich, noch zur Schweiz, sondern zur Landgrafschaft Klettgau. Erst 1651 verkauften die Grafen von Sulz das Rafzerfeld an Zürich und es wurde reformiert.

Ironischerweise sind Wasterkingen und Wil heute noch zwei der letzten fünf Unterländer Gemeinden, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung noch reformiert ist. Bachs, Oberembrach und Schleinikon komplettieren dieses Quintett. Diese fünf letzten Bastionen eint, dass sie alle weniger als 1500 Einwohner haben. Geht der aktuelle Trend des Mitgliederschwunds weiter, wird schon 2020 nur noch Wasterkingen aus knapp mehr als 50 Prozent Reformierten bestehen.

Die Mehrheit der «Anderen»

Bereits heute gibt es in neun Orten mehr Katholiken als Reformierte: Dällikon, Dänikon, Höri, Kloten, Oberglatt, Opfikon, Regensdorf, Rümlang und Wallisellen. Bis 2021 werden neun weitere diesen Status erreichen: Bassersdorf, Buchs, Bülach, Dielsdorf, Dietlikon, Hüttikon, Lufingen, Niederglatt und Niederhasli.

Die Mehrheit der Bevölkerung wird dann bereits einer dritten Gruppe angehören: Den Anderen: Orthodoxe, Freikirchler, Muslime, Hinduisten, Buddhisten, Juden und vor allem Konfessionslose. Letztere Gruppe besteht nicht nur aus Atheisten, sondern enthält auch gläubige Christen ohne Kirchenzugehörigkeit. Genau erfasst werden diese «Anderen» vom kantonalen statistischen Amt aber nicht. Kirchensteuern zahlen und somit bekannt sein müssen nämlich nur die Mitglieder der Landeskirchen – was wiederum ein oft genannter Grund für den Austritt ist.

Erstellt: 20.03.2017, 17:42 Uhr

Die Zahlen ab 2017 sind aus dem Trend der letzten Jahre hochgerechnet. (Bild: Quelle Amt für Statistik Kanton Zürich, Grafik mb)

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