Nördlich Lägern

Nagra bleibt bei ihrer Einschätzung

Die Nagra empfiehlt Nördlich Lägern weiterhin nicht als Standortgebiet für ein Atommülllager. Sie hat die vom Ensi nachgeforderten Daten nun eingereicht.

Die Nagra bestätigt in ihrer Zusatzdokumentation ihre frühere Bewertungen.

Die Nagra bestätigt in ihrer Zusatzdokumentation ihre frühere Bewertungen. Bild: Keystone

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Ginge es nach der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), würde das Standortgebiet Nördlich Lägern nicht weiter berücksichtigt bei der Standortsuche für ein Atommülllager. Im Januar 2015 hatte die Nagra vorgeschlagen, unter anderem das Standortgebiet Nördlich Lägern im Zürcher Unterland zurückzustellen, weil das Lager wegen der Platzverhältnisse in einer grossen Tiefe gebaut werden müsste und dies gemäss der Nagra Nachteile bringen würde. Empfohlen für eine weitere Betrachtung hatte sie das Zürcher Weinland und den Bözberg.

1000-seitiger Nachbericht

«Wir sind nach wie vor der Meinung, Nördlich Lägern nicht zu empfehlen», sagt Piet Zuidema, Mitglied der Geschäftsleitung der Nagra. Dies sagt er im Zusammenhang mit der Zusatzdokumentation, welche die Nagra nun dem Eidgenössischen Nuklear­sicherheitsinspektorat (Ensi) geliefert hat und welche vor allem bezüglich Nördlich Lägern relevant ist.

Das Ensi hatte diese im September 2015 verlangt und im November präzisiert. Es konnte die Begründung der Nagra zur Tiefenlage nicht nachvollziehen und verlangte weitere Unterlagen zum Indikator «Tiefenlage im Hinblick auf bautechnische Machbarkeit». Sie sollte unter anderem belegen, ob eine grosse Tiefenlage sicherheitstechnische Nachteile nach sich zieht.

15 Mitarbeiter der Nagra haben seit vergangenem November an der rund 1000-seitigen Nachdokumentation gearbeitet. Laut Piet Zuidema wurde nun das Lagerkonzept in grosser Tiefe sauber dokumentiert. Neu wurden innerhalb des Gebiets Nördlich Lägern Standorte geprüft, welche die Nagra als nicht vorteilhaft eingeschätzt hatte. «Wir haben bezüglich der Lage Möglichkeiten geprüft, die wir damals nicht betrachtet hatten», sagt Zuidema.

Für diesen Lagerperimetern seien Alternativen betrachtet worden, aber man habe festgestellt, dass es keine besseren Möglichkeiten zur Anordnung der Lager gebe. Auch wurden unter Mithilfe von ETH-Experten neue Berechnungen angestellt: Diese zeigen zum Beispiel auf, wie sich das Gebirge mit der Zeit verformt, wo Risse entstehen oder wie lange diese sind. Zudem hat die Nagra neue Felsproben genommen und damit neues Datenmaterial gesammelt.

Machbar, aber aufwendig

Die neuen Daten haben die ursprüngliche Bewertung der Nagra bestätigt: Ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle sollte im Opalinuston, wenn nicht nötig, nicht tiefer als 700 Meter gebaut werden und ein Lager für schwach- bis mittelaktive Abfälle nicht tiefer als 600 Meter. In Nördlich Lägern wäre das Lager 900 Meter tief – ein sicherheitstechnischer Nachteil, wie die Nagra urteilt. Sie geht in dieser Tiefe beim Bau, beim Betrieb und bei einer eventuellen Rückholung des Atommülls von «extremen Anforderungen» aus. Zudem werde das Wirtsgestein unnötig geschädigt.

Piet Zuidema führt die «extremen Anforderungen» aus: So komme für die Nagra ein Sprengvortrieb nicht infrage, also müsste eine Tunnelbohrmaschine eingesetzt werden. «In dieser Tiefenlage ist nicht klar, ob eine Tunnelbohrmaschine im Opalinus­ton noch zuverlässig funktio­niert. Falls nicht, wäre viel Handarbeit nötig.» Beim drei Meter breiten und einen Kilometer langen Stollen seien die Arbeitsbedingungen aber sehr schwierig.

Nicht zuletzt spiele auch die Temperatur eine Rolle: Wenn man tiefer als 700 Meter bohre, klettere das Thermometer schnell über 40 Grad. «Man muss den Stollen massiv kühlen.» Beim Betrieb und bei einer eventuellen Rückholung des radioaktiven Abfalls sei wiederum die Verformung des Lagers durch das Gebirge relevant: Reparaturarbeiten, zum Beispiel die Nachstellung von Schienen, würden schwieriger. Zuidema betont aber, dass das Lager in einer solchen Tiefe zwar machbar, aber aufwendiger ist.

Das Gutachten des Ensi wird im Frühling erwartet. Um weitere Verzögerungen zu vermeiden, startet die Nagra diesen Herbst mit seismischen Messungen in Nördlich Lägern.

Erstellt: 11.08.2016, 11:07 Uhr

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