Palliative Care

Pflegeangebot für Schwerkranke erweitern

Fast drei Viertel der Bevölkerung möchten zu Hause sterben. Trotzdem werden gegen 40 Prozent am Lebensende notfallmässig in ein Spital eingewiesen. Spezialisierte Careteams wie Onko Plus pflegen die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung.

Amira Spahic überprüft als Mitarbeiterin von Onko Plus bei einer Patientin die Darmtätigkeit.

Amira Spahic überprüft als Mitarbeiterin von Onko Plus bei einer Patientin die Darmtätigkeit. Bild: Sabine Rock

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Ambulant vor stationär lautet die Devise im Gesundheitswesen. Das gilt auch für unheilbar kranke Menschen. Viele von ihnen ziehen es vor, in ihrer gewohnten Umgebung zu sterben und nicht in einer Pflegeeinrichtung. Um die entsprechende Betreuung zu gewährleisten, haben sich fünf Teams zum Verband spezialisierter Palliative-Care-Leistungserbringer (Spac) zusammengeschlossen.

Die Stiftung für mobile spezialisierte Palliativ- und Onkologiepflege, Onko Plus, ist für die Gemeinden im Zürcher Unterland zuständig.Ihre Organisation definiert Geschäftsleiterin Ilona Schmidt als Spital auf Rädern. «Wir gehen zu den Leuten nach Hause und sind rund um die Uhr für sie erreichbar», erklärt sie. «Unser Dienst entlastet die Gemeinden. Sie können eine solche Dienstleistung für todkranke Patienten nicht kostendeckend erbringen.» Sie betont jedoch auch, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der ­Spitex ist. «Wir sind gegenseitig auf den Informationsaustausch angewiesen.» Oft litten die Patientinnen und Patienten unter starken Schmerzen, und Atemnot sei ein grosses Problem. «Bei komplexen Krankheitsbildern können sich die Symptome rasch verändern.» Das führe bei pflegenden Angehörigen zu Unsicherheiten. Deshalb kümmern sich die Leute von Onko Plus auch um die Familie der Schwerkranken. Diese sei zudem mit dem endgültigen Abschied konfrontiert. «Das ist eine anspruchsvolle Situation für alle Beteiligten.»

Weniger Spitalaufenthalte

Im Einzelfall kostet zwar die Palliative Care mehr als ein Spitex­einsatz. Mit der spezialisierten ambulanten Pflege werde dennoch Geld gespart, erklärt Sabine Arnold, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei Onko Plus. Studien zeigten, dass der Einsatz die Spitaleinweisungen am Lebensende um fast die Hälfte reduziert. Für die Spitalpflege kommt der Kanton auf, die Kosten für die ambulante Pflege müssen die Gemeinden übernehmen.

Der Verband der Gemeindepräsidenten des Kantons Zürich (GPV) hat im April 2016 eine Empfehlung für die Gemeinden abgegeben, in Zukunft sowohl bei der ambulanten als auch der stationären Pflegeversorgung den gleichen Kostenschlüssel anzuwenden. Die mobile Palliative- Care-Versorgung wird als Beispiel genannt, den Leistungsbezügern den ambulanten Weg zu ermöglichen. Der Rümlanger Gemeindepräsident Thomas Hard­egger ist Mitglied des leitenden Ausschusses des GPV. «Die Erfahrungen aus dem Zürcher Oberland, wo sich die Gemeinden fast flächendeckend dem Spac angeschlossen haben, zeigen, dass seither weniger Leute zum Sterben ins Spital gehen», sagt er.

Persönlich ist er der Meinung, dass dem Wunsch Betroffener nach Betreuung zu Hause bis zuletzt entsprochen werden sollte. Er spüre in der Bevölkerung eine grosse Akzeptanz für die Leistungen von Onko Plus trotz höherer Pflegekosten. «Rümlang hat sich jetzt ebenfalls für den Vertrag mit Spac entschieden», gibt der Gemeindepräsident bekannt.

Regensdorf war eine der ersten Gemeinden, die den Leistungsvertrag mit Onko Plus unterzeichnet haben. Die Erfahrungen sind gemäss Martina Ernst, Leiterin Gesellschaft und Gesundheit, durchwegs positiv. «Die Klienten haben ein Anrecht auf eine optimale Betreuung. Das ist der Job der Gemeinde», sagt sie. Zusammen mit der regionalen Spitex könne Onko Plus das gewährleisten. «Es braucht beide Organisationen. Sie ergänzen sich gegenseitig und stehen nicht in Konkurrenz zueinander, das ist das Wichtigste.» Andreas Reiser, Leiter Spitex Regensdorf, sagt: «Wenn wir Unterstützung bei der ambulanten Pflege brauchen, weiss Onko Plus bereits Bescheid über den Gesundheitszustand des Klienten.» Für die Verabreichung von Schmerzmitteln zum Beispiel seien diese Fachleute informiert. Reiser ist selber onkologisch ausgebildet und hat Erfahrung mit Palliative Care. Er kennt die Grenzen der regionalen Spitex und befürwortet die Vernetzung mit Onko Plus.

Weitere Zusagen erwartet

Der regionalen Arbeitsgruppe Zukunftsplanung Alter (Raza) gehören die Stadt Bülach und die umliegenden Gemeinden Bachenbülach, Glattfelden, Hochfelden, Höri und Winkel an. «Sie haben sich am 31. Januar zu einer Sitzung getroffen und stehen einer Leistungsvereinbarung mit Onko Plus positiv gegenüber», erklärt Daniel Knöpfli, Leiter Soziales und Gesundheit bei der Stadt Bülach. Jede Gemeinde entscheide unabhängig, ob sie einen solchen Vertrag unterschreibe. «Der Bülacher Stadtrat befasst sich voraussichtlich im März mit einer möglichen Vertragsunterzeichnung für Pallia­tive Care.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.02.2017, 17:07 Uhr

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