Schule

Schulen sehen Lager nicht gefährdet

Das Bundesgericht hat in einem Urteil festgelegt, dass Eltern weniger hohe Kostenbeiträge an Klassenlager auferlegt werden dürfen. So manche Unterländer Schule will noch abwarten mit der Umsetzung.

Unterländer Schüler dürften auch in Zukunft trotz tieferer Elternbeiträge in Klassenlager fahren können.

Unterländer Schüler dürften auch in Zukunft trotz tieferer Elternbeiträge in Klassenlager fahren können. Bild: Archiv David Baer

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Die Volksschule in der Schweiz muss im Grundsatz unentgeltlich sein. Für Klassenlager, Schulreisen und Tagesausflüge wird den Eltern aber üblicherweise ein Kostenbeitrag verrechnet, der von Kanton zu Kanton stark variiert. Im Kanton Zürich sind es aktuell Tag 22 Franken pro Kopf und Tag. In manch anderem Kanton müssen Eltern das Doppelte oder Dreifache berappen. Der Elternbeitrag für obligatorische Schullager darf nun aber nicht mehr beliebig hoch sein.

Gemäss einem aktuellen Bundesgerichtsurteil sind maximal 16 Franken pro Tag zulässig. Das bemisst sich in der Praxis an jenem Betrag, den Eltern einsparen, wenn ihre Kinder auswärts essen, weshalb auch von einer Verpflegungspauschale gesprochen wird. Die Senkung auf der einen privaten Seite wirkt sich aber kostentreibend auf die öffentliche Hand aus. So sehen sich auf der anderen Seite die Schulen nun damit konfrontiert, ihre Lagerkosten möglicherweise zu einem noch grösseren Teil selber tragen zu müssen. Das lässt unweigerlich die Frage aufkommen, ob es denn ab sofort weniger Klassenlager gibt.

Folgen sind «verschmerzbar»

In Kloten will Elsbeth Fässler, Bereichsleiterin Bildung+Kind nichts dergleichen wissen. «Dies wird keine Konsequenzen für Klassenlager haben. Wir werden gleich viele Lager wie bis anhin durchführen.» Bis keine neue Empfehlung des Kantons an die Schulen erfolge, werde man in Kloten übrigens weiterhin 22 Franken von den Eltern verlangen. Gleiches hört man aus allen anderen angefragten Unterländer Gemeinden. Auch in Embrach, Kloten, Bassersdorf, Niederhasli, Stadel und Buchs hält man an der geltenden Regelung fest und wartet vorerst noch auf eine offizielle neue Empfehlung des Zürcher Volksschulamtes.

Die Amtsleiterin Marion Völger ist bislang nicht bekannt, dass konkrete Forderungen zur Senkung des Elternbeitrags auf 16 Franken eingegangen seien. «Ob eine Reduktion des Maximalbeitrages für die ganztägige Verpflegung angezeigt ist, wird gegenwärtig abgeklärt», sagt sie.

Nur in der Furttaler Kleinstadt Regensdorf hat man sich bereits auf das Bundesgerichtsurteil eingestellt und wird für die anstehenden Lager schon mal mit tieferen Elternbeiträgen kalkulieren. Die Kürzung um sechs Franken pro Tag sollte «verschmerzbar sein», findet Sekundarschulleiter Vittorio Zappia – nota bene ohne dass deswegen weniger ‹Action› geboten werden könne. «Das Urteil wird die Anzahl Klassenlager in unserer Gemeinde nicht tangieren.» Das scheint ohnehin der Grundtenor zu sein bei den Gemeinden.

Eigene Lagerhäuser verkauft

In der Schuleinheit Ruggenacher in Regensdorf bemühe man sich sowieso nicht nur «Action» zu bieten in Lagern, sondern auch schulisch relevante Themen zu behandeln. Um die Kosten etwas tiefer zu halten, verlange man von den Lehrpersonen, pro Klassenzug mindestens ein Selbstverpflegungslager oder allenfalls ein Lager mit Arbeitseinsatz durchzuführen, gibt Zappia zu bedenken. Regensdorf besass in Obersaxen – wie einst Kloten (in Davos) und Wallisellen (in Flumserberg) – bis vor ein paar Jahren noch ein eigenes Ferienheim. «Leider wurde es verkauft», sagt der Sekundarschulleiter.

Auch Kloten und Wallisellen haben ihre Lagerhäuser inzwischen längst veräussert. Für die Regensdorfer hatte wohl auch eine Rolle gespielt, dass sie dort nur selten günstigere Lager durchführen konnte, was Zappia denn auch einräumt. Dies weil die Verpflegung immer vom damaligen Pächter des Hauses den Klassen automatisch in Rechnung gestellt wurde. «Wenn die Möglichkeit zur Selbstverpflegung besteht, können die Kosten tiefer gehalten werden», erklärt Zappia.

Skilager nicht betroffen

Unterländer Skilager sind vom Bundesgericthsentscheid nicht betroffen. Denn hier sind die Schneesportlager meist freiwillig. So ist es möglich viel höhere Beiträge von den Eltern zu verlangen: Zwischen 250 Franken (Bassersdorf) und 500 Franken (Wallisellen) kostet die Skilagerteilnahme sodann pro Kind. Dass Basserdorf hier so «günstig» ist, hat mit einem Fonds zu tun, der vor fast 100 Jahren dank einer zweckgebundenen Spende eingerichtet werden konnte. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.02.2018, 18:36 Uhr

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