Pro & Contra

Soll der 1. August bereits am 31. Juli gefeiert werden?

Nächste Woche feiert die Schweiz ihren 728. Geburtstag. In vielen Gemeinden finden die Feierlichkeiten bereits am Vortag statt. Auf der ZU-Redaktion sind sich nicht alle einig, ob das eine gute Idee ist.

Ist es in Ordnung, wenn es bereits am 31. Juli knallt?

Ist es in Ordnung, wenn es bereits am 31. Juli knallt? Bild: Keystone

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Ja

Um ehrlich zu sein: Gross zelebriert habe ich den 1. August schon lange nicht mehr. So wirklich klassisch habe ich das zuletzt gemacht als Kind, als mein Grossvater noch lebte. Da gehörte das Höcklen und Bratwurstessen auf den Bänken auf dem Platz zwischen Schulhaus Dorf, Bibliothek und Reformiertem Kirchgemeindehaus in Dietlikon noch dazu. Später als Teenager war ich dann am Nationalfeiertag oftmals noch nicht mal in der Schweiz und habe den «Geburtstag» des Landes wenig bis gar nicht gefeiert.

Vielleicht habe ich deswegen von jeher ein eher lockeres Verhältnis zum 1. August. Und bin darum durchaus offen für die Idee, das eigentlich Fest auf den Abend des 31. Juli zu legen. Es gibt ja gute Gründe dafür. Erstens könnte man dadurch so richtig in die Nacht hineinfeiern, sofern man nicht zu den wenigen Unglücklichen gehört, die am Nationalfeiertag tatsächlich arbeiten müssen. Zweitens würde man dadurch mit ein bisschen Durchhaltevermögen durchaus auch am 1. August noch am Feiern sein. Abgesehen von Puristen, die jegliche Erwähnung des Nationalfeiertags vor 00:00 Uhr als Affront verstehen, dürfte dadurch also keine Rede davon zu sein, am falschen Tag zu feiern.

Drittens und für mich am wichtigsten: Wenn schon am 31. Juli die Möglichkeit besteht, offiziell zu feiern, wäre damit die Pflicht eigentlich getan. Und man hätte danach plötzlich einen Feiertag völlig frei jeglicher möglicher gesellschaftlicher Erwartungen zur Verfügung. Ein freier Tag, der eigentlich ziemlich wichtig wäre, denn für die meisten von uns ist nach dem 1. August für die nächsten fast fünf Monate bis zum Weihnachtstag dann erstmal Schluss mit Feiertagen. Ein paar wenige Glückliche haben vielleicht noch am Knabenschiessen im September frei, aber für alle andere war’s das mit zusätzlichen Freitagen, nachdem man sich an diese ja jeweils schon fast gewöhnt hat: Dieses Jahr gab fünf davon von Karfreitag im April bis Pfingstmontag im Juni.

Deswegen ist es falsch, die Nase zu rümpfen, wenn vielerorts bereits am 31. Juli der Geburtstag der Schweiz gefeiert wird. Im Gegenteil, bereits am Vorabend zu feiern zeugt von geistiger Flexibilität und einer für die Schweiz noch immer wichtigen Unverkrampftheit.

Nein

Sollte mir jemand die Frage stellen, ob ich Patriotin bin, würde ich mit «Jein» antworten. Einerseits bin ich froh, in der Schweiz zu leben, wo Meinungsfreiheit herrscht, das politische Umfeld einigermassen stabil ist, der öffentliche Verkehr funktioniert, und es sich allgemein ganz gut leben lässt.

Andererseits gäbe es da und dort auch einiges zu kritisieren: die Sturheit gewisser Ämter, nachbarschaftliche Querelen, unflexible Ladenöffnungszeiten, oder das Verbot, den Rasen zu betreten.

Nächste Woche feiert die Schweiz ihren Nationalfeiertag. Da darf ein bisschen Patriotismus schon sein. Schliesslich hat dieser Tag eine lange Tradition. Er geht zurück auf die Gründung unseres Landes im Jahr 1291 und wurde auf den 1. August festgelegt. Jawohl, den 1. August! Und hier werde ich nun zur Patriotin. Denn das bedeutet für mich, dass die Feier auch an eben diesem Tag stattfindet.

Es ist mir ein Rätsel, wie jemand auf die Idee kommt, diesen offiziellen Festtag auf den 31. Juli vorzuverschieben. Es dünkt mich, dass von Jahr zu Jahr mehr Gemeinden dazu übergehen. Allein im Unterland feiern acht Dörfer am Vorabend des Nationalfeiertages. Einige doppeln am 1. August noch nach, sei es mit einem Brunch oder Unterhaltungsangeboten. Dort wird wohl versucht, es allen recht zu machen. Mit der Vorverlegung des Festes will man auf die werktätige Bevölkerung Rücksicht nehmen.

Doch das Argument, dass man nach den Festivitäten am nächsten Morgen – der 1. August ist ein offizieller Feiertag und damit arbeitsfrei – ausschlafen kann, ist nicht stichhaltig. Immerhin gibt es zahlreiche Berufe mit unregelmässigen Einsätzen. Und wer im Dienstleistungssektor arbeitet, kommt ohnehin selten in den Genuss solcher Regelungen.

Es bringt also rein gar nichts, den offiziellen Geburtstag der Schweiz einen Tag früher zu feiern, ausser Verwirrung. Ich glaube kaum, dass in den USA das Fest zum 4. Juli plötzlich am 3. Juli stattfindet, oder die Franzosen ihren Quatorze Juillet nach hinten verschieben. Bleiben doch auch wir in der Schweiz dem Geburtstag unseres Landes treu und feiern am 1. August.

Erstellt: 26.07.2019, 10:31 Uhr

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