Otelfingen

Lieber Gesellschaftskritik als Liebeslied

Res Wepfer, Uta Köbernick und Reto Zeller haben in der Mühle Otelfingen ein Programm für Kopf und Herz auf die Bühne gestellt. Bei der Songauswahl hatte das Publikum sogar ein Wörtchen mitzureden.

Zum Lachen, Nachdenken und Geniessen: Uta Köbernick (von links), Res Wepfer und Reto Zeller.

Zum Lachen, Nachdenken und Geniessen: Uta Köbernick (von links), Res Wepfer und Reto Zeller. Bild: Sibylle Meier

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«Liederlich», das ist seit 2012 das Schweizer Liedermacherfestival von und mit Kabarettist Reto Zeller. In verschiedenen Formationen treten dabei jeweils mehrere Künstler auf und geben auf der Bühne Lieder, Satirenummern, Kommentare oder Geschichten zum Besten. Auf der diesjährigen Novembertour machte Zeller am Samstag mit einer Kollegin und einem Kollegen halt in der Mühle Otelfingen: mit Uta Köbernick und Res Wepfer.

Für ein Publikum von rund 60 Personen hat das Trio mit Gitarre, Ukulele oder Geige für beste Unterhaltung gesorgt. Gelacht wurde fast durchgehend, mal abgesehen von den Momenten, in denen gerade rührende Balladen zum Nachdenken anregten. Eine Form der Interaktion gab es auch: Reto Zeller legte Wert darauf, am Anfang mit einer Meinungsumfrage die thematischen Wünsche des Publikums mit Multiple-Choice-Fragen zu erörtern.

Im Grossen und Ganzen wurden gesellschaftskritische Songs den Liebesliedern vorgezogen. Emotion und Rationalität hielten sich die Waage, «eine fundierte Stellungnahme zur weiteren Zukunft von Brexit» fand da weitaus mehr Zuspruch als etwa das Thema Wellness.

Socken, Seelen, Dating

Den ersten längeren Soloauftritt – den einzigen auf Hochdeutsch – hatte die Ostberlinerin Uta Köbernick; in Zürich «scheinintegriert», wie Zeller sie beschrieb, und messerscharf mit Worten hantierend. Ihre Liedtexte schnitten alle möglichen Themen an, wild durcheinander und doch aufeinander abgestimmt. Persönliches und Weltliches, dazwischen Anekdoten und Gedanken.

Viel Selbstironie brachte Res Wepfer auf die Bühne, angefangen bei seinem Lied über die Odyssee, die die Socken von seinen Füssen über den Wäschevorgang nehmen müssten. Rockig übertrieben stand dann ein «Partygrill» im Zentrum. Wunderschön und traurig war seine Ballade über die Art, wie er die Seelen der Menschen zählen könnte. Und «Kotufnahmepflicht» führte dem Publikum vor Augen, wie stark Hundebesitzer an das titelgebende Gesetz gebunden sind.

Reto Zeller wiederum begeisterte mit dem Liebeslied «Zwei Züge» über die Tücken, die zwei Zugfahrer, die sich auf einer Dating-App finden, nehmen müssen, bis sie sich begegnen; über Funklöcher, Störenfriede, Kondukteure, liegengelassene Handys und leere Akkus.

Neuauflage geplant

Eine Besucherin aus Otelfingen sagte: «Ich habe sie nicht gekannt, aber ich liebe Liedermacher. Ich habe also gewusst, in welche Richtung es geht, aber es hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es war alles da, was den Menschen ausmacht.» Sie würde jederzeit wiederkommen.

Eine Wiederholung des Liederlich-Festivals ist auch im Sinne der Organisatoren, wie Patrice Gilly von der Stiftung Mühle Otelfingen und der Kulturkommission sagt. «Das Konzept überzeugt mich sehr und die Idee wäre, dass das Liedermacherfestival alle zwei Jahre im November zurückkommt.»

Erstellt: 17.11.2019, 19:28 Uhr

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