Pro und Contra

Verzicht auf Reisen in die USA?

Soll aufgrund der aktuellen politischen Situation auf USA-Reisen verzichtet werden oder nicht? ZU-Redaktionsleiter Martin Liebrich und Redaktorin Barbara Gasser im Austausch der Argumente.

Soll man noch in die USA reisen oder nicht?

Soll man noch in die USA reisen oder nicht? Bild: Keystone

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PRO

Barbara Gasser, Redaktorin Zürcher Unterländer

Natürlich bin ich kein Fan von Mr. Trump. Doch deswegen gleich auf USA-Ferien zu verzichten, finde ich nun doch übertrieben. Es ist nicht anzunehmen, dass ich ihm persönlich begegne, und auch seine verschiedenen Gesetze und Verordnungen tangieren mich kaum. Ausser natürlich die wieder einmal verschärften Sicherheitschecks am Flughafen. Ich hatte mir bereits überlegt, was ich abgesehen von meinem nicht gerade kleinen Laptop und der nicht ganz leichten Kamera noch in meinen Koffer packen kann, den ich aufgeben muss. Kurzzeitig war es ja verboten, solche Geräte als Handgepäck in die Flugzeugkabine mitzunehmen. Das zulässige Maximalgewicht von 23 Kilogramm ist somit schnell erreicht. Zum Glück ist diese Handgepäck-Regel bereits wieder aufgehoben worden.

Dafür wird das Handgepäck jetzt noch gründlicher untersucht, noch länger durchleuchtet und die einzelnen Geräte noch genauer angeschaut. Das wiederum bedeutet, dass man sich mit noch mehr Geduld wappnen muss, bevor man dann endlich in die Abflughalle entlassen wird. Und wie die meisten wissen, ist das mit der Geduld zu Ferienbeginn ja so eine Sache. Da freut man sich tage-, wenn nicht wochenlang auf die ersehnte Auszeit, um sich dann erst einmal in der endlos erscheinende Warteschlage vor der Sicherheitsschleuse im Flughafen wieder zu finden. Zwischen lautstark in irgend einem «Kauderwelsch» telefonierenden Typen, mit unzähligen Taschen behängten Damen, quengeligen Kindern und schäkernden Liebespaaren verbringt man im schlimmsten Fall mehr als eine Stunde, ohne sich auch nur einmal kurz setzen zu können.

Hat man diese Hürde dann irgendwann doch noch geschafft, ist man noch längst nicht im Flugzeug. Immerhin kann man sich jetzt aber im Dutyfree-Bereich wieder frei bewegen, endlich etwas zu trinken zu kaufen, denn Flüssigkeiten von mehr als 50 Milliliter müssen vor der Sicherheitskontrolle entsorgt werden, und findet mit etwas Glück einen freien Sitz. So beschwerlich der Ferienstart mit einer Reise in die USA auch ist, was mich nach der Ankunft in San Francisco erwartet, ist die Strapazen wert. Kalifornien übt auch Jahrzehnte nach meinem ersten Besuch dort immer wieder einen ganz besonderen Reiz auf mich aus. Und deshalb nehme ich all die Unannehmlichkeiten, bis es wieder soweit ist, auf mich – dies zwar nicht gern, aber gleichmütig.

KONTRA

Martin Liebrich, ZU-Redaktionsleiter

Nichts gegen die USA und ihre fantastischen Landschaften und Bauwerke. Nichts gegen US-Amerikaner. Also gegen die meisten nicht. Ich kenne viele, die dort leben und die nicht so oberflächlich und unkritisch sind, wie das Klischee es einem glauben macht. Im Gegenteil: sie sind kritischer als die meisten Europäer – besonders, wenn es um den twitternden Mann mit der komischen Frisur geht. Darüber hinaus bin ich stolzer Götti einer 7-Jährigen aus Philadelphia. Der leztzte Besuch dort ist mir in bester Erinnerung; samt Thanksgiving-Truthahn und Marshmallow-garnierten Süsskartoffeln.

Aber die Einreise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist das Letzte. Es beginnt mit dem eigenartigen Formular, das man ausfüllen muss: «Ich war auf einem Bauernhof / einer Ranch / einer Viehweide», heisst es da zum Beispiel. Leider fehlt der Zeitrahmen. Irgendwann war ich nämlich sicher auf einem Hof oder einer Weide. Natürlich kreuze ich immer «Nein» an. Vermutlich würde ich sonst den Rest des Urlaubs zusammen mit ein paar einreisewilligen Goldhamstern in Karantäne verbringen. Das Beste folgt auf dem Formular aber zum Schluss, in Form der «Angaben hinsichtlich des Gesetzes zur Vermeidung unnötiger Formulare». Könnte aus einem Monty Python-Sketch stammen. Welche Strafe wohl auf der Einfuhr unnötiger Formulare steht?

Wer Pech hat, erwischt danach einen Zöllner, der sich benimmt, als sei er früher DDR-Grenzer gewesen. Bei meinem letzten Grenzübertritt von Kanada her hatte ich dieses zweifelhafte Vergnügen. Erstaunlich, wie klein man ohne Grund gemacht werden kann. Später erzählte mir ein ausgewanderter Schweizer von seinem Bruder, der die Grenze gleichenorts passierte. Dessen Fehler: Er hatte am Zoll nichts deklariert (Punkt 11 auf dem Einreise-Formular: «Ich führe mit: (a) Obst, Gemüse, Pflanzen» und so weiter. Dann musste er seinen Rucksack öffnen. Heraus kullerte ein Apfel, den er vergessen hatte. Es hätte vermutlich weniger Stunk gegeben, wäre eine Handgranate herausgepurzelt. Nach einem mehrstündigen Verhör kam er wieder frei – der Reisecar war weg, er musste sich selber organisieren.

Ich sage nicht, dass ich nie wieder in die USA reisen werde. Aber diesen Sommer lasse ich mich lieber anständig behandeln und fahre mit meiner Familie an den Bodensee. Und später nach Davos.

Erstellt: 14.07.2017, 17:04 Uhr

Martin Liebrich, ZU-Redaktionsleiter: «Wer Pech hat, erwischt einen Zöllner, der sich benimmt, als sei er früher DDR-Grenzer gewesen.»

Barbara Gasser, Redaktorin: «Zum Glück ist diese Handgepäck-Regel bereits wieder aufgehoben worden.»

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