Neeracherried

Zugvögel müssen viele Hindernisse überwinden

Das kommende Wochenende ist den Zugvögeln gewidmet. In ganz Europa finden Veranstaltungen statt, die auf deren Probleme aufmerksam machen sollen. Sie sind aber auch zum Beobachten und Zählen der vorbeiziehenden Arten da.

Wenn sie Glück haben, können die Besucher des Neeracherrieds am Sonntag den Fischadler sehen.

Wenn sie Glück haben, können die Besucher des Neeracherrieds am Sonntag den Fischadler sehen. Bild: Keystone

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Laut einer Studie sterben im Mittelmeerraum jährlich 25 Millionen Zugvögel. Diese werden zum Spass oder für den Verzehr gejagt, oft geschossen. Laut Stefan Heller, Leiter des Birdlife-Naturzentrums Neeracherried, werden den Touristen solche Vögel serviert und die Jagd wird zuweilen als alte Tradition präsentiert. «Dabei existieren solche Jagden oft nur seit wenigen Jahrzehnten», sagt der Biologe und Ornithologe. Touristen rät er, auf den Verzehr solcher Vögel zu verzichten.

Eine andere Jagdmethode sind Leimruten, an denen Vögel kleben bleiben und qualvoll verenden. «Wenn sie Glück haben, werden sie nach zwei Stunden entfernt. Wenn nicht, hängen sie noch viel länger an der Rute», sagt er. Heller und sein Team wollen bezüglich solcher Jagd- und Fangmethoden Aufklärung leisten und laden am Sonntag im Rahmen der europäischen Aktion «Eurobirdwatch» zum Zugvogeltag im Ried ein.

Dort wird nicht nur auf die Probleme der Zugvögel aufmerksam gemacht, sondern es werden auch Vögel beobachtet und gezählt. Ebenso auf dem Wannenberg (D) an der Grenze zum Unterland, wohin der Naturschutzverein Bachsertal einlädt (siehe Kasten). Während des ganzen Wochenendes finden in 40 Ländern in und um Europa – von Uzbekistan über den Balkan bis nach Spanien– Hunderte Veranstaltungen statt.

Birdlife Schweiz übernimmt dieses Jahr die Auswertung der Zahlen, die von den Standorten in den einzelnen Ländern geliefert werden: Die Stationen geben der Zentrale in Zürich per Mail, Telefon oder Fax die Zahl und die Art der von ihnen beobachteten Zugvögel bekannt. Die Schweizer Ergebnisse werden am Sonntagabend unter birdlife.ch/ebw aufgeschaltet.

Feuchtgebiete als Trittsteine

«Wir wollen mit den Veranstaltungen der Bevölkerung klarmachen, wie viele Zugvögel unterwegs sind, und dass diese gute Bedingungen zum Überleben brauchen», sagt Heller. So legten Vögel unglaubliche Distanzen zurück und bräuchten entlang der ganzen Zugroute Lebensräume, wo sie rasten und Nahrung aufnehmen könnten. «Sie brauchen Sümpfe, um Nahrung zu finden und sich Fett anzufressen», erklärt er. Deshalb sei es wichtig, dass Feuchtgebiete nicht trockengelegt werden.

Es brauche in allen Ländern genügend Trittsteine für die Tiere, also Landschaften, wo sie Nahrung finden. «Es reicht nicht, wenn sich nur einzelne Länder für den Vogelschutz einsetzen», betont Heller. So unterstützt Birdlife zum Beispiel Projekte in Afrika. In einem davon geht es darum, dass ein Gebiet am Rande der Sahelzone nicht trockengelegt wird, denn dort überwintern jeweils 25 000 Rötelfalken und fressen die in dieser Gegend vorhandenen Wanderheuschrecken.

Nicht nur trockengelegte Gebiete oder die Jagd in Ländern wie Italien, Frankreich, Malta oder Zypern können aber eine Gefahr für die Vögel darstellen, sondern auch Strommasten oder Windräder. Bei Letzteren setzen sich Vogelschützer wie Heller dafür ein, dass diese nicht mitten auf Pässen zu stehen kommen, wo sie

die vorbei­fliegenden Vögel aufschlitzen. Strommasten wiederum sollen mit Hindernissen versehen werden oder besser sichtbar für sie sein.

Warten auf Zorro

Wenn das Wetter nicht allzu schlecht ist, können die Vogelbeobachter am Sonntag im Ried zum Beispiel den Fischadler sehen. Auch könnte der Eisvogel, der einen leuchtend blauen Rücken und einen orangefarbenen Bauch hat, vorbeischauen. «Viele Besucher kommen extra wegen dieses Vogels hierher», sagt Heller. Auch hofft er auf rastende Silberreiher und die Beutelmeise: Ein spatzengrosser Vogel mit zorroähnlicher Augenmaske.

Erstellt: 28.09.2016, 10:25 Uhr

ANLÄSSE AM SONNTAG

Die Veranstaltung im Neer­acherried findet am Sonntag von 11 bis 18 Uhr statt. Für Kinder sind acht Posten vorhanden, an denen sie den Vogelzug kennen lernen können. Nicht nur im Neeracherried können am Sonntag Vögel beobachtet werden. Der Naturschutzverein Bachsertal lädt zusammen mit der Ortsgruppe Waldshut des Naturschutzbundes Deutschland auf den Wannenberg (630 m. ü. M.) ob Bergöschingen/Hohentengen. Am Beobachtungs- und Informationsstand sind von 9 bis 15 Uhr Fachleute mit Feldstechern und Fernrohren vor Ort. Es wird dennoch empfohlen, einen eigenen Feldstecher sowie Feldstuhl oder Decke mitzubringen. Die Zufahrt, die ausgeschildert ist, erfolgt über den Zoll Kaiserstuhl, Guggenmühle, Bergöschingen und Oberdorf. Parkplätze sind oberhalb des Dachshofs beim Schiessstand vorhanden. Danach geht es zu Fuss zwei Kilometer dem Waldrand entlang zum Standort. Die Besucher sollen eine Identitätskarte mitbringen. ilö

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