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Lockdown-Exit in ÖsterreichRestaurants öffnen, das Personal trägt Masken

Österreichs Gastronomie kann ab Mitte Mai wieder in Betrieb gehen, sie muss aber strenge Sicherheitsregeln einhalten. Wichtige Auflagen sind nun bekannt.

Social Distancing bald auch in österreichischen Restaurants: Gäste in einem Starbucks-Lokal in Hongkong.
Social Distancing bald auch in österreichischen Restaurants: Gäste in einem Starbucks-Lokal in Hongkong.
Foto: Keystone

Während in der Schweiz Restaurants und Beizen noch bis auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben, gibt es in Österreich dafür einen Zeitplan. In dreieinhalb Wochen sollen Restaurants und Cafés wieder Gäste bewirten können – allerdings unter strikten Auflagen des Gesundheitsschutzes. Österreichs Regierung hat nun den geplanten Öffnungstermin für die Gastrobranche bestätigt. Angesichts der guten Entwicklung bei den Corona-Fallzahlen könne die Regierung an ihrem Fahrplan festhalten, sagte Kanzler Sebastian Kurz am Dienstag.

Auch wenn noch nicht alle Gastroregelungen bekannt sind, lässt sich abschätzen, wie die Restaurants während der Pandemie funktionieren. Im Raum stehen insbesondere eine Maskenpflicht für das Servicepersonal, eine Maximalzahl von Personen, die sich gleichzeitig in einem Restaurants aufhalten dürfen, sowie strikte Abstandsregeln in den Lokalen. Social Distancing bleibt oberstes Gebot. Gemäss Plänen der Regierung soll der Sicherheitsabstand zwischen den Tischen mindestens zwei Meter betragen.

Aktuelle Bilder von Restaurants in China und anderswo in Asien zeigen, dass Teile der Lokale abgesperrt sind, damit sich nicht zu viele Leute darin aufhalten, und dass die Gäste grösseren Abstand zueinander halten und einzeln an einem Tisch sitzen.

Gesichtsvisiere statt Masken?

«Dass es verschärfte Massnahmen für unsere Mitarbeiter geben wird, war uns schon klar», sagte Christina Hummel, Chefin des Verbands der Wiener Kaffeehausbesitzer, in Radio ORF. Anstelle einer Maskenpflicht für das Servicepersonal plädierte sie jedoch für den Einsatz von Gesichtsvisieren aus Plexiglas. Gastronomie verkaufe sich auch über Emotionen, so Hummel, das sichtbare Lächeln der Beschäftigten sei darum wichtig.

Auch die Gewerkschaft Vida sprach sich für Gesichtsvisiere aus. Damit lasse sich ein Arbeitstag wesentlich besser bewältigen, heisst es in einer Medienmitteilung. Ausserdem will die Gewerkschaft die Restaurantbesucher in die Pflicht nehmen. «Innerhalb des Lokals befürworten wir einen Mund-Nasen-Schutz der Gäste.» Dies will die Regierung in Wien bislang offenbar nicht vorschreiben. Allerdings scheint sich das Maskentragen in der Öffentlichkeit in der österreichischen Bevölkerung ohnehin durchzusetzen.

Alternative zu Mund-Nasen-Schutz: Verkäuferin mit Gesichtsschutz aus Plexiglas in einem Möbelgeschäft im deutschen Pulheim.
Alternative zu Mund-Nasen-Schutz: Verkäuferin mit Gesichtsschutz aus Plexiglas in einem Möbelgeschäft im deutschen Pulheim.
Foto: Keystone

Vertreter der Gastrobranche und die Regierung ringen noch um die neuen Regeln im Hinblick auf die Wiedereröffnung von Restaurants und anderen Lokalen. Ein wichtiges Thema sind die Öffnungszeiten. Die Gastrobranche möchte unbedingt, dass die Lokale auch am Abend geöffnet sein dürfen. Für die meisten Betriebe läuft das Hauptgeschäft am Abend. Fällt das weg, rentiert es sich gar nicht, das Lokal zu öffnen. Die Gastrobranche hat nun bei der Regierung erreicht, dass die Lokale bis 23 Uhr offen haben dürfen.

Eine weitere Sorge betrifft die Umsatzeinbussen infolge der verordneten Sicherheitsabstände in den Lokalen sowie der Maximalzahl von Gästen. Möglich ist, dass Tische nur noch jeweils für 90 Minuten vergeben werden, um mehr Gäste bewirten zu können. Trotzdem brauche es staatliche Unterstützung, betonen Gastrovertreter. Die Betriebe brauchten rasche, unbürokratische Überbrückungskredite. Von den landesweit rund 60’000 Betrieben drohe einem Drittel die Pleite. In diesem Punkt stehen die Verhandlungen der Gastrobranche mit der Regierung erst am Anfang. Besonders schlecht sieht es für Diskotheken und Nachtclubs aus. Sie werden frühestens im September ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Ähnliches gilt für Grossveranstaltungen.

Weitere Lockerungen schon ab 1. Mai

Österreich hat nach Ostern mit dem schrittweisen Lockdown-Exit begonnen. Von der Lockerung profitierten zunächst kleinere Läden sowie Bau- und Gartenmärkte. Ab dem 1. Mai dürfen sämtliche Geschäfte wieder öffnen, ebenso Dienstleister wie Coiffeursalons und Kosmetikstudios. Offen bleibt, ab wann die Tourismus- und Freizeitwirtschaft ihre Dienstleistungen wieder anbieten darf. Der Neustart der Schulen wird – wie im Gastgewerbe – ab Mitte Mai schrittweise erfolgen. Dann sollen auch Gottesdienste wieder möglich sein. Alle Lockerungen des Ausnahmezustands erfolgen unter Berücksichtung von Hygiene- und Verhaltensregeln.

In welcher Weise die bis Ende April geltenden Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung angepasst werden, entscheidet die Regierung demnächst. In Österreich lässt sich die Pandemie unter Kontrolle halten. Zuletzt sind weniger als 100 Menschen pro Tag mit dem Coronavirus infiziert worden. In Tirol wird der Weg in Richtung Normalität mit dem Quarantäneende etwa für Ischgl ab Donnerstag weiter beschritten.

13 Kommentare
    Monika Siebig

    Das sind alles Kompromisse, die auf Dauer nicht haltbar sind, weil diese den Restaurantbesuch als sehr ungemütlich erscheinen lassen. Aber was soll die Regierung tun ? - Am besten ist es wohl künftig noch, auf einer schönen, geräumigen Terrasse bewirtet zu werden. Ich hoffe, dieses Elend endet bald...