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Kolumne: ZUgespitztRoher Tofu, getrocknete Kräuter und fades Gemüse

Wieso suchen sich Leute ohne jegliches kulinarisches Flair ausgerechnet den Koch-Beruf aus? Eine Polemik.

Andrea Söldi
, Redaktionsmitarbeiterin und freie Journalistin.
Andrea Söldi
, Redaktionsmitarbeiterin und freie Journalistin.
Foto: Johanna Bossart

Passiert das eigentlich nur mir? Auf der Menükarte wird ein Gericht in den höchsten Tönen beschrieben, sodass einem gleich das Wasser im Mund zusammenläuft: Bulgur-Salat mit Granatapfel, Cherry-Tomätchen und Pfefferminz. Was für ein leichter, gesunder Genuss zu einem kühlen Bier an einem lauen Sommerabend – stelle ich mir vor. Doch der Salat entpuppt sich dann als ungesalzene, verkochte Masse mit ein paar unterkühlten, geschmacklosen Tomätchen. Granatapfel und Pfefferminz? Sorry, gerade ausgegangen.

Oder ebenfalls diesen Sommer: eine Gemüseschale mit Tofu, Crevetten, Avocado und Koriander. Der Tofu roh und ungewürzt, der Koriander unauffindbar. Auf Nachfrage erklärte man mir, er sei in der öligen Sauce enthalten. Derweil bestand der Basilikum im Tomaten-Mozzarella-Sandwich aus ein paar winzigen grünen Pünktchen. Vor Gericht hätten die Köche wohl recht bekommen: Die Kräuter wären im Labor vielleicht nachweisbar gewesen. Doch in getrockneter Form verlieren sie eben jeglichen Geschmack.

«Meist könnte man mit nur wenig Aufwand und etwas Geschick so viel mehr Pepp herausholen.»

So oder ähnlich geht es mir leider häufig im Restaurant: Das Essen ist bestenfalls o.k., aber ich hätte es besser gekonnt. Meistens könnte man mit nur wenig Aufwand und etwas Geschick so viel mehr Pepp herausholen. Zum Beispiel, indem man Gemüse im Ofen zubereitet statt im Steamer, Tofu mariniert und anbrät oder Salate mit ein paar gerösteten Nüssen oder Kernen garniert. Ich kann einfach nicht verstehen, wieso so viele gelernte Köche solche kleinen Kniffs nicht draufhaben. (Gastronomen im Unterland seien von dieser Kritik einmal ausgenommen… zwinkerndes Emoticon!)

Es ist mir bewusst, dass Kochen ein strenger Beruf ist und die Restaurant-Branche unter Druck. Doch wieso soll ich auswärts essen, wenn es zu Hause besser, gesünder, gemütlicher und erst noch viel günstiger ist? Von den Schweizer Restaurants würde ich mir etwas mehr Sorgfalt und Innovation wünschen. Nehmt mal ein zeitgemässes Rezeptbuch zur Hand, googelt ein spezielles Lebensmittel, um herauszufinden, was man alles daraus zubereiten kann, blickt euch wieder einmal auf einem Gemüsemarkt um. Und wenn es nach mir ginge: Der Steamer gehört schlichtweg verboten.