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Mamablog: Er Hausmann, sie Vollzeit? Rollentausch? Nein, danke!

Nach dem pandemiebedingten Test kommt unsere Autorin zum Schluss: Zementierte Rollen gehören auch in umgekehrter Form abgeschafft.

Mann am Herd: Die Rollen zu tauschen, ist auch keine Lösung für den «Gender Care Gap».
Mann am Herd: Die Rollen zu tauschen, ist auch keine Lösung für den «Gender Care Gap».
Foto: Getty Images

Das mach ich noch schnell «für ihn», hatte ich kürzlich mehr gespürt als gedacht, als ich abends um elf den Geschirrspüler ausräumte. Dann kam der Gedanke im Hirn an – und war ein kleiner Schock.

Heim und Herd als Sache des Mannes? Eine Idee, die mich umgekehrt schnappend atmen liesse. Und die sich, umgekehrt, wieder mehr Raum zu nehmen scheint: Frauen würden eine entsetzliche Retraditionalisierung erfahren, sagte während des Lockdowns letzten Frühling die Soziologin Jutta Allmendinger. In der «Zeit» schrieb sie: «Die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen ist wie in alten Zeiten, eine Rolle zurück».

Es gibt allerdings auch Studien, die entgegen dieser These ergaben, dass Väter sich während der Corona-Krise eher mehr als vorher an der Familienarbeit beteiligen. Niemand wird aber bezweifeln, dass der «Gender Care Gap» – die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit – so oder so weit offen klafft. «Die Pandemie hat die gesellschaftlichen Verhältnisse wie unter einem Brennglas hervortreten lassen», heisst es in Allmendingers Buch «Es geht nur gemeinsam!», das eben erschienen ist.

Voll im Flow

Doch zurück zum Geschirrspüler. Mit dem Tellerstapel in der Hand fühlte ich mich, als vollbrächte ich eine gute Tat – indem ich eine Aufgabe übernahm, die mir offenbar nicht (mehr) so sehr unsere zu sein schien, sondern eher seine. Denn obwohl es also umgekehrt vielleicht häufiger vorkam, verbannte die Pandemie bei uns eher den Mann an den Herd. Normalerweise wechseln wir uns dort ab, in den letzten Monaten lernten wir das Modell «Er Hausmann, sie Vollzeit» kennen. Das war keine Entscheidung, sondern Zufall. Ein Diktat unserer unterschiedlich stark durchgeschüttelten Auftragslagen als Selbständige. (Mit dem Glück, notabene, dass mindestens einer von uns Arbeit hatte, und, nochmals Glück, mehr als erwartet.) Schon vor Corona schwankte unsere Kinder-Küche-Büro-Aufteilung zwar mal hin, mal her. Dass mein Partner aber längere Zeit exklusiv zu Hause übernahm, ich Tag für Tag zum Erwerb loszog, gabs bisher nie.

So muss sich ein Mann fühlen, dessen Frau ihm sozusagen den Rücken freihält, dachte ich nun öfters. Und lernte eine längst vergessene Entspanntheit der Arbeit gegenüber neu lieben. Als Mutter und Teilzeitlerin bin ich es ja gewohnt, meist mit hinten und vorn begrenztem Zeitbudget mehr schlecht als recht zu planen. Anrufe von Auftraggebern erreichen einen zudem bekanntlich selten im Büro, eher zwischen Kinderarzttermin und Laufvelotour, jedenfalls meist wenn Trubel ist. Und man kennts: Sich inmitten familiären Radaus etwas Konzentration für Unerwartetes abzuringen, ist Meditation der anderen Art für Fortgeschrittene … Doch jetzt also alles easy. «Klar, gern, jederzeit. Ich bin eh im Büro.» Voll der Flow.

Ausgeglichene Pensen, bitte!

Belebend wars, mal einfach drauflos zu arbeiten, gerade nicht in 50er-Jahre-Rollen gedrängt zu werden. Befreiend auch, zu sehen, die haben das daheim im Griff. Dass die Situation seit kurzem wieder balancierter ist, freut mich trotzdem. Denn auch die Vorteile der geteilten Betreuung glänzen nach dieser Zeit wie neu poliert. Die Abwechslung durch gemischte Büro- und Kindertage oder die friedliche Qualität eines wochentäglichen Zvieris mit den Kindern: Dinge, die ich nicht langfristig missen möchte. Genauso wenig wie das Gefühl, zu vergleichbaren Teilen zuständig zu sein. Meinem Partner hat die durch Corona-Regeln multiplizierte Eintönigkeit der aneinandergereihten Tage zu Hause zu schaffen gemacht. Und mir mein Erlebnis am Geschirrspüler!

Denn nein, ich mag keine zementierten Rollen. In ihrer traditionellen Form sind sie es, die etwa geschlossene Schulen und Kitas zum Problem vorwiegend von Müttern machen. Doch auch umgekehrt gefallen sie mir nicht. Und zu erleben, wie unsere einseitige Aufteilung mein Gefühl für gemeinsame Zuständigkeiten untergrub: ein Schreck! Ich hoffe, das lag nur an mir und nicht an der Einseitigkeit. Ein Zweifel bleibt und gibt mir zu denken. Falls Jutta Allmendingers These zutrifft, noch etwas mehr.

Liebe Leserinnen, liebe Mütter, wie hat sich eure Situation durch die Corona-Krise verändert? Seid ihr zufrieden mit euren Lebensumständen als Frau – oder habt ihr konkrete Forderungen? Das Forschungsinstitut Sotomo und die Frauenzeitschrift «Annabelle» machen derzeit eine grosse Umfrage zur Frauenzufriedenheit in der Deutschschweiz. Der Online-Fragebogen kann noch bis am 29. Januar anonym ausgefüllt werden und dauert etwa 10 Minuten.

25 Kommentare
    Frau Gloor

    Meine Erfahrung ist, dass heute Mann und Frau sehr, sehr früh selber wissen sollten, was sie im Leben wollen, und dann den/die Partner/in dementsprechend aussuchen sollten. Denn eins ist klar: Ein Typ, der denkt, eine Frau gehöre an den Herd, der wird sich auch in hundert Jahren nicht ändern und aus Prinzip auch dann nicht den Wocheneinkauf erledigen, wenn die Frau kurz vor einem Burnout steht. Ich hoffe, dass die neue Generation Frauen mit einem Plan und Durchsetzungsvermögen in ihre Partnerschaften geht und die neue Generation Mann mit einer realistischen Erwartungshaltung und viel, viel Wertschätzung den Frauen gegenüber.