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Interview mit EpidemiologeSalathé verlässt Taskforce und gründet eigene Organisation

Mit einer neuen gemeinnützigen Gesellschaft will der Epidemiologe Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft digitalisieren.

Epidemiologe Marcel Salathé kritisiert: «Wir sind im Daten-Blindflug; statt mit schnellen IT-Systemen versuchen wir, rasanten Entwicklungen mit Fax-Übermittlung beizukommen.»
Epidemiologe Marcel Salathé kritisiert: «Wir sind im Daten-Blindflug; statt mit schnellen IT-Systemen versuchen wir, rasanten Entwicklungen mit Fax-Übermittlung beizukommen.»
Foto: Tamedia AG

Der Epidemiologe Marcel Salathé machte nie einen Hehl aus seinem Frust, dass die Verwaltung während der Pandemie in technologischer Hinsicht versagte. «Wir sind im Daten-Blindflug; statt mit schnellen IT-Systemen versuchen wir, rasanten Entwicklungen mit Fax-Übermittlung beizukommen», sagt er. Seine Erkenntnisse aus der Pandemiezeit: «Was den Einsatz moderner Technologien angeht, sind wir in zentralen Bereichen zwei Jahrzehnte im Rückstand.»

Salathés Sorge ist so gross, dass er nun zusammen mit dem Zürcher IT-Unternehmer Hannes Gassert, Zattoo-Gründerin Bea Knecht, dem Medizinprofessor Gieri Cathomas und 12 weiteren Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft die gemeinnützige Organisation CH++ gründet. Sie scheint ihm so wichtig zu sein, dass er dafür die wissenschaftliche Taskforce des Bundes verlässt. Das Ziel der neuen Gesellschaft: Sie soll helfen, den technologischen Rückstand der Schweiz aufzuholen. «Wissenschaft und Technologie werden für alle zukünftigen Herausforderungen eine zentrale Rolle spielen», sagt Mitgründer Gassert. «Deshalb wollen wir eine Organisation aufbauen, die sich als unabhängige Kraft aktiv für technologische und wissenschaftliche Kompetenz auf allen Ebenen einsetzt.» Gedacht ist CH++ einerseits als Thinktank für technologische Entwicklungen und Projekte, aber auch als Interessenverband, der Politik, Verwaltung und Wirtschaft unter Druck setzt und antreibt, auf Wissenschaft und Technologie zu setzen. So plant CH++, die technologischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten der Parlamentarier in einem Rating zu bewerten.

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