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Mit Flugmeilen zahlen Schoggi statt Fliegen

Nicht sammeln, sondern ausgeben: Der Onlineshop Microspot.ch, Orell Füssli und auch Sprüngli setzen auf Flugmeilen als Bezahlmöglichkeit. Eine Firma aus Küsnacht macht es möglich.

Die Flugbranche leidet unter der Corona-Pandemie: Statt beim Fliegen Meilen zu sammeln, können diese neu in Onlineshops ausgegeben werden.
Die Flugbranche leidet unter der Corona-Pandemie: Statt beim Fliegen Meilen zu sammeln, können diese neu in Onlineshops ausgegeben werden.
Foto: Christian Beutler (Keystone)

Statt den Flug mit den gesammelten Meilen auf die Malediven, nach Zypern oder Jamaika zu buchen und bei der Rückkehr in Quarantäne zu gehen, bietet sich bei Microspot seit März eine ganz neue Möglichkeit: Onlineshopping mit Flugmeilen. Denn die werden aktuell kaum genutzt.

Die Flugbranche leidet stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Über den Flughafen Zürich beispielsweise flogen im vergangenen Jahr rund 74 Prozent weniger Passagiere als 2019. Die Flugbewegungen brachen um fast 60 Prozent ein – Swiss, Edelweiss, Lufthansa oder Easyjet sind stark betroffen. Wer zu den Vielfliegern gehört und Flugmeilen sammelt, wird diese in den vergangenen zwölf Monaten kaum vermehrt oder für Flüge ausgegeben haben.

1 Meile weniger als 0,005 Franken

Diesen Umstand nutzten nun Onlineshops, um eine neue Bezahlmöglichkeit zu testen. Sprüngli tauscht zum Beispiel Meilen gegen Schokolade, Orell Füssli gegen Bücher. Und seit März können Kundinnen und Kunden bei der Coop-Tochter Microspot das neue Sofa, den Fernseher oder das Hochbeet testweise mit ihren Flugmeilen bezahlen.

Das neue Onlinezahlungsmittel läuft über den Anbieter Pointspay. Die Onlineshops bieten diesen Dienst als weitere Bezahlvariante an, neben Kreditkartenzahlung oder Paypal. Wer im Onlineshop mit Meilen bezahlen will, muss sich vorher bei Pointspay registrieren.

Die Meilen werden dabei in Franken umgewandelt und damit wird dann bezahlt. Der Umwandlungssatz variiert je nach Programm. Im Falle von Swiss Miles & More beträgt eine Meile weniger als 0,005 Franken, heisst es auf Anfrage beim Anbieter Pointspay.

Dieser arbeitet mit mehreren Programmen wie Swiss Miles & More, Etihad Guest, Etisalat Smiles, Membership Rewards oder Royal Jordanian zusammen. Mit welchem Programm im Onlineshop bezahlt werden kann, hängt vom Händler ab.

Bei Microspot.ch ist es Miles & More. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht, dafür einen maximalen Eintauschwert: 50 Franken oder 20 Prozent des Einkaufs können mit den Flugmeilen bezahlt werden. Das Angebot werde auch bereits genutzt, sagt Sprecherin Monika Sachs. Man habe das neue Bezahlsystem gezielt bei der Coop-Tochter eingeführt, da die Kundinnen und Kunden des reinen Onlineshops offener gegenüber neuen digitalen Zahlmöglichkeiten seien, so Sachs.

Pralinen, Bücher oder Jeans

In den anderen Unternehmen der Coop-Gruppe ist das Bezahlen mit Meilen bisher nicht möglich. «Unsere Kundinnen und Kunden können ihre Superpunkte jedoch online im Supercard-Prämienshop in Flugmeilen umwandeln», sagt ein Sprecher.

Die Möglichkeit, mit Flugmeilen in Onlineshops zu bezahlen, ist relativ neu in der Schweiz. Weitere Händler, die dies derzeit ermöglichen, sind die Confiserie Sprüngli, der Buchhändler Orell Füssli, die Kunstplattform Fineartmultiple mit Sitz in Luzern, die Hotelbuchungsplattform Hotelcard.com und Jeans.ch.

Bei Sprüngli können Schokolade und Pralinen ab einem Mindestbestellwert von 7500 Prämienmeilen mit Miles & More bezahlt werden. Dieser Wert entspreche 27.80 Franken, wie auf der Website des Unternehmens zu lesen ist. Seit wann diese Möglichkeit besteht und ob diese seit Corona reger genutzt wird, dazu wollte sich Sprüngli auf Anfrage nicht äussern.

Eine Million aktive Mitglieder

Mit Flugmeilen zahlen oder diese bei Einkäufen sammeln, kann man bei Orell Füssli bereits seit über drei Jahren. Wie bei Sprüngli können Meilen ab einem Guthaben von mindestens 7500 Meilen auf Orellfüssli.ch eingelöst werden. Die Bezahlmöglichkeit werde zwar selten genutzt, sei aber seit Beginn der Pandemie um 40 Prozent gestiegen, sagt ein Sprecher.

«Kumuliert haben diese Mitglieder mehrere Hundert Millionen Meilen, die jetzt beim Onlineshopping eingelöst werden können.»

Sprecherin der Bezahlungsplattform Pointspay

Die Zahlungsplattform Pointspay der Internetfirma Loylogic aus Küsnacht ZH verbindet die Onlineshops mit Loyalty-Programmen und deren Mitgliedern. Das Unternehmen sieht in der Schweiz Wachstumsmöglichkeiten: Bisher gebe es hier fast eine Million aktive Mitglieder – 65 Prozent davon mit einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen, heisst es auf Anfrage. «Kumuliert haben diese Mitglieder mehrere Hundert Millionen Meilen, die jetzt beim Onlineshopping eingelöst werden können, da diese aktuell beim Fliegen nur begrenzt eingesetzt werden», sagt eine Sprecherin.

Wie die Nachfrage in den Onlineshops sei auch Pointspay seit Beginn der Pandemie in der Schweiz gewachsen– man verzeichne 70 Prozent mehr Einkäufe von Pointspay-Shoppern.

8 Kommentare
    Michael Ernst

    Sehr sonderbar und einfallslos in der heutigen Zeit. Ich glaube die Firmen sind in der Vergangenheit stehen geblieben mit ihren Flugmeilen und dem verbundenen Anreiz zum Vielfliegen... wie wärs wenn microspot bike to work Punkte erfinden und belohnen würde? Oder Videokonferenz-Punkte für eingesparte Flüge?