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Polizeigewalt in SüdafrikaSchwarze werden erniedrigt und geschlagen

Heute ist die Polizei schwarz, doch sie verhält sich kaum anders als zu Apartheid-Zeiten. Auch die Opfer sind die gleichen: arme Schwarze.

Von Polizisten erschlagen, weil er in seinem Garten ein Bier trank: Collins Khosa.
Von Polizisten erschlagen, weil er in seinem Garten ein Bier trank: Collins Khosa.
Foto: Nardus Engelbrecht/AP

Collins Khosa ist so etwas wie der George Floyd Südafrikas, ein unschuldiges Opfer brutaler Gewalt der Sicherheitskräfte, Symbol einer Staatsmacht, der viel mehr Schwarze als Weisse zum Opfer fallen. Khosa trank am 10. April dieses Jahres im Hof seines Hauses in Johannesburg ein Bier, als Soldaten eindrangen, die den Auftrag hatten, den strengen Lockdown Südafrikas zu kontrollieren, der auch den Verkauf und öffentlichen Konsum von Alkohol verbot. Zu Hause dürfe man aber trinken, so soll es Khosa den Soldaten gesagt haben. Die schütteten ihm das Bier über den Kopf und schlugen ihn mit den Kolben ihrer Maschinengewehre, wenig später war Khosa tot.

Der harte Lockdown des Landes sollte nach dem Wunsch von Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa «Leben retten». Mindestens elf Menschen sollen aber durch die Gewalt von Armee und Polizei gestorben sein. In den sozialen Netzwerken kann man die Bilder sehen, auf denen Schwarze gezwungen werden, Liegestütze zu machen, oder mit der Lederpeitsche geschlagen werden.

Lieber gegen Gewalt in den USA demonstrieren

Es sind Bilder, von denen man dachte, dass sie das Land aufrütteln, so wie die Bilder vom Tod George Floyds Amerika veränderten. Es passierte aber nichts. «Die allgemeine Reaktion auf den Tod von Collins Khosa ist eine nationale Schande», kommentierte der «Daily Maverick». Dieser Tage wird zwar vor den diplomatischen Vertretungen der USA in Südafrika demonstriert, nicht aber vor den Polizeistationen des Landes. Womöglich auch, weil es einfacher ist, gegen das Unrecht in den USA zu protestieren, wo es schwarze Opfer gibt und weisse Täter.

In Südafrika gehört es zur bitteren Wahrheit, dass Polizei und Armee ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid zum allergrössten Teil aus Schwarzen und Coloureds bestehen, sich aber am brutalen Vorgehen oft wenig geändert hat. Zwar wurde der South African Police das Wort Service hinzugefügt, für viele vor allem ärmere Südafrikaner ist die Polizei aber weiterhin eher Feind als Freund und Helfer.

Endlich können sie hart durchgreifen in den Townships und Armensiedlungen.

Seit vor acht Jahren eine Beschwerdestelle für Polizeigewalt und Amtsmissbrauch eingerichtet wurde, sind dort 40000 Beschwerden eingegangen. Viele Bürger glauben aber nicht, dass solche Eingaben etwas bringen. Der Untersuchungsbericht zum Tod von Collins Khosa sprach alle Beteiligten frei; dabei wurde nie mit seiner Frau gesprochen, die den Tod ihres Mannes mitansehen musste. Ähnlich geht es vielen anderen Hinterbliebenen.

Manche glauben deshalb, dass viele Verantwortliche bei der Polizei ganz froh sind über Corona, weil sie jetzt tun können, was sie schon lange tun wollen: hart durchgreifen in den Townships und Armensiedlungen, in die sich die Polizei oft nur noch in militärischer Formation hineintraute. Nun patrouilliert dort auch wieder die Armee, in fast drei Monaten hat die Polizei etwa 240000 Menschen festgenommen, die gegen die Regeln des Lockdown verstossen haben sollen. Überhaupt keine Verhaftungen gab es dagegen bei reichen Funktionären der Regierungspartei ANC, deren Korruption seit Jahren belegt ist. Sie haben eine Polizei geschaffen, die den Status quo bewahrt und vor allem die verhaftet, die arm sind und meistens schwarz.

8 Kommentare
    Mani Bodmer

    "Auch die Opfer sind die gleichen: arme Schwarze."

    Vielleicht sind es eben keine Opfer, sondern Verbrecher.

    Wie kommt man auf die Idee, dass alle Schwarzen gut seien und zu unrecht verhaftet werden? Sollen sich die Polizisten ohne Gegenwehr ermorden, zusammenschlagen und verletzen lassen?