«Das Einklemmschutz-System hat versagt»

Philippe Thürler von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle sagt, der SBB-Zugbegleiter sei wegen eines Defektes eingeklemmt und mitgeschleift worden.

«Angehalten hat der Zug, nachdem der Lokführer von der Betriebsleitstelle informiert wurde», sagt Philippe Thürler.

«Angehalten hat der Zug, nachdem der Lokführer von der Betriebsleitstelle informiert wurde», sagt Philippe Thürler.

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Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle wurde in der Nacht auf Sonntag über den tödlichen Unfall eines 54-jährigen Zugbegleiters informiert. Der stellvertretende Leiter Bahnen und Schiffe nimmt in einem Interview Stellung.

Herr Thürler, warum kam es kurz nach Mitternacht in Baden zu dem tödlichen Unfall eines SBB-Zugbegleiters?
Es gab ein Problem am fünftletzten Wagen. Das Einklemmschutzsystem hat versagt. Die Schliesskraft wurde nicht deaktiviert, als die Türflügel auf den Zugbegleiter trafen. Das konnten wir bei Kontrolle des Zuges am Sonntagmorgen feststellen.

Welcher Fahrzeugtyp ist betroffen?
Es handelt sich um einen Pendelzug mit der Lokomotive Re 460, 9 Mittelwagen und ein Steuerwagen Typ EW IV. Die Wagen sind älter. Sie stammen aber aus den Jahren 1985 bis 1990. Die Komposition verfügt über kein System, das die Abfahrt verhindert, wenn die Türe nicht geschlossen ist. Alle neuen Fahrzeuge verfügen über eine solche Traktionssperre.


Video: SBB-Chef äussert sich zum tödlichen Unfall

«Der Wagen war nur wenige Tage zuvor in der Revision»: SBB-Chef Andreas Meyer äussert sich zum tragischen Arbeitsunfall. (Video: SDA)


Hätte der Lokführer seinen eingeklemmten Kollegen sehen müssen, bevor er losgefahren ist?
Nein, der Lokführer konnte ihn nicht sehen. Der Zug ist mit zehn Wagen 250 Meter lang. Der Lokführer bekommt ein SMS vom Zugchef, dass man bereit zur Abfahrt sei. Wenn die Türlampe im Führerstand erlischt, bedeutet das, dass alle Türen geschlossen sind. Dann kann er losfahren.

Wie weit ist der Zug gefahren?
Ich kann nur bestätigen, dass der Zugbegleiter mitgeschleift wurde. Angehalten hat der Zug, nachdem der Lokführer von der Betriebsleitstelle informiert wurde.

Gab es in der Vergangenheit Unfälle, bei denen Personen eingeklemmt wurden?
Ja, zwischen 2008 und 2011, allerdings gab es damals noch keine Kontrolllampe im Führerstand, die dem Lokführer zeigt, ob alle Türen geschlossen sind. Die Fälle kann man darum nicht vergleichen.

Wann wird Ihr Bericht vorliegen?
Das ist noch offen. Wir müssen jetzt klären, wie und warum das Einklemmschutzsystem ausgefallen ist. Sollten wir Mängel feststellen, können wir dem Bundesamt für Verkehr eine Sicherheitsempfehlung abgeben.

Könnten auch Passagiere eingeklemmt werden?
Theoretisch. Das Risiko ist aber viel kleiner für Passagiere. Der Zugchef schliesst die Türen und beobachtet, ob alle Türen zugehen. Danach schliesst er seine Tür, die während der Schliessung offen bleibt.

(step)

Erstellt: 08.08.2019, 11:47 Uhr

Philippe Thürler

Philippe Thürler ist stellvertretender Leiter Bahnen und Schiffe bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust).

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