5G-Angst: Der Widerstand nimmt zu

Die neue Mobile-Technik verunsichert die Menschen. Nach der Waadt gibt es nun auch in Genf Gegenwehr.

Botschaft an Parlamentarier während der Frühlingssession in Bern: Aktivisten warnten vor einem Ausbau des Mobilfunknetzes auf den 5G Standard.

Botschaft an Parlamentarier während der Frühlingssession in Bern: Aktivisten warnten vor einem Ausbau des Mobilfunknetzes auf den 5G Standard. Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE /Keystone

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Das Genfer Kantonsparlament hat am Mittwochabend eine Motion für ein Moratorium von 5G-Antennen auf Kantonsgebiet überwiesen. Die Motion verlangt vor Aufhebung des Moratoriums unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse über etwaige Gesundheitsschäden.

Im Genfer Grossen Rat hiess es, vielfach würden die Mobilfunkbetreiber den Konsumenten erklären, 5G sei dasselbe wie 4G. Die Umwelt werde aber immer stärker von elektromagnetischen Wellen belastet und niemand wisse um die gesundheitlichen Auswirkungen. Auch will das Kantonsparlament Bescheid wissen über die Auswirkungen auf Tiere. Mit 58 zu 28 stimmen überwies der Rat die Motion an die Regierung, die sich nun an die Weltgesundheitsorganisation wenden soll, um unabhängige Studien zu verlangen.

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Im Kanton Waadt will der Staatsrat ein Moratorium für die Installation von 5G-Antennen prüfen. Das hatte die Regierung Anfang Woche im Zusammenhang mit der Antwort auf eine entsprechende Resolution des Grossrats Raphaël Mahaim (Grüne) beschlossen. Nach einer langen Debatte hiess der Grossrat die Resolution schliesslich mit 95 Stimmen zu 9 bei 25 Enthaltungen gut.

Bericht des Bundes

Bis Mitte 2019 soll eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Bafu einen Bericht mit Empfehlungen zum Bereich Mobilfunk und Strahlung verfassen. Den Einsatz der Arbeitsgruppe hatte noch die ehemalige Bundesrätin Doris Leuthard im vergangenen Herbst veranlasst.

Mit der Vergabe der 5G-Frequenzen Anfang Februar ist die Diskussion um die gesundheitlichen Gefahren von Handystrahlungen in der Schweiz neu lanciert worden.

Swisscom will bis Ende Jahr 90 Prozent der Schweiz mit 5G abdecken

Die Swisscom gibt Gas beim Ausbau von 5G: Der grösste Telekomkonzern will bis Ende Jahr über 90 Prozent der Schweiz mit der neuen Mobilfunkgeneration abdecken.

«Sobald wir die Konzession für die neuen Mobilfunkfrequenzen erhalten haben, werden wir die Netze freischalten», sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Mittwoch vor den Medien in Zürich. Beim Start lege man an 100 Standorten in über 50 Städten und Gemeinden los, fügte Technikchef Christoph Aeschlimann hinzu.

Darunter seien Grossstädte wie Zürich, Bern, Basel oder Genf, aber auch Agglommerationsgemeinden und Dörfer sowie Tourismusorte. Die Anzahl steige wöchentlich. Bis Ende Jahr will die Swisscom über 90 Prozent der Bevölkerung mit 5G abdecken. Das sei fast so viel wie mit der aktuellen Mobilfunktechnik 4G, die derzeit etwa 99 Prozent erreicht.

Mehr Tempo

Gegenüber dieser bietet 5G mehr Geschwindigkeit beim Surfen im Internet. Während das Maximaltempo von 4G bei 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) liegt, schafft die neue Technologie etwa doppelt so viel. Man habe mit einem handelsüblichen Smartphone in einem standardisierten Netz - also nicht unter Laborbedingungen - 1,86 Gbit/s erreicht, sagte Swisscom-Produktchef Dirk Wierzbitzki: Das sei Weltrekord.

Dafür muss man allerdings die ganze Antenne für sich alleine haben. Bei Speedtests vor Ort, wo mehrere Geräte auf die 5G-Antenne zugriffen, schwankte das Tempo zwischen 1,1 und 1,5 Gbit/s.

Ein weiterer Vorteil von 5G ist die grössere Kapazität der Handyantennen, wodurch viel mehr Menschen als heute gleichzeitig auf das Netz zugreifen können. Dies ist insbesondere in Stosszeiten oder bei grossen Menschenmassen wie bei einem Fussballspiel wichtig.

Zudem sind mit 5G die Reaktionszeiten viel kürzer. Dies kommt etwa Gamern oder Unternehmen zugute. Diese können nun praktisch in Echtzeit ihre Steuerungsbefehle durchgeben. Nur mit 5G ist beispielsweise autonomes Fahren möglich. Denn mit der heutigen 4G-Technologie würden Bremsbefehle aus der Ferne viel zu langsam ausgeführt und das Auto schon längstens in ein Hindernis geknallt.

Während 4G eine Reaktionszeit von 25 bis 35 Millisekunden habe, seien es bei 5G nur noch wenige Millisekunden, hiess es. Auch für die Vernetzung von Industrierobotern ist 5G von Vorteil, was ganz neue Fertigungsprozesse ermöglicht.

Weniger Nutzer auf 4G

Ein weiterer Vorteil sei, dass 5G die bisherige Technologie entlaste, sagte Wierzbitzki. 5G sei die neue Datenautobahn. Damit würden auf dem bisherigen Spuren weniger Nutzer verkehren, wodurch mehr Platz sei.

Wann genau das 5G-Netz gestartet wird, ist noch nicht klar. «Die definitiven Konzessionen werden voraussichtlich in den nächsten Wochen durch die Eidg. Kommunikationskommission (Comcom) erteilt», erklärte ein Sprecher des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Es gebe keine Verzögerungen. «Die definitiven Konzessionen wurden den Mobilfunkbetreibern zum rechtlichen Gehör zugestellt. Die Eidgenössische Kommunikationskommission prüft zurzeit die Stellungnahmen und wird anschliessend die definitiven Konzessionen erteilen», erklärte der Bakom-Sprecher. Die Mobilfunkauktion hatte im Februar stattgefunden. Sunrise, Salt und Swisscom zahlen für die neuen Frequenzen 380 Millionen Franken.

Ab Mai erste 5G-Smartphones

Auf jeden Fall seien die ersten 5G-Smartphones ab Mai in den Swisscom-Shops erhältlich, sagte Wierzbitzki. Den Anfang macht das neue Smartphone des hierzulande praktisch unbekannten chinesischen Herstellers Oppo, das Premiere feiert. Die Marke zähle aber bereits jetzt zu den Top-5-Smartphone-Herstellern der Welt, sagte Wierzbitzki weiter. In China habe Oppo schon einen Marktanteil von 20 Prozent.

Ebenfalls noch im Mai komme ein 5G-Handy des koreanischen Herstellers LG in die Läden. Ab Juli folge der Kassenschlager Galaxy S10 von Samsung. Und im Herbst solle dann das Huawei Mate X folgen, das am Weltmobilfunkkongress von Barcelona mit einem faltbaren Bildschirm Schlagzeilen machte. Damit sollen bis Herbst vier 5G-Handys erhältlich sein. Das Angebot werde laufend erweitert, hiess es.

Letzte Woche hatte Sunrise ihr 5G-Netz an 150 Orten in der Schweiz aufgrund einer Testkonzession in Betrieb genommen. Die Abdeckung dort liege bei 80 bis 98 Prozent der Bevölkerung, hatte die Nummer zwei im Mobilfunk bekannt gegeben. (step/sda)

Erstellt: 10.04.2019, 21:30 Uhr

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