Als Ku-Klux-Klan-Gruppe verkleidet zur Schwyzer Fasnacht

Mit Kapuzengewändern und Fackeln waren Personen am Güdelmontag in Schwyz unterwegs. Die Polizei nimmt Ermittlungen auf.

Fasnacht missbraucht: Ein Mann versucht, die Gruppe zu stoppen. (5. März 2019)

Fasnacht missbraucht: Ein Mann versucht, die Gruppe zu stoppen. (5. März 2019) Bild: Leserreporter 20 Minuten

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Am Montag feierten die Fasnächtler in Schwyz den Güdelmontag – eigentlich ein fröhlicher Anlass für die meisten Besucher der Fasnacht. Vor Ort war auch ein Leserreporter aus Brunnen SZ. Als er auf dem Hauptplatz auf eine als Ku-Klux-Klan verkleidete Gruppe stiess, war er geschockt: «Das geht definitiv zu weit», sagt der 23-Jährige zu «20 Minuten».

An der Fasnacht dürfe man ja vieles, «aber irgendwo gibt es auch Grenzen», so der junge Mann. Dies fand laut ihm auch jener Mann im karierten Hemd, der auf einigen Bildern zu sehen ist. Dieser soll die Gruppe gebeten haben, den Platz zu verlassen. Ihr Auftritt gehe zu weit, habe er gesagt.

Die Polizei hat nun gemäss der Agentur SDA-Keystone Ermittlungen aufgenommen. Man habe bereits erste Informationen über den Aufmarsch gehabt, der vom Güdelmontag auf den Dienstag stattgefunden habe, sagte ein Sprecher der Schwyzer Kantonspolizei auf Anfrage. Nach dem Auftauchen von Bild- und Videomaterial in den Medien am Mittwoch werde die Polizei den Vorfall nun sauber abklären. Weitere Angaben machte die Polizei nicht.

In Tennessee gegründet

Der rassistische Ku-Klux-Klan wurde in seiner ursprünglichen Form 1865 im US-Bundesstaat Tennessee gegründet. Mit Morden an Afroamerikanern und Attentaten auf Politiker kämpfte der Geheimbund gegen die Abschaffung der Sklaverei. Bei nächtlichen Überfällen trugen Mitglieder weisse Kutten mit Kapuzen und verbreiteten mit brennenden Kreuzen Angst und Schrecken. Seit den 1990er Jahren greift der Klan gezielt schwarze Kirchengemeinden an.

Nach Schätzungen zählt der Ku-Klux-Klan in den USA heute bis zu 8000 Mitglieder in mehreren unabhängigen Gruppen, die unter seinem Namen auftreten. Sie knüpften Kontakte zu Rechtsextremisten im Ausland. Die «Europäischen weissen Ritter vom brennenden Kreuz» (European White Knights of the Burning Cross) gelten als Ableger.

«Einfalls- und geschmacklos»

Die Mitglieder der Schwyzer Gruppe tragen «eine ziemlich getreu nachgemachte Kleidung respektive Tracht des amerikanischen Ku-Klux-Klans», sagt Rechtsanwalt und Rassismusexperte Daniel Kettiger im Gespräch mit «20 Minuten». Der Ku-Klux-Klan sei das Paradebeispiel einer Trägerorganisation des weissen Rassismus gegen Schwarze. «Es handelt sich dabei um einen radikalen und militanten, bisweilen auch tätlichen Rassismus gegen Schwarze.»

Ein Auftritt des Ku-Klux-Klans stelle üblicherweise ein Statement für Rassismus gegen Schwarze dar. Kettiger ist der Meinung, «dass ein solcher Auftritt generell, aber gerade auch an der Fasnacht sehr einfalls- und geschmacklos ist».

Die Antirassismus-Strafnorm sei allerdings eine sehr schwierige, in verschiedene Teil-Tatbestände gegliederte Strafbestimmung. Strafbar machen könnten sich die Mitglieder der Gruppe laut Kettiger wohl nur wegen Rassendiskriminierung.

Haben sich die Personen strafbar gemacht?

«Der Tatbestand der gegen die Menschenwürde verstossenden Herabsetzung fällt wohl bei einem allgemeinen Auftritt einer Ku-Klux-Klan-Gruppe weg, weil es trotz des klar gegen Schwarze gerichteten Rassismus des Ku-Klux-Klans an der vom Gesetzgeber geforderten Ausrichtung des Auftritts gegen eine bestimmte Ethnie beziehungsweise Rasse fehlt», so Kettiger.

«Angesichts der Tatsache, dass die Aktion im Rahmen der Fasnacht stattfand und an der Fasnacht von einer bestimmten, wohl relativ hohen Narrenfreiheit ausgegangen werden darf, die wohl mindestens so gross ist wie die Freiheit der Satire, fällt wohl die Strafbarkeit der Aktion ganz dahin», sagt der Rechtsexperte.

Anders wäre dies, wenn die Gruppe etwa vor einer Asylunterkunft aufmarschieren würde, in der sich vorwiegend schwarzafrikanische Flüchtlinge befinden. «Dies wäre als Verstoss gegen die Antirassismus-Strafnorm zu betrachten und damit strafbar.» (fal/sda)

Erstellt: 06.03.2019, 10:35 Uhr

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