Billag-Nachfolgerin klagt über «sehr grossen Mehraufwand»

Die Firma Serafe kommt mit dem Schwall an Reklamationen nicht zurecht.

Seit 2019 ist Serafe für die Radio- und Fernsehgebühren in der Schweiz zuständig. (Archiv)

Seit 2019 ist Serafe für die Radio- und Fernsehgebühren in der Schweiz zuständig. (Archiv) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Billag-Nachfolgerin Serafe hat im Streit um Probleme rund um die Radio- und TV-Abgabe Kantone und Gemeinden kritisiert. Diese müssten ihre mangelhaften Register in Ordnung bringen, sagte ein Serafe-Sprecher der «Zentralschweiz am Sonntag» und der «Ostschweiz am Sonntag».

Serafe müsse «Tausende von Reklamationen» von Kunden entgegennehmen, die fehlerhafte Rechnungen erhalten hätten wegen «Unschärfen bei der Fakturierung», die aus den von den Gemeinden und Kantonen gelieferten Daten resultiert hätten. Trotz eineinhalb Jahren Vorbereitung sei dies nicht vorhersehbar gewesen.

Im Januar waren 3,6 Millionen Rechnungen für die Radio- und Fernsehempfangsgebühren erstmals durch die neue Erhebungsstelle verschickt worden. Der Versand mancher Rechnungen an falsche Adressen führte massenhaft zu Reklamationen, weil auf den Rechnungen stand, bei Problemen solle man sich bei der Einwohnerkontrolle melden. Laut der «Aargauer Zeitung» gingen allein im Zürcher Bevölkerungsamt 3000 Anrufe diesbezüglich ein.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) reagierte und verfügte zur Entlastung der Behörden, dass nur noch Serafe und nicht mehr die Einwohnerkontrollen als Auskunftsstelle dienen soll.

«Sehr grosser Mehraufwand»

Darüber zeigt sich Serafe nun verärgert. Mediensprecher Erich Heynen spricht gegenüber der «AZ» von einem sehr grossen «Mehraufwand», der jetzt bewältigt werden müsse. Nicht nur müsse man sich nun um «Tausende von Reklamationen» kümmern, sondern bekomme auch noch Informationen, die sie gar nichts angingen. So melden ihnen viele Leute beispielsweise unnötigerweise ihren Umzug. Mit einem solchen Mehraufwand habe man schlicht nicht gerechnet.

Die SP-Nationalrätin Ursula Schneider verurteilt dies. Vom Bundesrat will sie wissen, ob es zutreffe, dass die Serafe vor dem ersten Grossversand weder einen Testlauf noch eine Simulation durchgeführt hat. Es gehe schliesslich nicht, dass die Gemeinden eine Arbeit übernehmen müssen, für welche der Bund eine Firma bezahlt.

«Das wird zu unschönen Situationen führen»

Es sei offensichtlich, dass der Serafe die nötige Erfahrung fehle. Die Vize-Stadtpräsidentin von Murten geht aber noch weiter: «Der Bundesrat könnte zum Beispiel prüfen, vorzeitig aus dem Vertrag auszusteigen.»

Mit diesem Vorschlag wird sich der Bundesrat am Montag während der Fragestunde des Nationalrats auseinandersetzen. Die Rechnungen der Serafe dürften aber noch eine Weile länger fehlerhaft verschickt werden. Der Firma ist es nämlich nicht erlaubt, falsche Adressen selbst anzupassen. «Das wird zu unschönen Situationen führen», so Heynen. Eine Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Serafe und Bakom ist also nach wie vor unumgänglich. Ein entsprechendes Treffen zwischen den Parteien konnte aus Termingründen aber erst auf Anfang April angesetzt werden.

Übernommen von 20 Minuten/Mit Material der SDA.

Erstellt: 17.03.2019, 09:31 Uhr

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