Bund stoppt Berner Cannabis-Versuch

Die Uni Bern kann ihre geplante Studie zum legalen Verkauf von Cannabis nicht durchführen, obwohl das Bundesamt für Gesundheit grundsätzlich dafür wäre.

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Die Universität Bern darf keine wissenschaftliche Studie zum legalen Verkauf von Cannabis durchführen. Das Projekt, an dem auch andere Schweizer Städte Interesse haben, könne aufgrund der aktuellen Gesetzgebung nicht bewilligt werden, kommt das Bundesamt für Gesundheit zum Schluss.

Zwar kann der Bund für wissenschaftliche Projekte durchaus eine Ausnahme machen, nicht aber, wenn es um Cannabiskonsum zu Genusszwecken geht, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Mitteilung schreibt.

Umweg über Gesetzesänderung

Allerdings schlägt das BAG die Türe nicht ganz zu. Um solche Studien durchführen zu können, müsste das Betäubungsmittelgesetz um einen «Experimentierartikel» ergänzt werden. Damit könnte das Verbot von Cannabis zu Genusszwecken während einer bestimmten Zeit und beschränkt auf gewisse Orte und Adressatenkreise für wissenschaftliche Studien ausser Kraft gesetzt werden.

Mehr noch: das BAG anerkennt in seiner Mitteilung das gesundheitspolitische Anliegen, mit solchen Studien neue Formen des gesellschaftlichen Umgangs mit Cannabis zu erforschen. Es wäre denn auch «grundsätzlich zu begrüssen», neue Regulierungsmodelle wissenschaftlich auszuwerten.

Städte interessiert

Zwei- bis dreihunderttausend Menschen greifen in der Schweiz regelmässig zum Joint. Mehrere Städte befassen sich deshalb mit der Frage, wie sie künftig mit gewohnheitsmässigen Kiffern umgehen wollen.

Die Stadt Bern beauftragte vergangenes Jahr die örtliche Universität mit einer wissenschaftlichen Studie. In Apotheken sollten tausend bereits Cannabis konsumierende Personen die Droge legal erwerben können.

Mehrere Städte, darunter auch Zürich, Genf und Basel signalisierten Interesse an einem Pilotprojekt für den regulierten Zugang. Bern stand in Absprache mit den anderen Städten. Biel und Luzern wollten sich am Berner Projekt beteiligen.

Berset und Apotheken für den Versuch

In der Stadt Bern fanden sich über ein Dutzend Apotheken, die Interesse an dem Versuch signalisierten. Die kantonalbernische Ethikkommission stimmte dem Berner Cannabis-Versuch zu. Der Schweizerische Nationalfonds stellte Mittel im Umfang von 720'000 Franken in Aussicht. Selbst Bundesrat Alain Berset zeigte sich im April 2016 offen für die Cannabis-Versuche in mehreren Schweizer Städten.

Im vergangenen Frühjahr stellten das Institut für Sozial- und Präventivmedizin und das klinische Studienzentrum der Universität Bern beim Bund schliesslich ein Gesuch für die wissenschaftliche Studie. Weitere Gesuche liegen dem BAG nach eigenen Angaben derzeit nicht vor.

Die Universität Bern kann gegen den ablehnenden Entscheid des BAG innert 30 Tagen Beschwerde einreichen. Seit etwas mehr als einem Jahr erleben THC-arme Cannabisprodukte einen Boom. Das legale «Gras» weist einen hohen CBD-Gehalt und einen tiefen THC-Wert auf. (rub/sda)

Erstellt: 14.11.2017, 11:31 Uhr

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