Der Mann neben Keller-Sutter

Die FDP hat einen Kandidaten, der gegen Karin Keller-Sutter antritt: Hans Wicki, ein Nidwaldner. Wie Winkelried.

Setzt sich für die Zentralschweiz ein: Der Nidwaldner Hans Wicki will in den Bundesrat. (Video: SDA)

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Hans Wicki machts. Der FDP-Ständerat aus Nidwalden gab im Oktober bekannt, dass er für den Bundesrat kandidieren will. Jetzt ist er offiziell nominiert. Damit macht er vor allem auch seiner Partei eine Freude. Fast sah es so aus, als könne die FDP keine glaubwürdige zweite Kandidatur für die Nachfolge des abtretenden Johann Schneider-Ammann präsentieren. Zu übermächtig ist die haushohe Favoritin, die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Wer will schon gegen sie antreten, die Strapazen einer Bundesratskandidatur auf sich nehmen, nur um dann fast sicher zu verlieren?

Hans Wicki schreckt das nicht ab. Er tritt an, obwohl er erst seit 2015 im Ständerat sitzt und dort bisher nicht gross aufgefallen ist. Seine Chancen, im Dezember anstelle von «KKS» gewählt zu werden, sind aus heutiger Sicht sehr klein. Das sehen auch Parlamentarierkollegen so, die Wicki schätzen und seine engagierte, ruhige Art sowie seine Kompetenz rühmen. Die Liste seiner Handicaps im Vergleich mit Keller-Sutter ist lang: Er hat weniger Erfahrung in der Bundespolitik, ist in Bern weniger gut vernetzt und im Land weniger bekannt. Und er ist ein Mann.

Kandidatur ist «ernst gemeint»

Die Frage drängt sich auf: Ist er ein Alibikandidat? Hans Wicki hat diese Frage erwartet, zögert dann aber bei seinem Auftritt vor den Medien trotzdem ganz kurz. «Nein», sagt er schliesslich. «Meine Kandidatur ist ernst gemeint.» Am Anfang jedes Erfolgs stehe ein Risiko. Und er habe schon mehrfach bewiesen, dass er in der Lage sei, verschiedenste Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

In der Tat. Sein «Erfahrungsrucksack», den er in seinen Statements immer wieder erwähnt, ist prall und vielfältig gefüllt. Hans Wicki – 54 Jahre alt, zwei Kinder, Ökonom, Hauptmann – hat in Politik und Wirtschaft viel erreicht. Er war Gemeinderat von Hergiswil, wo er heute noch lebt, später Gemeindepräsident, bis er 2010 in die Kantonsregierung gewählt wurde, wo er als Baudirektor fungierte. Die notwendige Exekutiverfahrung bringt Wicki somit gleich zweifach mit.

2015 wählten ihn die Nidwaldner in den Ständerat, worauf er die Regierung nach relativ kurzer Amtsdauer wieder verliess. Grosse Führungserfahrung hat er in der Privatwirtschaft gesammelt, insbesondere im deutsch-schweizerischen Familienkonzern Pfisterer, der in der Elektrotechnik tätig ist. Wicki leitete mehrere Gesellschaften des Konzerns in der Schweiz und in Südafrika mit rund 550 Mitarbeitenden. Und er ist selbstbewusst genug, um kühl zu konstatieren, sein «Erfahrungsrucksack» passe perfekt zum komplexen Jobprofil eines Bundesrats.

Nachholbedarf in Französisch

Wickis Auftritt vor den Journalisten ist durchaus souverän und gewandt, wobei er sich aber fast durchwegs an den vorbereiteten Text hält und seine Argumente vielfach variiert. Nur einmal gerät er kurz aus dem Tritt, als ein Westschweizer Journalist sein Französisch testet. Wicki versucht, auf Französisch zu antworten, stockt aber schon nach wenigen Worten, wechselt auf Deutsch, versucht es noch einmal, scheitert wieder und bleibt dann bei der Muttersprache.

Aus der Ruhe bringen lässt er sich nicht. Englisch liege ihm besser, und Französisch könne man ja lernen, erklärt er. Trotzdem: ein weiterer Makel im Vergleich zu Keller-Sutter, die als ausgebildete Dolmetscherin vielsprachig überzeugt.

Inhaltlich lässt sich Hans Wicki wenig entlocken. Welche Vision würde er als Bundesrat verfolgen? Das will er erst sagen, wenn er offiziell nominiert wird. Wie beurteilt er Keller-Sutter? Eine «ausgewiesene Kandidatin» sei sie, eine «geschätzte Kollegin», die das notwendige Rüstzeug mitbringe wie er selbst auch. Ist er ein Ladykiller, weil er gegen sie antritt? Nein, es sei am Parlament, die berechtigten Anliegen der verschiedensten «Anspruchsgruppen» zu gewichten.

Ein SVP-Mann legt sich für ihn ins Zeug

Dass auch Hans Wicki eine spezielle Anspruchsgruppe vertritt wird dadurch deutlich, dass – erstaunlich genug – ein Vertreter einer anderen Partei an seiner Medienkonferenz dabei ist und Fragen beantwortet: Der Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller wirft sich vor diversen Kameras für Wicki ins Zeug. Oder besser: für ihre gemeinsame Region, die Zentralschweiz.

Diese fühlt sich von Bern traditionell vernachlässigt, nicht zuletzt, weil sie seit Gründung des Bundesstaats 1848 gerade mal acht Bundesräte stellen durfte, wobei der letzte, Kaspar Villiger, auch schon 2003 abgetreten ist.

Die «Urschweiz» hatte sogar nur einen einzigen Bundesrat (den Obwaldner Ludwig von Moos, 1959–1971). Wicki will der erste Nidwaldner Bundesrat werden. Oder wenigstens einem anderen Zentralschweizer den Weg bahnen. Fast so wie sein legendärer Landsmann Arnold Winkelried, dessen Denkmal wenige Meter neben dem Stanser Rathaus steht, in dem Hans Wicki seine Wahlkampagne lanciert hat.

Dieser Artikel wurde erstmals am 17. Oktober 2018 zur Bekanntgabe der Kandidatur von Hans Wicki publiziert.

Erstellt: 17.10.2018, 15:16 Uhr

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