Der Vorzeige-Oligarch mit dem grossen Geheimnis

Ruben Vardanyan, Hauptbesitzer und Chef der ehemaligen Troika-Bank, ist im Westen bestens vernetzt. Im Geldwäschesystem «Laundromat» nimmt er eine zentrale Rolle ein.

Zeigte sich als sympathischer Oligarch: Ruben Vardanyan (rechts) mit George und Amal Clooney bei einem Anlass zum Gedenken an die Opfer des Völkermords an Armeniern in New York. (10. März 2015)

Zeigte sich als sympathischer Oligarch: Ruben Vardanyan (rechts) mit George und Amal Clooney bei einem Anlass zum Gedenken an die Opfer des Völkermords an Armeniern in New York. (10. März 2015) Bild: Mike Coppola/Getty Images

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Der 50-jährige Ruben Vardanyan verkörperte das Bild eines Oligarchen, mit dem man auch im Westen mit gutem Gewissen zusammenarbeiten kann. Fleissig, aufrichtig und gemeinnützig aktiv. 2016 zeigte sich Hollywoodstar George Clooney an der Gala zur Verleihung des Aurora-Preises, den Vardanyan im Gedenken an den armenischen Völkermord begründete. Zwei Jahre zuvor spannte Vardanyan gar mit Prinz Charles zusammen, um ein schottisches Herrenhaus zu restaurieren. Und auch am WEF in Davos ist der gebürtige Armenier Vardanyan regelmässig präsent.

Aber auch der sympathischste Oligarch hat eine verborgene Seite. Vardanyans grösstes Geheimnis ist wohl seine Rolle im «Troika-Laundromat», dem riesigen Konstrukt, das eine Abteilung seiner Bank aufgebaut hat, um im Geheimen Milliarden in den Westen zu schaffen. Vardanyan nutzte es sogar selbst für persönliche Ausgaben. Für einen Familienaufenthalt im St. Moritzer Luxushotel Suvretta House etwa flossen 25’000 Dollar aus dem Laundromat. Dem WEF in Davos bezahlte eine der Laundromat-Firmen fast 20’000 Dollar vor einem Auftritt Vardanyans im Jahr 2011.

Grosse Nähe zur Macht

Gegen aussen gibt sich Vardanyan betont apolitisch. Dabei gibt es viele Hinweise darauf, dass er dem engsten Machtzirkel in Moskau nahesteht. Präsident Wladimir Putin persönlich legte 2006 den Grundstein für Vardanyans Managementschule Skolkowo in Moskau. Über das Lobbying-Vehikel Gorchakov-Fonds ist Vardanyan mit dem russischen Aussenministerium verbunden. Und auch in der Schweiz hat er eine politische Rolle übernommen: Er sitzt im Stiftungsrat der in Genf eingetragenen Stiftung «Dialogue of Civilization».

Deren Gründer, Wladimir Jakunin, ist ein ehemaliger russischer Eisenbahnminister, der wegen seiner Nähe zu Putin auf der Sanktionsliste der USA steht. Jakunins Ideologie spiegelt die von Putins Russland: Bewunderung für das autoritäre chinesische Modell, Verurteilung eines globalen Liberalismus, Förderung der orthodoxen Religion.

Vardanyan bestreitet Vorwürfe

2014 leitete Jakunin in Moskau eine Anti-Abtreibungskonferenz, an der auch Vertreter des französischen Front National und der österreichischen FPÖ teilnahmen. Im selben Jahr sprach Jakunin in Berlin auf einer prorussischen Konferenz. Die Konferenz zeichnete ein Bild Russlands als Dreh- und Angelpunkt eines eurasischen Raums von Lissabon bis Wladiwostok, um dem schädlichen Einfluss der USA zu begegnen.

Wie ein solches Gedankengut zu einem liberalen Geschäftsmann wie Ruben Vardanyan passen soll, ist schwer nachvollziehbar. Klar ist nur, dass er die Stiftung auch mitfinanziert: «Herr Vardanyan war einer der ersten Spender der Dialogue-of-Civilizations-Stiftung», erklärt eine Stiftungssprecherin.

Letzte Woche konfrontierten Journalisten aus dem OCCRP-Kollektiv Vardanyan mit den Recherchen zum Troika-Laundromat. Vardanyan sagt, er habe nichts davon gewusst, dass seine damalige Bank mitgeholfen habe, auch mutmasslich schmutziges Geld in den Westen zu bringen. «Wir handelten immer nach den Regeln des globalen Finanzmarkts.» Die Kundengelder seien von der Ukio-Bank akzeptiert worden, und ihre Herkunft hätten keine Zweifel aufkommen lassen. Er selbst habe nie direkte Kontrolle über Transaktionen gehabt und stets an seinen Prinzipien festgehalten: nicht mit Kriminellen zu arbeiten oder nicht an unlauteren Privatisierungen teilzunehmen. «Deshalb bin ich auch in den 90er-Jahren ohne Schutz auf die Strasse gegangen.»

Erstellt: 04.03.2019, 18:23 Uhr

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