Die Chancen für eine Abschaffung des Eigenmietwerts sind gestiegen

Nein, Nein, Nein und nochmals Nein: Wer sich gegen die Steuerreform beim Wohneigentum stellt und warum sie trotzdem umgesetzt werden könnte.

Abschaffung des Eigenmietwerts: Die meisten Hausbesitzer würden dank der aktuell tiefen Zinsen profitieren. Foto: Christian Beutler, Keystone

Abschaffung des Eigenmietwerts: Die meisten Hausbesitzer würden dank der aktuell tiefen Zinsen profitieren. Foto: Christian Beutler, Keystone Bild: Keystone

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Die kantonalen Finanzdirektoren haben es getan, ebenso der Mieterverband und der Verband der Schweizer Gebäudetechniker oder der Dachverband der Wirtschaft für erneuerbare Energien: Sie alle lehnen die Abschaffung des Eigenmietwerts ab. Dies geht aus ihren Antworten in der Vernehmlassung zur Steuerreform hervor, die am Freitag zu Ende gegangen ist. Beim Eigenmietwert handelt es sich um ein fiktives Einkommen, das Eigenheimbesitzer versteuern müssen.

Interessant an diesen vier Antworten ist: Das Nein erfolgt aus ganz unterschiedlichen Gründen. Der Mieterverband sagt Nein, weil die Reform zu einer «massiven Schlechterstellung» der Mieter im Vergleich mit den Hausbesitzern führe.

Die Finanzdirektoren befürchten zu grosse Steuerausfälle, obwohl im Gegenzug für die Abschaffung des Eigenmietwerts die Steuerabzüge für Unterhalt, Schuldzinsen oder Energiesanierung ganz oder teilweise abgeschafft werden sollen.

Die Gebäudetechniker wiederum kritisieren genau die geplante Abschaffung der Steuerabzüge für Unterhaltsarbeiten. Und der Verband für erneuerbare Energien auch noch die Aufhebung der Abzüge für Energiespar- und Umweltinvestitionen.

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Es gibt also Kritik von vielen Seiten an der Reform, die die Wirtschaftskommission des Ständerats angestossen hat und die vom Hauseigentümerverband seit Jahren gefordert wird. Und trotzdem stehen ihre Chancen derzeit politisch nicht schlecht – zumindest im Parlament. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Mehrheit im Parlament: SVP, FDP, CVP, GLP und BDP unterstützen die Reformpläne der Kommission im Grundsatz. Diese fünf Parteien haben eine deutliche Mehrheit im Parlament und werden sie auch nach den Wahlen im Herbst noch haben. Bei der Frage, wie die Abschaffung des Eigenmietwerts kompensiert werden soll, gibt es zwar Differenzen zwischen den bürgerlichen Parteien, diese scheinen aber überwindbar: Nur die SVP spricht sich derzeit noch für eine Beibehaltung der Steuerabzüge für den Gebäudeunterhalt aus. Einzig die FDP ist für eine Aufhebung der Abzüge für Energiespar- und Umweltinvestitionen auf Bundesebene.
  • Gewerbe sagt Ja: Offen war bislang, wie der Gewerbeverband zur Abschaffung des Eigenmietwerts steht. Seit Freitag ist klar, der Verband unterstützt die Reform. Trotz der Bedenken in verschiedenen Branchen, die Ausgaben für den Unterhalt von Gebäuden könnten zurückgehen, wenn die Steuerabzüge dafür gestrichen werden. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat noch keine abschliessende Position zur Vorlage gefasst.
  • Banken halten sich zurück: Neben Branchen wie den Gebäudetechnikern gehören auch die Banken zu den potenziellen Verlierern einer Abschaffung des Eigenmietwerts. Im heutigen System lohnt sich ein hoher Fremdfinanzierungsanteil beim Eigenheimkauf. Es wird erwartet, dass nach der Abschaffung des Eigenmietwertes vor allem vermögende Immobilienbesitzer ihre Hypotheken schneller abbauen. Der Markt dürfte etwas schrumpfen. Die Bankiervereinigung bekämpft die Abschaffung derzeit trotzdem nicht. Sie verzichtet auf die Abgabe einer Empfehlung an die Politik. Der Status quo habe sich zwar bewährt, trotzdem könne sich die Abschaffung des Eigenmietwerts positiv auf die Finanzstabilität der Schweiz auswirken, teilt die Bankiervereinigung am Freitag mit.
  • Tiefe Zinsen: Die Zinsen für Hypotheken sind seit Jahren sehr tief. Die Folge: Anders als in den 1980er- und 1990er-Jahren ist der Eigenmietwert heute in der Regel höher als die Abzüge für Schuldzinsen und Unterhalt. Solange die Zinsen nicht deutlich ansteigen, würden die meisten Eigenheimbesitzer von einer Abschaffung des Eigenmietwerts profitieren. Der Handlungsdruck auf die Politik bleibt vorderhand also hoch.


Das sind die Eckwerte der Reform:
(gemäss dem Vorschlag der Kommission)

  • Eigenmietwert: Der Eigenmietwert für selbst bewohntes Wohneigentum soll komplett abgeschafft werden. Aber nur für Erst- und nicht für Zweitwohnungen.
  • Abzüge für Unterhalt: Als Kompensation für die Abschaffung des Eigenmietwerts sollen die Unterhaltskosten für das Eigenheim nicht mehr abgezogen werden können.
  • Abzüge Schuldzinsen: Beim künftigen Umgang mit den Schuldzinsen konnte sich die Kommission nicht auf eine Variante einigen. Die vorgeschlagenen Varianten reichen von einer kompletten Streichung der Abzüge für Schuldzinsen bis zu einer weitgehenden Beibehaltung.
  • Abzüge fürs Energiesparen: Auf Bundesebene sollen die Abzüge fürs Energiesparen und andere Umweltschutzmassnahmen abgeschafft werden. Die Kantone sollen diese Abzüge aber beibehalten können.
  • Ausnahme: Für Ersterwerber von Wohneigentum soll ein zeitlich begrenzter Steuerabzug geschaffen werden. Das soll den Erwerb von Wohneigentum erleichtern.


Mit Material der SDA.

Erstellt: 12.07.2019, 11:46 Uhr

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