Im Schweizer Untergrund herrscht das Chaos

Der Bund plant eine verlässliche Dokumentation über Leitungen im Boden. Experten finden, dass das bitter nötig sei.

Neue Röhren und Leitungen braucht das Land: Der Untergrund hierzulande ist besetzt. (Keystone,Jürg Müller/Symbolbild)

Neue Röhren und Leitungen braucht das Land: Der Untergrund hierzulande ist besetzt. (Keystone,Jürg Müller/Symbolbild)

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555’000 Kilometer lang sei das Netz, das die Schweiz im Untergrund durchziehe, schreibt CH Media. Hunderttausende von Leitungen, die Wasser oder Abwasser führen, die Bevölkerung entweder mit Gas, Strom oder Internet versorgen. Doch das Wissen darüber, wo diese Leitungen genau verlaufen, sei kreuz und quer im Land verteilt, vielerorts habe niemand den Überblick, hält das Medium fest. Das dies so sei, habe auch mit dem Föderalismus zu tun.

Der Bund hat das Problem im Untergrund des Landes erkannt und will das ändern. «Es ist an der Zeit, Wissen zu schaffen», sagt Christoph Käser vom Bundesamt für Landestopografie (swisstopo). Mittlerweile befinden sich Pläne für ein nationales Leitungskataster in der Vernehmlassung. Diese soll eine verlässliche und zeitgemässe Dokumentation des Untergrunds darstellen. Die Arbeitsgruppe des Bundes kommt zum Schluss, dass der «Status quo keine Option ist».

Erschwerend zur bestehenden Situation kommt, dass vor allem neue Glasfaserleitungen in den Boden drängen. Mit der Netzlänge sei in den letzten Jahren auch der Druck auf die Platzverhältnisse im Untergrund gestiegen, erklärt Käser. Der Fachmann von swisstopo weist darauf hin, dass in der momentanen Situation beim Bauen Schäden in zweistelliger Millionenhöhe jährlich entstünden, wobei die Dunkelziffer noch gross sei.

Unbefriedigende Datenlage

Andere Experten bestätigen, wie dringend ein nationaler Leitungskataster ist. Max Maurer, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der ETH Zürich, beschäftigt sich mit Wasser und Abwasser, das allein durch ein Leitungsnetz von 200’000 Kilometern fliesst. Die unbefriedigende Datenlage müsse endlich besser werden. Die Daten wären unglaublich wertvoll, denn die Leitungen müssten immer wieder erneuert werden. «Dieses Wissen aufzubauen, ist eine Investition in die Zukunft», erklärt Maurer gegenüber Media CH. Je mehr man über die Leitungen wisse, desto besser, findet Maurer. Er geht noch einen Schritt weiter: Was das Land brauche, sei eine umfassende Planung des Untergrundes.

Andreas Flury teilt diese Meinung. Der ehemalige Gesamtprojektleiter der Glattalbahn und später auch Verwaltungsratspräsident der Limmattalbahn weiss aus beruflicher Erfahrung, dass im Untergrund Chaos herrsche. «Der Untergrund ist eine wertvolle Ressource, deren Nutzung Städte, Kanton und Bund viel besser planen müssen.» Deshalb versucht Flury, der im Gremium des «Fachkreises Nutzung des Untergrundes (FNU)» Einsitz genommen hat, das Thema den Parlamentariern in Bern salonfähig zu machen.

Demokratische Mühlen mahlen langsam, sagt der Volksmund. Das ist auch bei dieser Thematik nicht anders. Käser geht beim parlamentarischen Prozess und beim Aufbau des Leitungskatasters von einer Periode von zehn Jahren aus.

(fal)

Erstellt: 15.07.2019, 19:43 Uhr

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