Maudet belastet ehemaligen Regierungspräsidenten 

Die Hotelkette Manotel hat den Genfer Staatsrat finanziell unterstützt. Nun behauptet Pierre Maudet, auch an Ex-Regierungspräsident François Longchamp (FDP) sei Geld geflossen.

Da waren sie noch Freunde: Pierre Maudet (l.) mit dem damaligen Staatsratspräsidenten François Longchamp 2015. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

Da waren sie noch Freunde: Pierre Maudet (l.) mit dem damaligen Staatsratspräsidenten François Longchamp 2015. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

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Das Strafverfahren gegen den Genfer Staatsrat Pierre Maudet (FDP) wegen Vorteilsannahme bringt immer mehr Leute in Bedrängnis. Das neuste «Opfer»: Der ehemalige Staatsratspräsident François Longchamp (FDP). Das Westschweizer Radio RTS hat enthüllt, dass die Genfer Hotelkette Manotel nebst Maudet angeblich auch Longchamp finanziell unterstützte. Gemäss RTS bedachte das Hotelunternehmen ihn für seinen Wahlkampf im Jahr 2013 mit 25'000 Franken. Das Geld floss nicht direkt an Longchamp. Es landete in der Vereinskasse des «Cercle Fazy-Favon», der der Führung der FDP Genf nicht bekannt war und Maudet wie auch Longchamp dazu diente, Projekte voranzutreiben.

Bislang interessierte sich die Staatanwaltschaft vor allem für die Finanzflüsse von Manotel zu Pierre Maudet. In den Jahren 2012 bis 2018 kassierte Maudet gemäss den Ermittlern 105'000 Franken. Maudets Anwalt dementiert die Höhe des Betrags. Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob es Gegenleistungen gab. 

An der neuen Wendung ist pikant, dass es gemäss RTS Pierre Maudet selbst war, der die Staatsanwaltschaft über den Geldfluss zu Longchamp informierte. Er tat dies in einer Einvernahme im September 2019. Maudet betonte, er selbst habe die Verbindungen zwischen Longchamp und Manotel geschaffen, sich beim Direktor der Hotelgruppe bedankt und diesem mitgeteilt, dass sein Parteikollege «die Unterstützung akzeptiert». Darüber hinaus lieferte er präzise Angaben, wofür das Geld verwendet wurde – unter anderem für einen Schlussapéro nach dem Wahlkampf.

Enge politische Weggefährten

Recherchen dieser Zeitung bestätigen, dass die Hotelgruppe 2013 einen hohen Betrag an den Verein «Cercle Fazy-Favon» überwies. Longchamp schloss gegenüber Radio RTS jedoch aus, «Geld oder Dienstleistungen» von Manotel bezogen zu haben – weder direkt noch indirekt.

Der Genfer FDP-Präsident Bertrand Reich will sich zur Angelegenheit nicht äussern. In der Partei wird Maudets Aussage so interpretiert, dass er seinen Parteikollegen Longchamp anschwärzen will, um sich selbst zu entlasten. Die beiden waren während Jahren enge politische Weggefährten. Nach seinem Rücktritt als Regierungsrat im Jahr 2018 hatte Longchamp Maudet wegen dessen Reise nach Abu Dhabi zunächst in Schutz genommen.

Bekannt ist, dass Manotel auch dem CVP-Staatsrat Serge dal Busco 10'000 Franken überwiesen hat. Das Geld erhielt dal Busco 2018,  zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang der Regierungswahlen. Der damalige Finanz- und heutige Verkehrsdirektor hat das Geld dem Absender zurückgezahlt, nachdem die «Affäre Maudet» ins Rollen gekommen war. Dal Busco wurde letztes Jahr von der Staatanwaltschaft einvernommen. François Longchamp musste bislang keine Auskünfte geben.

Erstellt: 16.01.2020, 18:49 Uhr

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