Parkgebühren halbiert: Mall of Switzerland verärgert VCS

Im zweitgrössten Einkaufszentrum der Schweiz kommen viele Besucher mit dem ÖV oder Velo. Nun will man mehr Autofahrer anlocken.

Heute fährt nur jeder zweite Kunde mit dem Auto in die Mall of Switzerland. Die Gebühren für das Parkhaus wurden nun halbiert, was für den VCS Luzern nicht mit den Klimaschutz-Anstrengungen vereinbar ist. Bild: Urs Jaudas

Heute fährt nur jeder zweite Kunde mit dem Auto in die Mall of Switzerland. Die Gebühren für das Parkhaus wurden nun halbiert, was für den VCS Luzern nicht mit den Klimaschutz-Anstrengungen vereinbar ist. Bild: Urs Jaudas

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Das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz senkt die Tarife für sein Parkhaus. Rund zwei Jahre nach der Eröffnung werden die Besucher für einen Parkplatz in der Mall of Switzerland nur noch zwei Franken für die ersten drei Stunden zahlen. Bisher waren es vier Franken, doppelt so viel. Für die nächste Stunde im Parkhaus ist ein weiterer Franken fällig, davor waren es zwei.

Der VCS Luzern ist über diese Tarifreduktion verärgert, wie Geschäftsleiter Dominik Hertach in der «Luzerner Zeitung» sagt: «Das fördert den Autoverkehr und steht den Anstrengungen punkto Klimaschutz, also die Leute zum Umsteigen auf den ÖV oder das Velo zu animieren, diametral gegenüber.»

Die nun festgesetzten Tarife entsprechen dem Minimum, welches die behördlichen Auflagen vorsehen. Zwei Franken Grundgebühr sind demnach Pflicht, die Kunden im Einkaufszentrum in Ebikon erhalten dafür nun drei Stunden Shopping-Zeit.

Anschluss an beliebteste Buslinie

Hintergrund der Tarifsenkung ist gemäss der «Luzerner Zeitung», dass die Mall mehr Kunden nach Ebikon locken will. Geht damit die Lenkungswirkung verloren, mit der die Mall in den ersten zwei Jahren erreichte, dass 50 Prozent der Kunden mit dem ÖV, Velo oder zu Fuss kamen, ein Meilenstein für den Umweltschutz, auf den man gerne verweist? Centerleiter Peter Triner winkt ab: «Nach zwei Jahren Betrieb ist es an der Zeit, die Parkgebühren den Kundenbedürfnissen anzupassen – wir führen regelmässig Befragungen durch, und eines der meistgenannten Themen ist die Senkung der Parkgebühren.» Die Lenkungswirkung bleibe bestehen, denn andernorts könne immer noch gratis parkiert werden, sagt Triner mit Verweis auf das Emmen-Center in der Nachbargemeinde.

Eine Umfrage der «Luzerner Zeitung» zeigt denn auch: Eine Mehrheit von fast 70 Prozent der Leser freut sich über die gesenkten Tarife.

Doch auch für ÖV-Nutzer gibt es gute Nachrichten. Die Mall erhält bald eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Bereits jetzt ist eine S-Bahn-Haltestelle über eine Passerelle angeschlossen, auch Busse fahren zum Einkaufszentrum.

Die S-Bahn-Haltestelle Buchrain ist mit dem Einkaufszentrum verbunden.

Ab dem 15. Dezember wird zusätzlich die Trolleybuslinie 1 von Kriens über den Bahnhof Luzern bis zur Mall of Switzerland fahren – es ist die passagierstärkste Linie der Verkehrsbetriebe Luzern. Das Einkaufszentrum wird dafür in den nächsten 15 Jahren jährlich eine halbe Million Franken an den ÖV zahlen.

Die tieferen Parkgebühren sollen trotzdem mehr Kunden mit dem Auto anlocken. Gemäss dem Fahrtenmodell sind jährlich drei Millionen Ein- und Ausfahrten erlaubt. Momentan liege man weit darunter, sagt Centerleiter Triner zur «Luzerner Zeitung». Und er verteidigt die halbierten Tarife gegen die Vorwürfe des VCS: «Die neuen Gebühren liegen innerhalb der geltenden Bestimmungen.»

Nur in Zürich noch teurer

Im Gegensatz zum grössten Einkaufszentrum der Schweiz hat die Mall of Switzerland immer noch teurere Tarife: Im Shoppi Tivoli in Spreitenbach AG ist 45 Minuten Parkieren gratis, eine Stunde kostet 50 Rappen, danach wird es jeweils pro halbe Stunde um diesen Preis teurer. Erst ab vier Stunden und vier Franken wird es teurer.

Auch im Centre Balexert in Genf und im Shoppyland in Schönbühl BE sind die Tarife vergleichsweise moderat: Für zwei Stunden sind 50 Rappen fällig. Noch besser sieht es für Autofahrer im umsatzstärksten Einkaufszentrum der Schweiz aus. Im Glattzentrum in Wallisellen ZH sind die Parkplätze gratis.

Ganz anders beim Konkurrenten in der Region Zürich: Sihlcity verlangt für die erste Stunde 3.50 Franken, für 3 Stunden sind sechs Franken fällig. Und im Shoppingbereich des Flughafens Zürich sind die Parkgebühren richtig happig: eine Stunde kostet sechs Franken, zwei Stunden zehn Franken. Wer für mindestens 60 Franken einkauft, erhält allerdings eine Ermässigung und kommt mit drei Franken für die ersten drei Stunden davon. (anf)

Erstellt: 12.11.2019, 16:38 Uhr

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