So sollen Kreisel entschärft werden

Verkehrskreisel sind für Velofahrer besonders gefährlich. Jetzt reagiert die Politik.

Der Bundesrat empfiehlt Velofahrern eine Linienwahl in der Mitte der Fahrbahn, um zu verhindern, «dass sie von anderen Fahrzeugen überholt und dabei gefährdet werden.»

Der Bundesrat empfiehlt Velofahrern eine Linienwahl in der Mitte der Fahrbahn, um zu verhindern, «dass sie von anderen Fahrzeugen überholt und dabei gefährdet werden.» Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Meist trifft sie keine Schuld, wenn es kracht: Velofahrer werden in Verkehrskreiseln oft übersehen. So biegen Autofahrer in den Kreisel ein und bemerken nicht, dass sich von links ein Fahrrad nähert. Oder ein Automobilist will den Kreisel verlassen und übersieht den vor ihm fahrenden Velofahrer.

Laut Angaben des Bundesrats ist bei jedem dritten Unfall in einem Verkehrskreisel ein Velofahrer beteiligt. Pro Jahr macht das im Schnitt 50 schwere Velounfälle, einer davon mit Todesfolge. Diese Zahl hat die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) für die Zeitungen «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag» erhoben.

Der Grüne Luzerner Nationalrat Michael Töngi möchte etwas gegen diese hohen Unfallzahlen unternehmen. Im März hat er den Bundesrat mit einer Interpellation gefragt, wie er die Situation einschätze und was er für mehr Sicherheit im Kreisverkehr unternehmen möchte.

Kein Tempolimit

Nun hat der Bundesrat geantwortet. Auch er beurteilt die Situation als «unbefriedigend». Trotzdem lehnt er Töngis Vorschlag ab, in Kreiseln ein Geschwindigkeitslimit einzuführen. Die Regierung verweist darauf, dass Automobilisten gemäss geltender Verkehrsregelnverordnung die Geschwindigkeit bei der Einfahrt in einen Kreisel «mässigen» müssen.

Mit starren Tempolimits könne hingegen nicht mehr Sicherheit erreicht werden. Die konkrete Geschwindigkeit sei von der Verkehrssituation, der Witterung und weiteren Faktoren abhängig. «Ein zu hoch angesetztes starres Tempolimit würde einen falschen Anreiz geben, schneller zu fahren als angezeigt», schreibt der Bundesrat.

In der Mitte fahren

Nichts wissen will der Bundesrat auch von einem generellen Überholverbot in Kreiseln. Er betont aber, dass Velofahrer im Kreisel nicht an das Rechtsfahrgebot gebunden sind, sondern in der Mitte der Fahrbahn fahren können: «Sie können mit einer entsprechenden Linienwahl verhindern, dass sie von anderen Fahrzeugen überholt und dabei gefährdet werden.»

Der Bundesrat verweist zudem auf die vom Fonds für Verkehrssicherheit finanzierte Kampagne «Made visible», die das sichere Verhalten von Radfahrern in Kreiseln thematisiert. Auch der Verkehrs-Club der Schweiz und Pro Velo Schweiz haben letztes Jahr eine Kampagne für mehr Sicherheit im Kreiselverkehr lanciert. In beiden Kampagnen wird betont, dass der Velofahrer in der Mitte des Kreisels fahren soll.

Schliesslich erarbeitet das Bundesamt für Strassen derzeit eine Vollzugshilfe, damit beim Bau von Kreiseln noch mehr auf die Sicherheit von Velofahrern geachtet wird. Laut Angaben des BfU sind beispielsweise Pflanzen oder Kunstwerke in der Mitte eines Kreisels sinnvoll. So wird verhindert, dass der Autofahrer auf die andere Seite des Kreisels schaut – sondern vermehrt nach links blickt, wo er einen nahenden Velofahrer sehen würde.

Erstellt: 21.05.2019, 16:16 Uhr

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