Tessiner Regierung muss sich im Fall Gucci erklären

Wegen der Steuerhinterziehungsaffäre will eine Interpellation klären, warum Gucci-Manager von falschen Wohnsitzen profitieren konnten.

Der Modegigant Gucci soll von 2011 bis 2017 über das Tessiner Verteilzentrum Luxury Goods Steuern von 1,4 Milliarden Euro hinterzogen haben. (Archivbild)

Der Modegigant Gucci soll von 2011 bis 2017 über das Tessiner Verteilzentrum Luxury Goods Steuern von 1,4 Milliarden Euro hinterzogen haben. (Archivbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Untersuchung der italienischen Behörden gegen die Gucci-Eigentümerin Kering wegen Steuerhinterziehung in der Höhe von 1,4 Milliarden Euro sorgt auch im Tessin weiterhin für Aufruhr. Am 20. Februar muss sich das Kantonsparlament mit einer Interpellation befassen, die Antworten von der Regierung verlangt.

Die Kering-Gruppe ist im Tessin mit seinem Verteilzentrum Luxury Goods präsent. Laut der Untersuchung der Mailänder Staatsanwaltschaft soll der von Kering kontrollierte Modegigant Gucci von 2011 bis 2017 über Luxury Goods Steuern von 1,4 Milliarden Euro hinterzogen haben, indem er Einnahmen in der Höhe von 14,5 Milliarden Euro nicht meldete.

«Alle notwendigen Elemente sind vorhanden, damit die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) eine Untersuchung einleiten kann», sagte Matteo Pronzini von der Bewegung «Movimento per il Socialismo» (MPS), der die Interpellation eingereicht hat, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Diese müsse klären, warum dem ehemaligen Gucci-CEO Patrizio Di Marco von 2010 bis 2014 eine Niederlassungsbewilligung und eine Steuerpauschale in Paradiso bei Lugano erteilt wurde, obwohl er tatsächlich in Italien lebte.

«Skandal und Missbrauch»

Die am 27. Januar eingereichte Interpellation mit dem Titel «Fall Gucci: Welche Kontrollen gibt es für den Wohnsitz ausländischer Manager?» steht auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Tessiner Grossen Rates vom 20. Februar. Pronzini nimmt kein Blatt vor den Mund: «Wieder einmal erschüttert ein Skandal das Tessin». Der Missbrauch werde von den Behörden begünstigt, indem sie die Präsenz internationaler Manager und ausländischer Unternehmen erleichterten, deren einziges Ziel es sei, Steuervorteile zu nutzen.

Auch vom Staatsrat will der linke Abgeordnete wissen, welche Kontrollen existieren, wenn ein internationaler Manager seinen Steuersitz ins Tessin verlagern will. Und warum niemand bemerkt habe, dass rund 20 Führungskräfte der Kering-Gruppe von falschen Wohnsitzen profitieren konnten. Zudem soll die Tessiner Regierung Stellung nehmen zu den Konsequenzen des Falles «für den Ruf des Kantons und des kantonalen Finanz- und Wirtschaftsstandorts».

Die ESTV überwacht

Die Besteuerung und Erhebung der direkten Bundessteuer erfolge durch die Kantone unter der Aufsicht des Bundes, erklärte die ESTV. Es liege daher in der Verantwortung der Kantone, diese gemäss den gesetzlichen Bestimmungen durchzuführen. Die ESTV könne jedoch verlangen, dass ihr im Einzelfall eine Besteuerung mitgeteilt werde.

Auf mehrmaliges Nachfragen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte Christian Vitta, FDP-Staatsrat und Vorsteher des kantonalen Wirtschafts- und Finanzdepartements, er dürfe keine Angaben zu konkreten Fällen machen. Er berief sich dabei auf das Steuergeheimnis.

Doch 2014 war es ausgerechnet Vitta, der als Bürgermeister von Sant'Antonio bei Bellinzona die Niederlassung des Logistikzentrums Luxury Goods der Kering Gruppe in die Wege leitete.

Schweizer Untersuchung

Im März 2018 wurde bekannt, dass die Bundesanwaltschaft (BA) im Juni 2017 im Zusammenhang mit der italienischen Untersuchung der Kering-Gruppe ein Strafverfahren eingeleitet hatte. Dabei geht es um Geldwäsche und Urkundenfälschung. Das Strafverfahren richtet sich gegen Unbekannt.

Darüber hinaus bestätigte die BA, dass sie ein Rechtshilfeersuchen der Mailänder Staatsanwaltschaft erhalten und bewilligt habe. Bei der Anfrage sei es aber nicht um Steuerhinterziehung, sondern um den Fall eines ehemaligen Kering-Managers gegangen. (ij/sda)

Erstellt: 09.02.2019, 09:22 Uhr

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