Weshalb Väter beim Frauenstreik mitmarschieren sollten

Seit fünf Jahren gilt das gemeinsame Sorgerecht. Die Bilanz ist ernüchternd. Väter sollten an der Seite der Frauen für mehr Gleichstellung kämpfen.

Am 20. Jahrestag des Frauenstreiks forderten Demonstrantinnen erneut Gleichstellung – am Freitag sollten sich Väter mit den Frauen solidarisieren, denn es sind auch ihre Anliegen. Foto: Keystone/Steffen Schmidt

Am 20. Jahrestag des Frauenstreiks forderten Demonstrantinnen erneut Gleichstellung – am Freitag sollten sich Väter mit den Frauen solidarisieren, denn es sind auch ihre Anliegen. Foto: Keystone/Steffen Schmidt

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Es wurde viel hineinprojiziert in das gemeinsame Sorgerecht, das im Juli 2014 in Kraft trat. «Früher kam das Kind zur Mutter, nun kommt das gemeinsame Sorgerecht», hiess es beispielsweise. Oder: «Der Gesetzgeber möchte den Streitereien um das Kind endlich ein Ende setzen.»

Das waren zu grosse Hoffnungen. Eigentlich ging es nur darum, dass Väter und Mütter auch nach der Trennung in wichtigen Angelegenheiten gemeinsam entscheiden: betreffend Bildung, religiöse Erziehung, medizinische Eingriffe. Weder gibt es mit dem gemeinsamen Sorgerecht weniger Streitereien, noch kämen die Kinder mehr zum Vater als früher. Das gemeinsame Sorgerecht als Regelfall bei Scheidungen (zuvor wurde es nur auf gemeinsamen Antrag genehmigt) war mehr ein Signal der Politik an die Gesellschaft. Gleichstellung soll auch in der Familie realisiert werden, so die Botschaft. 2017 folgte das neue Unterhaltsrecht, das die Kinder lediger und verheirateter Eltern gleichstellte. Und seither ist auch die alternierende Obhut – das Modell, bei dem die Kinder zwei Wohnsitze haben – im Gesetz explizit erwähnt und damit von der Politik theoretisch bevorzugt.

«Kluft zwischen Politik und Realität»

Theoretisch. Die Umsetzung hinke dem Gedanken des Gesetzgebers teilweise noch weit hinterher, sagten Vertreter mehrerer Organisationen an einer Medienkonferenz am Mittwochmittag in Bern, darunter die Vereinigung für gemeinsame Elternschaft oder die Coordination romande des organisations paternelles. Der Bundesrat habe in seinem Familienbericht von 2015 die Kluft zwischen Politik und Realität zwar erkannt, doch beim Recht des Kindes auf Kontakt zu beiden Elternteilen führe das noch zu keiner nennenswerten Verbesserung.

Das ist so. Nach der Trennung leben die Kinder auch heute noch meistens bei der Mutter, während der Vater Alimente zahlt und die Kinder besuchsweise sieht. Wenn sich die Eltern einvernehmlich für dieses Modell entscheiden, ist nichts dagegen einzuwenden. Nur: Viele Väter würden gern weniger Zahlpapi sein und ihre Kinder mehr betreuen. Doch wenn die Mutter nicht einwilligt oder sie nicht unendlich viel Ressourcen für einen Prozess haben, ist das fast unmöglich.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen das überlieferte Bild, das Kind gehöre zur Mutter, das immer noch in unseren Köpfen ist. Auch in jenen der Richter und Behörden. Zum anderen sind es die Väter selber, die manchmal erst an Gleichstellung interessiert sind, wenn die Beziehung zu Ende ist. Würden sie schon vorher bei der Arbeit zurückstecken und sich in der Kinderbetreuung stärker engagieren, hätten sie es bei der Trennung einfacher. Allerdings ohne Gewähr – es kommt immer wieder vor, dass Väter Teilzeit arbeiten und sich zu Hause engagieren, dass sie nach der Trennung aber dennoch die volle Alimentenlast tragen und die Kinder nur besuchsweise sehen. Das sind stossende Fälle, die hoffentlich immer seltener werden. Tendenziell haben Väter bei einer Trennung die besseren Argumente, wenn sie den Kindern ab Geburt einen substanziellen Platz in ihrem Alltag geben.

Im Büro wie am Sandkasten

Ein weiterer Grund, warum Väter den Müttern noch nicht gleichgestellt sind, ist simpel: Solange es keine Gleichstellung im Beruf gibt, gibt es sie auch nicht am Sandkasten. Man kann nicht überall stark sein, man muss auch delegieren und loslassen können. Das gilt für die Mütter zu Hause und für die Väter im Berufsleben. Deshalb argumentieren die genannten Eltern-Organisationen richtig, wenn sie auch die fehlende Teilhabe der Frauen in der Wirtschaft kritisieren. Steuerliche Gründe, mangelhafte Betreuungsangebote und fehlende Elternzeit führten dazu, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes die Erwerbstätigkeit oft aufgeben, schreiben sie. Ein Kind zu haben, reduziere die Chancen einer Frau im Beruf erheblich, ob vor oder nach der Trennung.

Deshalb: Wenn am Freitag die Frauen auf die Strasse gehen und Gleichstellung fordern, sollten Männer – vor allem Väter – an vorderster Front mitmarschieren und die Anliegen der Frauen skandieren. Es sind auch ihre. Vaterschaftsurlaub, Teilzeitarbeit, gleiche Löhne, gleiche Karrierechancen, gleiche Teilhabe an der Kinderbetreuung. Diese Anliegen sind nicht voneinander zu trennen. Es geht nur Hand in Hand. Dann fällt die Bilanz nach zehn Jahren Sorgerecht vielleicht erfreulicher aus.

Erstellt: 12.06.2019, 17:50 Uhr

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