Zeitumstellung – zieht die Schweiz mit?

Die Sammelfrist läuft: Auch in der Schweiz sollen die Uhren nicht mehr umgestellt werden. Das fordert eine neue Initiative.

Für viele mehr Ärgernis als Nutzen: Die Zeitumstellung soll auch in der Schweiz bald Geschichte sein. (Archivbild) Bild: Keystone

Für viele mehr Ärgernis als Nutzen: Die Zeitumstellung soll auch in der Schweiz bald Geschichte sein. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt soll abgeschafft werden. Künftig soll ganzjährig die mitteleuropäische Zeit gelten. Das verlangt eine Initiative, die von der Bundeskanzlei vorgeprüft und am Dienstag im Bundesblatt publiziert worden ist.

Die Initianten haben bis am 9. Oktober 2020 Zeit, die für das Zustandekommen nötigen 100'000 Unterschriften zu sammeln. Die Ausführungsbestimmungen müssten im Jahr nach der Annahme in Kraft gesetzt werden.

Im Initiativkomitee sitzen unter anderem der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann und die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Sie hatte sich im Rat mehrmals für die Abschaffung der Zeitumstellung stark gemacht, jedoch ohne Erfolg. Mitglied des Initiativkomitees ist auch der Bergbauer Armin Capaul, Urheber der Hornkuh-Initiative, die 2018 abgelehnt worden ist. Die Bauern sind seit jeher skeptisch gegenüber der Zeitumstellung, weil die Kühe besonders unter dem veränderten Rhythmus leiden.

EU geht voran

Ob es überhaupt eine Volksabstimmung braucht, ist ungewiss. Im März hat sich das EU-Parlament nämlich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Findet der Plan die Zustimmung der Mitgliedstaaten, könnten die Uhren im Oktober 2021 ein letztes Mal umgestellt werden.

Den einzelnen Ländern soll es aber freigestellt sein, ob sie die Sommer- oder die Winterzeit beibehalten wollen. In der EU-Umfrage hatte sich eine grosse Mehrheit für eine dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen.

Schweiz macht's nach

Das Eidgenössische Institut für Metrologie* (Metas) teilte nach dem Entscheid des EU-Parlaments mit, die Schweiz verfolge die Entwicklung in den Nachbarländern und werde sorgfältig prüfen, ob eine allfällige Anpassung der Zeitregelung sinnvoll und im Interesse der Schweiz sei.

Das entspricht der bisherigen Politik des Bundes. Obwohl das Volk die Sommerzeit 1978 mit fast 84 Prozent Nein verworfen hatte, führte der Bundesrat die Zeitumstellung nach einem Entscheid des Parlaments 1981 ein. Für die Koordination mit den Nachbarländern führte er damals wirtschaftliche Gründe ins Feld.

In der Begründung einer Motion aus dem Jahr 2016 hatte Estermann auf die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung verwiesen. Sie machte damals auch die hohe Zustimmung zur Abschaffung der Zeitumstellung in der EU geltend. In einer globalisierten Welt, in der die Leute auf Flugreisen regelmässig die Uhr umstellten, sei das Argument der «Zeitinsel Schweiz» nicht mehr stichhaltig.

* In einer früheren Version dieses Beitrags war irrtümlich vom «eidgenössischen Institut für Meteorologie» die Rede. Gemeint ist aber das eidgenössische Institut für Metrologie, das Kompetenzzentrum des Bundes für alle Fragen des Messens. Metrologie (ohne «eo» nach dem t) ist die Wissenschaft des Messens. Meteorologie hingegen ist die Lehre von den Witterungserscheinungen.

(oli/sda)

Erstellt: 10.04.2019, 11:23 Uhr

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