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«Das ist eine Ehre, aber ich habe andere Zukunftspläne»

Die SVP lockerte nur für ihn die Beschränkung der Amtszeit. Dennoch tritt Adrian Amstutz von der Politbühne ab.

Tritt nicht erneut an: Der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz. (Archivbild) Bild: Patrick Hürlimann/Keystone
Tritt nicht erneut an: Der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz. (Archivbild) Bild: Patrick Hürlimann/Keystone

Der Berner SVP-Politiker Adrian Amstutz verzichtet auf eine erneute Kandidatur für den Nationalrat. Dies, obwohl ihm die Kantonalpartei mit einer Statutenänderung eine längere Amtszeit ermöglicht hätte.

Dass die bernische SVP «nahezu einstimmig» den Wunsch geäussert habe, er möge erneut kandidieren, sei für ihn «eine Ehre»: Das schreibt Amstutz in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Doch wolle er nun «die mit der Erreichung des 65. Lebensjahres geschmiedeten Zukunftspläne» zusammen mit seiner Familie «und in der Hoffnung auf gute Gesundheit» umsetzen, schreibt Amstutz weiter. Wie versprochen werde er aber bis Ende Oktober 2019 seine Funktion als Wahlkampfleiter der SVP Schweiz «voll motiviert» erfüllen.

Die Berner SVP beschloss am Montagabend an ihrer Delegiertenversammlung eine Lockerung der Amtszeitbeschränkung für ihre Mandatsträger. In Einzelfällen kann die Partei mit einer Zweidrittelmehrheit beschliessen, dass Amtsträger mehr als die bisher geltenden maximal vier Amtsperioden im Amt bleiben können.

Damit sollte konkret der Weg für eine erneute Kandidatur Amstutz' geebnet werden. Amstutz selber war während der Debatte in den Ausstand getreten und hatte sich mehrere Tage Bedenkzeit ausbedungen.

Rega, Astag, Wandern...

Auf die Frage, wie denn seine Zukunftspläne aussehen, sagte der im Dezember 65-jährig gewordene Amstutz, er wolle sich weiterhin im Stiftungsrat der Rega engagieren und Präsident des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands Astag bleiben. Klar gehe es auch um Tätigkeiten wie Wandern, Gleitschirmfliegen, Skifahren und um Aktivitäten mit den Grosskindern.

Von seiner Partei sei er nicht unter Druck gesetzt worden. Keinen Kommentar abgeben wollte er zur Frage, ob er die von seiner Partei beschlossene Lockerung der Amtszeitbeschränkung gut findet oder nicht. Diese Frage habe die Partei an der Delegiertenversammlung beantwortet, so Amstutz.

Der Präsident der bernischen SVP, Werner Salzmann, bedauert den Entscheid des Sigriswiler Nationalrats. Er könne ihn aber nachvollziehen. Zwar öffne sich durch dessen Verzicht eine Chance für ein anderes SVP-Mitglied, doch sei Amstutz ein «Zugpferd» der Partei gewesen.

Parteien seien auf bekannte Persönlichkeiten angewiesen, um Listenstimmen zu machen. «Deshalb ist Amstutz' Verzicht sicher kein Vorteil für die SVP Kanton Bern.»

Amstutz war bei den Wahlen 2007, 2011 und 2015 jeweils bestgewählter Nationalrat im Kanton Bern. 2011 sass er einige Monate im Ständerat, wurde aber bei den Wahlen im Herbst 2011 abgewählt. Amstutz hatte im März 2011 Simonetta Sommarugas Ständeratssitz erobert und wurde im Herbst von Hans Stöckli (beide SP) geschlagen. Von 2012 bis 2017 leitete Amstutz die Fraktion der SVP in den eidgenössischen Räten.

Authentischer Berner Oberländer ohne Krawatte

Amstutz war nicht nur in der traditionsreichen Berner SVP eine prägende Figur sondern auch in der SVP Schweiz. Politisch blieb er stets authentisch, auch in Bezug auf seine Person: Krawatte trug der frühere Fallschirmgrenadier und Handwerker konsequent nie; auch wenn andere SVPler im Bundeshaus diese mehr oder weniger knurrend anzogen. Authentisch blieb er auch bezüglich seiner oft kompromisslosen Klarheit in politischen Voten. Übertriebene Diplomatie war nie die Stärke von Adrian Amstutz.

Wohl in vieler Leute Erinnerung: Eine Fehlinterpretation der damals neuen SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga quittierte er in der Arena von SRF im Jahr 2010 mit der Aussage, sie erzähle völligen «Seich». Die Sache hallte medial noch tagelang nach.

Authentisch bleibt der Berner Oberländer nun auch bei seinem Abgang. Gegen innen hatte er stets mit Vehemenz unterstrichen, er halte die parteiinterne Amtszeitbeschränkung ein und er werde gehen Ende Legislatur. Kenner erstaunt es deshalb nicht weiter, dass es seiner Partei nicht gelungen ist, ihn mit dem offen Lassen eines Listenplatzes «breit zu schlagen» und nochmals zur Kandidatur zu bewegen.

Klar ist für die Berner SVP: Sie verliert im Herbst eine Wahlkampflokomotive, denn Amstutz schwang bei den Stimmenzahlen meist obenaus.

JSVP-Frau bekommt nun Listenplatz

Als die SVP des Kantons Bern am vergangenen Montag die Amtszeitbeschränkung zugunsten von Amstutz lockerte, liess sie auf der Liste für die Nationalratswahlen einen Listenplatz frei. Dieser wird nun besetzt durch eine Kandidatin der Jungen SVP, wie SVP-Geschäftsführerin Aliki Panayides auf Anfrage sagte.

Es handelt sich um die Drittplatzierte JSVP-Kandididierende der letzten Nationalratswahlen. Die beiden vor ihr platzierten Kandidierenden treten im Herbst nicht an.

SDA/bg/red

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