Zum Hauptinhalt springen

Der Bund verzichtet auf eine Schliessung der Grenze zu Italien

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit, erklärt, warum die Grenze zu Italien offen bleibt.

Die Schweiz verzichtet auf drastische Massnahmen und schliesst die Grenzen zu Italien nicht. Foto: Keystone
Die Schweiz verzichtet auf drastische Massnahmen und schliesst die Grenzen zu Italien nicht. Foto: Keystone

«Nein, eine Grenzschliessung würde nichts bringen. Es geht darum, jetzt die richtigen Massnahmen durchzusetzen. Und nicht falsche, die noch zusätzlichen Schaden anrichten.» So reagierte Daniel Koch, der Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit, auf die Forderung eines Tessiner Nationalrats. Lorenzo Quadri von der Lega hatte zuvor öffentlich gefordert, dass allen italienischen Grenzgängern, die im Dienstleistungssektor arbeiten, die Einreise in die Schweiz verweigert werde. In diversen Foren verlangten auch mehrere Leserinnen und Leser, die Grenze zu Italien sei nun unverzüglich zu schliessen. Koch begründete am Sonntagnachmittag den Verzicht auf diese drastische Massnahme mit zwei Überlegungen.

Isolation und Abstriche

Entweder handle es sich in Italien um eine lokale Ausbreitung, die mit den lokal angeordneten Massnahmen unter Kontrolle gebracht werden könne. Oder aber das Virus sei in Italien bereits ausser Kontrolle geraten; in diesem Fall käme eine Grenzschliessung zu spät, sagte Koch. Untätig blieben die zuständigen Behörden auf beiden Seiten des Gotthards indessen nicht. Im Fokus von Massnahmen standen am Sonntag die Spitäler in der Südschweiz. Dort gilt es, das Virus, sollte es auftreten, möglichst umgehend zu erkennen. Die medizinischen Testkapazitäten würden deshalb ausgebaut, sagte Koch. Genf unterstütze dabei das Tessin.

Aufgrund der Sorgen im Tessin, das Coronavirus könne von der benachbarten Lombardei auf die Südschweiz übergreifen, reagierte auch der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani mit einer Mitteilung. Der Kanton Tessin bereite sich seit einiger Zeit auf Fälle von Corona vor, die Spitäler seien bereit, sagte er am Sonntag. Es scheine in Italien Ansteckungen gegeben zu haben, ohne dass dabei ein eindeutiger epidemiologischer Zusammenhang bestehe. Man habe im Tessin deshalb Vorsichtsmassnahmen in Spitälern und für das Erkennen von Corona verstärkt. Verdachtsfälle, also Personen mit Fieber und schweren Atemwegserkrankungen, würden isoliert und einem Nasen-Rachen-Abstrich unterzogen. So könnten Viren entdeckt werden.

Ernste Situation

Die Massnahmen sollen bei Corona-Verdacht auch dann durchgeführt werden, wenn sich eine erkrankte Person zuvor nicht in einem Gebiet aufgehalten hat, in dem das Virus vorkommt. Kantonsarzt Merlani verwies auch auf Verhaltensweisen für Menschen, die denken, sie könnten an Corona leiden. Diese sollten sich nicht direkt in Gesundheitseinrichtungen begeben, sondern zuerst den Arzt oder eine Notfallnummer anrufen.

Heute Montag treten im Tessin sodann Experten zusammen, um weitere Massnahmen zu beraten. Die Öffentlichkeit soll danach informiert werden. Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit ist derweil überzeugt, Corona sei ernst zu nehmen; man stehe aber «sicher nicht» vor einer Katastrophe.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch