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«Eine Grenzschliessung würde nichts bringen»

Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit, beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Massnahmen gegen das Coronavirus im Tessin.

«Wichtig ist nun, kühlen Kopf zu bewahren», sagt Daniel Koch. Foto: Keystone
«Wichtig ist nun, kühlen Kopf zu bewahren», sagt Daniel Koch. Foto: Keystone

Herr Koch, wie präsentiert sich die Lage aus Ihrer Sicht?

Ich habe grosses Verständnis, dass die Tessiner Bevölkerung besorgt ist. Das Wichtigste ist jetzt, Fälle von Coronavirus möglichst schnell zu entdecken, sollten diese im Tessin auftauchen. Es geht darum, die richtigen Massnahmen zu treffen. Deshalb stehen wir mit den Tessiner Behörden laufend in Kontakt.

«Zur Vorbereitung gehört auch die korrekte Information der Bevölkerung»: Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten, BAG. Foto: Keystone
«Zur Vorbereitung gehört auch die korrekte Information der Bevölkerung»: Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten, BAG. Foto: Keystone

Was kommt dabei heraus?

Die Vorbereitungen laufen. Im Fokus haben wir die Spitäler in der Südschweiz. Dort muss das Virus, sollte es auftreten, unverzüglich erkannt werden. Darum werden nun die Kapazitäten für die Tests ausgebaut. Genf unterstützt dabei das Tessin. Zur Vorbereitung gehört auch die korrekte Information der Bevölkerung. Auch hier handeln die zuständigen Tessiner Behörden in Zusammenarbeit mit uns.

Politiker aus dem Tessin fordern angesichts der 70'000 Grenzgänger, die morgen zur Arbeit im Kanton Tessin erscheinen müssen, dass die Grenze geschlossen wird. Ziehen Sie in Erwägung, die Grenze zu Italien schliessen zu lassen?

Nein, eine Grenzschliessung würde nichts bringen. Es geht darum, jetzt die richtigen Massnahmen durchzusetzen. Und nicht falsche, die noch zusätzlichen Schaden anrichten. Eine Grenzschliessung wäre aus zwei Überlegungen nicht zielführend: Entweder handelt es sich in Italien um eine lokale Ausbreitung, die mit den lokal angeordneten Massnahmen unter Kontrolle gebracht werden kann. Oder aber – das Virus ist in Italien bereits ausser Kontrolle geraten. In diesem Fall käme eine Grenzschliessung zu spät. Wenn die Fallzahlen in Italien nun schnell steigen, heisst das nicht zwingend, dass die Menschen jetzt angesteckt wurden, sondern jetzt entdeckt man sie.

Wie soll sich die Bevölkerung verhalten?

Wichtig ist nun, kühlen Kopf zu bewahren und jene Hygienemassnahmen einzuhalten, die eigentlich immer gelten. Das Coronavirus ist nicht ganz harmlos. Wir nehmen die Sache deshalb sehr ernst. Cororna ist aber auch nicht vergleichbar mit der Spanischen Grippe. Vulnerable, also Verletzliche, können daran sterben, das wissen wir. Aber sicher ist es nicht so, dass wir jetzt vor einer Katatsrophe stehen.

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