Balthasar Glättli tritt alleine an

Der Zürcher Nationalrat kandidiert für das Präsidium der Grünen – ohne Mitkandidatin. Die Frauen sollen die Partei im Parlament führen.

Der 47-jährige plant ein Buchprojekt, um eine Debatte über grüne Visionen anzustossen: Balthasar Glättli. Foto: Sebastian Magnani

Der 47-jährige plant ein Buchprojekt, um eine Debatte über grüne Visionen anzustossen: Balthasar Glättli. Foto: Sebastian Magnani

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Eine neue Brille hat er bereits, jetzt soll ein neues Amt dazukommen: Balthasar Glättli will Präsident der Grünen werden und damit die Nachfolge von Regula Rytz antreten. Seine Kantonalpartei hat Glättli diese Woche nominiert und wird ihn demnächst der Parteizentrale melden. «Ich bin offizieller Kandidat der Grünen Zürich», bestätigt Glättli.

Er hat sich zuletzt mit dem Entscheid Zeit gelassen, da sich seine Frau fürs Präsidium der SP interessierte. Min Li Marti zog sich kürzlich jedoch zurück. Damit war der Weg für Glättli frei.

Der Wunsch nach einer Frau an der Spitze gibts wie bei der SP auch bei den Grünen. Sie haben die Wahlen im Herbst mit einer Präsidentin gewonnen und ihren Wahlsieg vor allem Frauenstimmen zu verdanken – sowie starken Resultaten in der Westschweiz. Bleibt es bei der Einerkandidatur Glättli, werden die Grünen in den nächsten Jahren nun aber mit einem Deutschschweizer Mann als Chef politisieren. Ob das in der Partei Widerstand provoziert, muss sich erst noch zeigen. Bis jetzt gibt es allerdings keine Gegenkandidatur. Die Meldefrist endet nächste Woche.

Co-Präsidium mit einer Frau kam nicht zustande

Glättli selbst bemühte sich um ein Co-Präsidium. Die Genfer Ständerätin Lisa Mazzone lehnte jedoch ab. Nun ist Glättli alleiniger Kandidat und sieht darin auch kein Problem: «Ich bin kein Frauenverhinderer», sagt der 47-Jährige. Die Partei sei über Jahre von Frauen geführt worden. Jetzt dürften die Delegierten auch entscheiden, dass wieder ein Mann Präsident werde. Gemäss Glättli werden die Grünen zudem dafür sorgen, dass die Frauen und die Romandie in der Parteileitung und im Fraktionspräsidium sichtbar vertreten seien. «Es gibt dazu entsprechende Überlegungen.»

So könnte etwa die Berner Nationalrätin Aline Trede zusammen mit einer neu gewählten Westschweizer Nationalrätin oder mit Mazzone die Fraktion leiten. Mazzone dürfte überdies Vizepräsidentin der Partei bleiben.

Bisher war Glättli Fraktionschef der Grünen. Sollte er im Frühjahr zum Präsidenten gewählt werden, will er in der Tagespolitik und im Parlamentsalltag im Bundeshaus vermehrt anderen den Vortritt lassen. «Wir haben sehr viele kompetente Persönlichkeiten, die sich exponieren können. Ich will nicht der Superparlamentarier sein.»

Er will die Grünen in den Bundesrat führen

Stattdessen möchte Glättli in der Partei und in der Gesellschaft eine Debatte über grüne Visionen anstossen. Er plant dazu ein Buchprojekt und will mit diesem durchs Land ziehen. Ihn beschäftigt, dass heute wieder die gleichen Themen wie Anfang der 1990er-Jahre zu reden geben, als er den Grünen beitrat. Er denkt an den Klimawandel, an gesellschaftliche Fragen oder das Aufkommen der Rechtspopulisten. «Wir können nicht noch einmal 30 Jahre vergeuden. Insbesondere in der Klimapolitik ist es jetzt höchste Zeit, um zu handeln.»

Deshalb möchte Glättli die Grünen in den Bundesrat führen. «Dort können wir wirkungsvoller eine bessere Politik machen.» Der Bundesrat sei eine zentrale politische Institution, wo die Lösungen und Kompromisse aufgegleist würden. Glättli will aber auch dafür sorgen, dass der Druck von der Strasse mit den Klimastreiks aufrechterhalten bleibt. «Ich sehe meine Aufgabe in der Stärkung der grünen Bewegung.» Politik finde nicht nur in Bundesbern statt. «Wir Grünen müssen weiter und noch stärker bei den Leuten sein.»

Sein Programm könnte ihm den Vorwurf einbringen, ein grüner Missionar zu sein. Er selbst sieht sich «eher als Denker». Im Unterschied zu Missionaren mache er Politik immer mit der Haltung, dass er auch nicht recht haben könnte. «Ich will offen dafür bleiben, mich von anderen auch überzeugen zu lassen. Alles andere ist undemokratisch.»

Erstellt: 25.01.2020, 22:29 Uhr

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